Krieg

Irak, der Bürgerkrieg und seine Sponsoren

Dr. Alexander von Paleske —- 23.6. 2014 — Die Salafi-Terroristen der ISIS,, die ein Sunni-Kalifat aus dem Irak und Syrien herausschneiden, und dabei seit Jahren auf das Mittel des brutalen Bombenterrors setzen, haben nun – offenbar nach längerer Planung – ihre grosse Offensive gestartet.


Die schwarze Fahne hoch – Die Terror-Salafisten auf dem Vormarsch. Screenshot: Dr. v. Paleske

Mittlerweile haben die unter der schwarzen Al Qaida Flagge vorwärts stürmenden Glaubenskrieger grosse Teile des mehrheitlich von Sunniten bewohnten Nordwesten des Irak unter ihre Kontrolle gebracht. Die irakische Armee hat bisher keinen nennenswerten Widerstand geleistet.


Von ISIS-Al Qaida erorberte Städte im Irak. Screenshot: Dr. v. Paleske

Auf zum Kalifat
Das angestrebte Ziel eines Kalifats dürften sie zwar kaum erreichen, ebenso wenig wie es ihnen gelungen ist, Syrien aufzuteilen und Assad zu verjagen. Aber der Bürgerkrieg, wie in Syrien, der eine neue Flüchtlingswelle auslösen und den Irak ins Chaos stürzen dürfte, den haben sie auf breiter Front gestartet.

Die ISIS-Kämpfer stammen keineswegs nur aus dem Irak sondern sind Sunni-Terror-Salafisten aus vielen Gegenden der Welt – auch der westlichen Welt. Sie verfügen offenbar über grosse Geldmittel und stellen sich auf einen langen Kampf ein, wie auch in Syrien.

Erster Testfall Falludscha
Der erste Testfall für ihre Offensive war die sunnitische Stadt Falludscha, nur 30 km von Bagdad entfernt, die sie vor einigen Monaten einnahmen, und aus der sie die irakische Armee nicht mehr vertreiben konnte – trotz vollmundiger Ankündigungen seitens des irakischen Regierungschefs Nuri al- Maliki. Das legte die Schwäche der irakischen Armee in aller Deutlichkeit bloss.

Rückblick
Seit Jahren versucht ISIS, besser als Al Qaida im Irak zu bezeichnen, mit Bombenattentaten in schiitischen Wohnbezirken vornehmlich in Bagdad, und mit Selbstmordanschlägen auf schiitische Moscheen und Pilgerzüge den Irak zu destabilisieren, und die Schiiten – 60% der Bevölkerung – gegen die deutlich in der Minderzahl befindlichen Sunniten aufzubringen.

Feindbilder der Salafisten
Die Feindbilder der Sunni-Salafisten lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Neben Israel, den USA und dem Westen sind Hassobjekt die Schiiten. Sie werden als „falsche Muslime“ angesehen, als „Religions-Verräter“, und werden auf eine Stufe mit Gotteslästerern gestellt. Ihnen sagen die Salafi-Radikalislamisten den unerbittlichen Kampf an.

Die Al Qaida-Bomben-Logik war auch: Blosstellung und damit Schwächung der Zentralregierung durch möglichst viele Attentate mit möglichst vielen Opfern.

Die fast täglichen Bombenanschläge der ISIS – mit inzwischen Tausenden von Toten und Zehntausenden von Verletzten – hatten die Schiiten gleichwohl nicht zum Religions-Bürgerkrieg verleiten können. Ein Bürgerkrieg, der schliesslich zur Neuaufteilung des Irak führen sollte.

Demokratie ist westliche Giftpille
Nuri al-Maliki ist frei gewählter Regierungschef des Irak, aber die Terror-Salafisten haben mit der Demokratie nichts am Hut. Im Gegenteil: sie sehen die Demokratie als unislamisch, als westliche Giftpille an.

Ihre Marschroute heisst vielmehr: Zurück zu den Wurzeln des Glaubens, ins Mittelalter, ins Kalifat, wo ein religiöser Herrscher erwählt, aber nicht gewählt über ein islamisches Reich gebietet, und die Scharia, und nicht eine demokratische Verfassung die Leitschnur politisch-religiösen Handelns ist.

Saudi-Arabien als Unterstützer
Finanzielle Unterstützung bekommen diese Gruppen insbesondere auch aus Saudi-Arabien, der Heimat der Wahabisten-Salafisten, und zwar öffentlich und privat. Dort, wo die Scharia gilt, die Religionspolizei schalten und walten darf, wo Frauen weder Auto fahren, noch ohne männliche Begleitung verreisen dürfen.

Eine kleine radikale Minderheit
Der Al Qaida-Ableger im Irak war bis dato innerhalb der sunnitischen Bevölkerung nur eine kleine, aber ausserordentlich radikale, und sehr gewalttätige Minderheit. Eine Minderheit, die von der sunnitischen Bevölkerung zunächst nur sehr begrenzt unterstützt wurde

Einsickern von Al Qaida dank der USA
Vor dem Einmarsch der USA im Irak im Jahre 2003 war bekanntlich Saddam Hussein – ein Sunnit – am Ruder. Hussein war ein brutaler Diktator, jedoch kein Salafist. Al Qaida hatte im Irak nichts zu melden, war dort nicht vorhanden. Religionsfreiheit und Gleichheit der verschiedenen Bevölkerungsgruppen hatten unter Saddam Hussein einen verhältnismäßig hohen Stand – jedenfalls solange sie nicht gegen die Zentralregierung aufbegehrten.

Die Behauptung der USA, dass Al Qaida sich dort aufhalten würde, war, ebenso wie die Behauptung des Besitzes von Massenvernichtungswaffen, reinste Lügenpropaganda.

Erst mit dem Einmarsch der USA gelang es Al Qaida, sich im Irak festzusetzen, und zügig mit Bombenanschlägen zu beginnen, den Hass der Iraker – auch der Schiiten – gegen die Besatzungsmacht nutzend, zumal sie nun aus der Zentralregierung – anders noch unter Saddam Hussein – verdrängt waren.

Keine Regierungs-Mitverantwortung und die Folgen
Die nach dem Abzug der US-Truppen und freien Wahlen gebildete irakische Regierung hätte von Anfang es sich zum Ziel setzen müssen, die Sunniten in die Regierungsverantwortung angemessen einzubinden, und damit auch ISIS-Al Qaida das Wasser abzugraben.

Das ist jedoch nicht geschehen, im Gegenteil: Die wenige Regierungsverantwortung, welche den Sunniten geblieben war, wurde von Regierungschef Maliki beseitigt und deren einflussreicher Repräsentant, Tarek_al-Haschemi, wegen angeblicher Beteiligung an Bombenattentaten bzw. Mordanschlägen strafrechtlich verfolgt. Er floh ausser Landes.

Damit hatte Al Qaida zumindest die Duldung ihrer Präsenz innerhalb der sunnitischen Gebiete erreicht.. Die Sunniten misstrauten nun den Sicherheitskräften der Regierung, und gaben, anders als zuvor, keine Hinweise auf die Terroristen-Schlupflöcher.
Und so kam, was schliesslich kommen musste: der offene Bürgerkrieg wie in Syrien.

Al Qaida im Irak marschiert, und die Auswirkungen reichen wesentlich weiter, als nur in die Vororte Bagdads: Al Qaida Ableger wie Boko Haram in Nigeria, Al Shabab in Somalia und Kenia, haben sich parallel zu den Ereignissen in Irak mit vermehrten Terrorattentaten, Bombenanschlägen und willkürlichen Erschiessungen zu Wort gemeldet – Hoch die internationale Terror-Solidarität.

Völlig klar ist, dass es für die jeweiligen Terror-Bewegungen auch eine soziale Basis gab, ebenso wie seinerzeit für die Faschisten in Deutschland, Italien und Spanien . Gleichwohl sollte diesem neuen Glaubens-Faschismus – und seinen Sponsoren in Saudi-Arabien und Katar – mit aller Entschiedenheit entgegengetreten werden – seitens der Iraker.

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