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Was kommt nach Nelson Mandela?

Dr. Alexander von Paleske — 16.6. 2013 —
Zum dritten Mal wurde Nelson Mandela von mehr als einer Woche mit einer Lungenentzündung in ein Krankenhaus gebracht, bereits das dritte Mal in diesem Jahr.

Immer wieder kommt es auf der Basis einer Herzschwäche zu einer Wasseransammlung in der Lunge, auf die sich dann eine Lungenentzündung aufpfropft, eine sogenannte hypostatische Pneumonie.

Diesmal musste Mandela sofort auf die Intensivstation gebracht werden, und der Zustand des 94-jährigen ehemaligen Staatspräsidenten Südafrikas wurde erstmals als „kritisch“ bezeichnet.


Nelson Mandela

Vorbereitung auf den Abschied
Auch wenn sein Gesundheitszustand sich mittlerweile etwas gebessert hat, so bereitet sich Südafrika auf das Ableben des Jahrhundertstaatsmanns vor, und viele stellt sich die bange Frage: Was kommt nach seinem Tode?

Müssige Frage
Die Frage ist jedoch müssig, denn die Nach-Mandela-Zeit Südafrikas hatte bereits vor 14 Jahren mit dem Amtsantritt seines Nachfolgers Thabo Mbeki begonnen.

In die Politik eingegriffen hatte Mandela, zuletzt vor 10 Jahren, als er die Kampagne 466/64 startete unter der Nummer seiner Gefängnisakte auf Robben Island.
Eine Spendensammlung mit Konzerten internationaler Popstars zur Unterstützung der Opfer der Immunschwächekrankheit HIV/AIDS, beginnend im November 2003.

Hochpolitisches Eingreifen
Diese Kampagne war aber nicht nur eine Wohltätigkeitsveranstaltung, sondern auch eine hochpolitische Antwort auf die unglaubliche Verharmlosung und Behandlungsverweigerung der HIV-Aidsseuche und ihrer Opfer durch den damaligen südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki.

Eine paramedizinische Wahnfahrt, die rund 350.000 Südafrikanern den vorzeitigen Tod bescherte, ideologisch unterstützt durch internationale HIV-AIDS-Leugner wie den deutschen Internisten Claus Köhnlein aus Kiel, den österreichischen Gynäkologen Christian Fiala und den US-Professor Peter Duesberg.

Und es war ein persönliches Anliegen Mandelas, dessen Sohn an der Immunschwächekrankheit verstorben war.

Letzter Auftritt
In der Öffentlichkeit trat Mandela anlässlich der Fussball-Weltmeisterschaft 2010 letztmalig in Erscheinung, wobei ergänzend noch einmal aus aktuellem Anlass an die Äusserungen des Bayern-„Grossmauls“ Uli Hoeness vier Monate vor Beginn der Fussball-WM erinnert sei:

„Die Wahl Südafrikas als Austragungsort für die Fussball WM ist die grösste Fehlentscheidung des FIFA-Präsidenten Sepp Blatter gewesen“.

In der Zeit nach der WM nahm nicht nur die körperliche Gebrechlichkeit zu, sondern auch die geistige, welche die Familie – verständlicherweise – tunlichst vor der Öffentlichkeit verbergen wollte.

Fortsetzung seiner Politik?
Insofern ist die Frage, was kommt nach Mandela nicht passend.
Eher wäre die Frage berechtigt:

Kann Südafrika auf den Weg zurückfinden, den Mandela vorgezeichnet und mit aller Konsequenz beschritten hat:

– Die Aussöhnung zwischen Schwarz und Weiss,

– die Ablehnung jeglicher persönlicher Bereicherung für sich und seine Familie aufgrund seiner Machtposition

– der selbstlose Dienst für sein Volk und für Afrika insgesamt.

Seine Leistungen für die südafrikanische Gesellschaft fasste sein enger Freund und Kämpfer gegen Apartheid, der Friedensnobelpreisträger Erzbischof Desmond Tutu so zusammen:

Without Nelson Mandela the country would have gone up in flames”


Keine spitze Feder für Mandela – Cartoonist Zapiro zum heutigen Vatertag in der Sunday Times (Südafrika)

Nein, die Nachfolgegeneration hat wenig verstanden oder will wenig davon verstehen. Für sie steht mittlerweile die schamlose Bereicherung im Vordergrund, oftmals durch Korruption wie bei dem Multimilliarden-Waffenskandal, in den – neben deutschen Firmen – führende südafrikanische Politiker verwickelt waren, einschliesslich der beiden Nachfolger im Amt des Staatspräsidenten.

Auch die enge Familie Mandelas, versucht aus dem klangvollen Namen Geld, viel Geld zu schlagen, und das fängt bereits bei seinen zwei Töchtern an, die er zusammen mit Winnie Mandela hat.

Andrew Mlangeni (88), zusammen mit Nelson Mandela 1964 zu lebenslanger Haft verurteilt und 26 Jahre auf Robben Island eingesperrt äusserte sich heute in der südafrikanischen Sonntagszeitung Sunday Times wie folgt:

We did not go to prison, so that today ANC members can reap the rewards of freedom through self- enrichment and greed. People want to make money quickly, that is not what we stood for. I did not go to prison for that. They start off being good people, but ultimately they Change and start filling their pockets with Money“….


Andrew Mlangeni heute in der Sunday Times

Streiks nicht überraschend
Währenddessen ist die Arbeitslosigkeit auf einem neuen Höchststand, hat sich an der sozialen Lage insbesondere der schwarzen Bevölkerung nicht grundlegend etwas geändert, und leben gerade auch die Minenarbeiter, die einen erheblichen Teil des Reichtums Südafrikas produzieren, nach wie vor in erbärmlichen Behausungen, und werden schlecht bezahlt.

Insofern war der Streik der Minenarbeiter in der Platinmine Marikana, die sich verständlicherweise nicht mehr von der dem ANC nahestehenden Gewerkschaft NUM vertreten sahen, bestenfalls für Aussenstehende eine Überraschung.

Ebenfalls keine Überraschung das brutale Auftreten der Polizei.

Südafrika ist seit dem Ende der Amtszeit Mandelas auf einem Weg der gierigen Bereicherung Weniger angekommen, insofern nicht unähnlich dem, was sich in vielen westlichen Ländern in deren Finanzsektor abgespielt hat.

Was bleibt?
Was bleibt neben dem grossen Namen Mandela? Vor allem dass in der Politik Versöhnung und nicht Rache die einzige adäquate politische Richtschnur sein kann. Daran könnten sich viele Länder ein Beispiel nehmen: vom Irak über Syrien bis Tunesien, vom Sudan bis Ruanda.

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