Israel

In einem israelischen Hochsicherheits-Gefängnis: Ein zweiter „namenloser“ israelischer Gefangener

Dr. Alexander von Paleske —- 12.7. 2013 — Im Februar berichteten wir über den Gefangenen Ben Zygier, der nach monatelanger Haft im Hochsicherheitstrakt des israelischen Ayalon-Gefängnisses unter strikten Isolationsbedingungen schliesslich Selbstmord beging.


Ayalon-Gefängnis in Ramla nahe Tel Aviv – Screeshot: Dr. v. Paleske

Der Fall hatte internationales Aufsehen erregt, und zu einer Belastung der israelisch-australischen Beziehungen geführt.

Ben Zygier besass die australische Staatsbürgerschaft, und nahm später noch die israelische an. Er war ein Mossad-Mitarbeiter, der unter dem Vorwurf des Geheimnisbruchs verhaftet worden war. Genaue nachprüfbare Details der Vorwürfe sind bis heute nicht bekannt, stattdessen alle möglichen Gerüchte. Siehe hier und auch hier.


Ben Zygier …….alle möglichen Gerüchte

„Blutgeld“ nach Aufdeckung des Skandals
Mittlerweile hat die israelische Regierung sich bequemt, an die Ehefrau und die Eltern Zygiers Schadenersatz zu leisten: insgesamt 1, 6 Millionen US-Dollar.

Nicht wegen der Haftbedingungen, die eine sensorische Deprivation und damit Isolationsfolter darstellten, sondern weil die Beamten nicht bemerkten, dass Zygier sich das Leben nehmen wollte, obgleich er unter ständiger Videokamera-Überwachung stand.

Für psychisch stabil befunden
Zuvor hatte noch ein Psychiater ihn untersucht und geurteilt, dass Zygier nicht selbstmordgefährdet sei, und dies, nachdem seine Ehefrau ihn mit ihrem gemeinsamen 5 Tage alten Baby besucht und erklärt hatte, sie wolle sich scheiden lassen.

Weiterer Skandal aufgedeckt.
Die linksliberale israelische Zeitung Ha’aretz hat nun einen weiteren Fall eines „namenlosen“ Gefangenen aufgedeckt, ebenfalls ein ehemaliger Geheimdienst-Mitarbeiter.
Auch der befand sich im Ayalon Gefängnis in Isolationshaft (Isolationsfolter), vermutlich schon über mehrere Jahre.

Sein Verteidiger, der israelische Rechtsanwalt Avigdor Feldman, der auch Zygier verteidigt hatte, erklärte gegenüber Ha’aretz, der Fall weise aber „auf noch wesentlich schwereres Versagen der Behörden als im Fall Zygier“ hin

Die konkreten Vorwürfe gegen ihn sind nicht bekannt. der namenlose Gefangene ist in einer fensterlosen Zelle untergebracht, hat keinerlei Kontakt zu anderen Gefangenen. Auch die Gefängnisbeamten, die keinerlei Gespräche mit ihm führen dürfen, kennen seinen Namen nicht.

Herausgekommen ist der Skandal durch den investigativen Ha’aretz-Journalisten Amir Oren., dessen zweiter Artikel über diesen Skandal auf Anordnung des israelischen Zensors jedoch kurz nach der Veröffentlichung wieder vom Netz genommen werden musste.


Amir Oren …..Artikel vom Netz genommen. Screenshot: Dr. v. Paleske

Der jüdische US-Blogger Richard Silverstein hat den Artikel, der in Hebräisch erschien, jedoch runtergeladen und eine englische Übersetzung veröffentlicht.

Amir Oren hatte die Frau des Häftlings interviewen wollen, aber die hatte in letzter Minute abgesagt. So bestand der Artikel aus der Wiedergabe der Vorgespräche vor dem geplanten Interview. Aber selbst das fiel der Zensur zum Opfer.

Regierung belügt Parlament
In der Knesset, dem israelischen Parlament, hatte die israelische Regierung den Abgeordneten im Zusammenhang mit dem Zygier-Skandal versichert, dass es keine weiteren unter derartigen Bedingungen gehaltene Gefangene in israelischen Gefängnissen mehr geben würde, und belog damit ganz offensichtlich das Parlament.

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