terror

9/11, die USA und Chile

Dr. Alexander von Paleske — 3.9. 2013 —
Mit dem 11.9. bzw. in den USA, wo der Monat vorangestellt wird, „9/11“ verbindet sich die Erinnerung an die Zerstörung der Twin-Towers des World Trade Centers in New York im Jahre 2001.

Bereits früher
Aber es gab bereits viele Jahre zuvor einen „9/11“, der sich nun zum 40. Mal jährt: der von den USA massiv unterstützte Militärputsch in Chile am 11. September 1973, der zum Sturz der gewählten Regierung Salvador Allendes führte.


Blutiger Putsch am 11.9. 1973

KZ, Folter, Tod
In dessen Folge töteten die Putschisten, angeführt vom Chef der Streitkräfte, Augusto Pinochet, und deren Schergen mehr als dreitausend Menschen, und folterten Zehntausende. Tausende flohen ins Exil.

Kommentar von Putschist Pinochet:

„Die Demokratie muss gelegentlich in Blut gebadet werden“


Pinochet (l) und Allende (r) kurz vor dem Putsch

Selbst im Exil lebende Persönlichkeiten wie der ehemalige Armeechef, General Carlos Prats in Argentinien, und Ex Aussenminister Orlando Letelier in den USA, fielen Attentaten des chilenischen Geheimdienstes zum Opfer, wobei der US-Geheimdienst CIA über die Attentatspläne der chilenischen Regierung im Falle Leteliers voll im Bilde war, aber nichts zu deren Vereitelung unternahm.

Gute Sache
Kommentar des US-Präsidenten Ronald Reagan gegenüber dem Journalisten Brian Crozier im Jahre 1980, vier Jahre nach der Ermordung Leteliers:

„Es ist eine gute Sache, dass Letelier abgemurkst wurde“.[

Selbst der Christdemokrat und ehemalige chilenische Staatspräsident Eduardo Frei, der anfangs dem Putsch positiv gegenüberstand, später jedoch dessen Gegner, wurde 1980 mit Hilfe des Kampfstoffes Senfgas und des Schwermetalls Thallium während eines Krankenhausaufenthaltes in Santiago de Chile ermordet.

Inwieweit der chilenische Literatur-Nobelpreisträger Pablo Neruda, der kurz nach dem Putsch starb, ebenfalls ermordet wurde, ist noch Gegenstand von Untersuchungen.

Ein Stadion als KZ
Das Stadion der Hauptstadt Santiago de Chile verwandelten die Putschisten in ein Konzentrationslager, und funktionierten die Umkleidekabinen zu Tötungs- und Folterkammern um, bis kurz vor einem Ausscheidungsspiel zur Fussball-WM 1974 in Deutschland.

Die deutsche Siedlung Colonia Dignidad bauten die Putschisten mit Hilfe des Leiters, des berüchtigten Kinderschänders Paul Schäfer, zu einem Folterzentrum aus. Mehrere Regimegegner wurden dort auch ermordet, und anschliessend deren Leichname verbrannt

Immer mit dabei, sowohl bei der Planung, wie bei der folgenden Ausführung des Putsches,, beginnend zunächst mit wirtschaftlicher Destabilisierung, unter anderem mit einem von den USA verdeckt finanzierten Lastwagenbesitzer-„Streik“: angereiste US-Militärberater und der US-Geheimdienst CIA.

Involviert: US-Aussenminister Henry Kissinger
Abgesegnet und forciert hatte das Ganze der US-Aussenminister der Regierung Nixon, Henry Kissinger, der auch noch – zuletzt vor einem Jahr – sich offen dazu bekannte.

Kissinger hatte bereits nach der Wahl Allendes im Jahre 1970 erklärt:

„Ich sehe nicht ein, weshalb wir zulassen sollen, dass ein Land marxistisch wird, nur weil die Bevölkerung unzurechnungsfähig ist.“

Wirtschaftsinteressen gefährdet
Die USA sahen ihre Wirtschaftsinteressen gefährdet.
Die 1970 demokratisch gewählte Regierung unter dem Sozialisten Salvador Allende hatte als einen ersten Schritt die Kupferminen der US-Konzerne verstaatlicht, und Entschädigungszahlungen gegen die in vielen Jahren geförderten, aber nicht gemeldeten Metalle, die beim Kupferbergbau anfielen, darunter auch Gold, aufgerechnet.

Die US-Konzerne veranstalteten daraufhin eine Beschlagnahmejagd rund um den Erdball. Auch in Deutschland wollten sie bei der Norddeutschen Affinerie (jetzt Arubis) verarbeitetes chilenisches Kupfer sicherstellen. Das Landgericht Hamburg unter Vorsitz von Professor Luther wies jedoch im Januar 1973 das Begehren ab.

Bei sonnigem Wetter angenehm
Der Generalsekretär der CDU während der Kiesinger-Regierung (1966-1969) und einflussreiche Parlamentsabgeordnete Bruno Heck reiste kurz nach dem Putsch nach Chile und besuchte auch das KZ-Fussballstadion

Anstatt die Putschisten für die Nazimethoden politischer Verfolgung zu verurteilen, liess er nach seiner Rückreise folgende Stellungnahme los:

Die Unterbringung ist ausgesprochen schlecht. Zwar können sich die Häftlinge, im Gegensatz zu den vorangegangenen Wochen, inzwischen im Freien bewegen, was bei sonnigem Wetter sicher angenehm ist. Bei Regen und Kälte sei das Leben der Häftlinge jedoch „unerträglich und scheußlich“.

Kein Kommentar zur Folter und den Morden, die tagtäglich dort begangen wurden.

Legitime Volksvertretung
Die Volksrepublik China erkannte die Putschisten sofort als „legitime Vertretung des chilenischen Volkes“ an, gefolgt selbstverständlich auch und gerade von den USA.

Die Bundesregierung unter Willy Brandt beliess es bei lauwarmen Protesten, und nahm einige der Flüchtlinge auf, jedoch wesentlich weniger, als die damalige DDR.

Die Wirtschaftbeziehungen litten nur kurzfristig.

Lange Jahre der Knute
15 Jahre musste das Chilenische Volk unter der Knute der Putschisten leben, bis es nach einer Volksabstimmung 1988 schrittweise zur Wiederherstellung demokratischer Zustände kam.

Dass der damalige US-Aussenminister Henry Kissinger nie strafrechtlich zur Verantwortung gezogen wurde, versteht sich von selbst. Mehr noch: er wurde gerade auch von deutschen Politikern hofiert.

Selbst der Obergrüne Jürgen Trittin, der in den 70er Jahren regelmässig auf Demonstrationen gegen das Chile-Putschisten-Regime mitmarschierte, liess es sich nicht nehmen, letztes Jahr an der demokratieverhöhnenden Bilderberg-Geheimkonferenz teilzunehmen, auf denen Henry Kissinger ein einflussreicher und bestimmender Dauergast ist.

Gleiche opportunistische Heuchelei trifft natürlich auch für SPD-Steinbrück zu, der vor zwei Jahren an der Bilderberg-Konferenz teilnahm, und für den GröDAAZ Joseph Martin (alias Joschka) Fischer, dessen Teilnahme schon ein paar Jahre zurückliegt.

Lediglich der seinerzeitige SPD-Bundesminister Hans Matthöfer bezeichnete 1974 auf einer Kundgebung zum 1. Mai in Frankfurt die Putschisten als das, was sie waren: Eine Mörderbande. Die CDU verlangte daraufhin seine Entlassung.

NACHTRAG
Der Film „missing“ von Costa Gavras vermittelt einen guten Eindruck von den damaligen Zuständen

Zur Bilderberg-Konferenz
linkBilderberg 2013: Fortsetzung der demokratieverhöhnenden Veranstaltungsreihe – diesmal nahe London
linkDie Bilderberg Konferenz 2012 tagt – oder: Alles verkommen
link Alle Jahre wieder die Bilderberg- Konferenz – oder: Verhöhnung von Demokratie und Öffentlichkeit

link Jürgen Flaschenpfand-Trittin berichtet von der Bilderberg-Konferenz 2012 in Virginia / USA

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