Israel

Gaza: UN-Mandatsgebiet nach der Zerstörung durch Israel?

Dr. Alexander von Paleske — 6.8. 2014 —–
Seit 2002 forderte der der israelische Aussenminister Lieberman die israelische Armee dazu auf:

in Gaza »keinen Stein auf dem anderen zu lassen« und auch zivile Ziele wie Geschäfte, Banken und Tankstellen „dem Erdboden gleichzumachen“.


Avigdor Lieberman …..kein Stein auf dem anderen

Gaza eine Trümmerwüste
Die israelische Armee kann jetzt Vollzug melden. Die Bilder aus Gaza zeigen in vielen Teilen der Stadt eine Trümmerwüste.
Mehr als 1800 Menschen wurden getötet, darunter mehr als 300 Kinder, mehrere UN-Einrichtungen voller Flüchtlinge beschossen – ein Kriegsverbrechen.


Zerstörungen in Gaza. Screenshot: Dr. v. Paleske

Nun macht der als „Palästinenserfresser“ bekannte israelische Aussenminister sich daran, neue Vorschlage zur „Endlösung der Gazafrage“ der Weltöffentlichkeit zu unterbreiten: Der Gaza-Streifen soll UN-Mandatsgebiet werden, und er erinnerte an das Völkerbund-Mandat für Palästina, bis 1947 Israel – vor Ablauf des Mandats – sich für unabhängig erklärte, den Staat Israel ausrief, und die Palästinenser in den Gazastreifen und das Westjordanland abgedrängte, also aus ihrer angestammten Heimat vertrieb.

UN-Vermittler ermordet
Den damaligen UN-Vermittler, der Schwede Graf Folke Bernadotte, der Tausende Juden vor dem Holocaust gerettet hatte, erschossen israelische „Freiheitskämpfer“.

Graf Bernadotte hatte vorgeschlagen, mehreren hunderttausend Palästinensern aus Gaza die Rückkehr zu ermöglichen.

An der Spitze israelischer Terroristen, die auch das Hotel King David in die Luft geprengt und in dem Dorf Deir Jassin ein Massaker angerichtet hatten, bei dem Frauen und Kinder getötet und das Dorf dem Erdboden gleichgemacht worden war: Menachem Begin, der spätere Premier Israels, auf dessen Konto auch ein Attentat auf den ersten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer ging, bei dem ein Polizist getötet wurde.


Keine Selbstverwaltung

Die Selbstverwaltung des Gazastreifens soll nach dem Vorschlag Liebermans den Palästinensern genommen, und der UN übertragen werden, so glauben die Israelis sich Ruhe verschaffen zu können.
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Moshe Dayan 1956
Im Jahre 1956 sagte der spätere israelische Verteidigungsminister Moshe Dayan, bekannt für seine Augenklappe, anlässlich einer Totenfeier für einen von Palästinensern getöteten Israeli immerhin noch:

What can we say against their terrible hatred of us? For years they have sat in the refugee camps of Gaza, watched how, before their very eyes, we have turned their Land and villages, where they and their forefathers previously dwelled, into our home.


Moshe Dayan

Damals war Gaza ein Flüchtlingscamp, dessen Einwohnerzahl unter 500.000 lag, heute ist es eine Großstadt von 1,8 Millionen Menschen mit der grössten Bevölkerungsdichte auf der Welt – und ein Open Air-Gefängnis.

Die Mehrheit der heutigen Bevölkerung in Gaza ist unter 40 Jahren, und kennt die Zeit, als den Palästinensern noch das Land gehörte, nur vom Hörensagen.

Was sie aber kennen, das ist die Gewalt der Israelis, nicht nur in den grösseren Auseinandersetzungen 2008 und 2012, und dass sie im grössten Gefängnis der Welt leben:

– aus dem sie nicht heraus kommen können

– in dem sie keine Zukunft haben

– wo Israel jede wirtschaftliche Entwicklung behindert

– wo Israel alle Importe nicht nur überwacht, sondern etliche Waren entweder gar nicht oder nur in geringen Mengen durchlässt.

– Wo Israel gleichzeitig an dem restringieren Warenverkehr, der von den Golfstaaten, der EU und der UN alimentiert wird, sich auch noch eine goldene Nase verdient

– wo der Traum vom eigenen Staat mit geregelten Beziehungen zu seinen Nachbarn ein Traum bleibt.Ebenso die Rückkehr in das einstmals ihnen gehörende Land.

Herrenrasse-Ideologie
Das Gegenteil ist vielmehr der Fall: Israel frisst sich weiter wie ein Krebsgeschwür in die illegal besetzte Westbank hinein, vertreibt dort die Palästinenser, gleiches gilt für Ost-Jerusalem. Viele Israelis sehen die Palästinenser als minderwertig an.

Es ist manchmal schwierig, sich die Naziideologie von der Herrenrasse vorzustellen. Hier in Israel ist sie ständig und überall gegenwärtig und greifbar. Eine ganze Generation von Jugendlichen hält sich für die Herrenrasse“.

….das sagte der ehemalige Studentenführer, und jetzige (jüdische) Europaabgeordnete Daniel Cohn Bendit.

Israel tritt bei all seinen Aktionen das Völkerrecht mit Füssen, begeht schlimmste Kriegsverbrechen, und beruft sich auf ein Recht, das vereinfacht so lautet:

Unsere Vorfahren waren vor 2000 Jahren schon einmal hier.

Eine Rechtsposition, die ausser in Israel, nirgendwo akzeptiert ist, und zudem ein Fremdkörper im Recht der internationalen Staatengemeinschaft.

Mit der gleichen Begründung könnten die Indianer die Nachfahren der Einwanderer der USA und Kanadas zur Rückkehr auffordern, und in Flüchtlingslager pferchen, ebenso gälte das für die Ureinwohner Australiens.

Zwei-Staaten kein Thema
Israel denkt überhaupt nicht daran, einen Palästinenserstaat zuzulassen. So sagte beispielsweise die israelische Historikerin Amar Dahl in einem Interview mit der Tagesschau folgendes:

: …… Das zionistische Israel versteht sich so, dass das Land Israel (einschliesslich besetzter Westbank und Ost-Jerusalem) dem jüdischen Volk gehört, und damit auch dem jüdischen Staat. Das ist seine grundsätzliche ideologische Überzeugung. Deswegen hält es Regierungschef Benjamin Netanjahu auch für ein Gebot, diese Gebiete weiter jüdisch zu besiedeln. Eine Zwei-Staaten-Lösung steht gar nicht auf der Tagesordnung. Das ist eine Sache, die Israel nicht nur nicht will, sondern auch bekämpft. Und diese Politik kann Deutschland wahrscheinlich auf Dauer nicht unterstützen.

tagesschau.de: Israel will gar keine Zwei-Staaten-Lösung?

Amar-Dahl: Israel kann es nicht. Es ist auch im Land kein Thema. Auch nicht im Wahlkampf. Auch die Opposition spricht nicht davon. Netanjahu redet zwar mit dem Ausland über eine Zwei-Staaten-Lösung, aber nur aufgrund des außenpolitischen Drucks.

tagesschau.de: Also führt Israel die anderen Länder an der Nase herum?

Amar-Dahl: Das kann man so interpretieren.

Fazit
Der Krieg der an die Wand gefahrenen, täglich gedemütigten Palästinenser, deren Eigentum und Häuser in Gaza zerstört wurden, wird weitergehen, ebenso die einzige Antwort Israels darauf: brutale Gewalt. Jedenfalls so lange, wie die USA das Land weiter alimentieren und mit Waffen versorgen.

2 Gedanken zu “Gaza: UN-Mandatsgebiet nach der Zerstörung durch Israel?

  1. Hoffnung Es geht so nicht weiter. Es geht nicht an, dass die Palästinenser in ihrem geschundenen Gaza-Streifen weiter so verharren und vegetieren und auch noch mit Bomben „berieselt“ werden. Es sind doch die Hälfte Kinder, die dort leben und einer, ein ca. 15-jähriger geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Einer, der wie Tausende andere nicht für das Ringen um Frieden erzogen wird und kann. Aber, es muss eine Lösung geben: Israel muss Palästina anerkennen.Hoffnung setzen muss man an die Menschen in Israel, die für ein anderes Denken und eine andere Moral plädieren, nämlich für ein gleichberechtigtes Nebeneinander von Palästinensern und Israelis. Wie soll es anders gehen?
    Was Israel betreibt ist und bleibt Völkermord, da gibt da keine Beschönigungen.

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  2. Nachtrag Anfügen zu meinem Kommentar möchte ich noch die Aussage von Ayelet Shaked vom 30. Juni auf ihrer Facebook-Seite:

    „Sie (die Palästinenser) sind alle feindliche Kämpfer, deren Blut wir vergießen müssen. Das gilt auch für die Mütter der „Märtyrer“, die ihnen Blumen und Küsse in die Hölle mitgeben. Sie sollten ihren Söhnen folgen, das wäre nur gerecht. Sie sollten vergehen, wie ihre Häuser, in denen sie diese Schlangenbrut aufgezogen haben. Sonst wird dort eine neue Schlangenbrut aufwachsen.“

    Geht es noch perfider? Mir ist bei diesem Bericht mehr als übel geworden.

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