Katastrophen

Ebola – Eine Epidemie ausser Kontrolle

Dr. Alexander von Paleske 15.9. 2014 —- Rund 2400 Menschen sind bereits an Ebola in Westafrika gestorben. Besonders schlimm ist die Lage in Liberia. Aber in allen von der- Ebola-Epidemie am schwersten betroffenen Länder – neben Liberia noch Sierra Leone und Guinea – mangelt es an Schutzanzügen. Die Folge: eine hohe Rate von lokalem medizinischem Personal, das sich infizierte. Es fehlen aber auch medizinische Ausrüstung bis hin zu Leichensäcken.

Viele Patienten werden nicht mehr stationär aufgenommen, sondern vor den Krankenhäusern abgeladen, weil Betten fehlen. Die Folge: Patienten kehren nach Hause zurück und stecken weitere Menschen an, oder sterben gleich vor den Krankenhaus-Eingängen.


Krankenstation


….“abgeladen“ vor dem Krankenhaus. Screenshots: Dr. v. Paleske

Während für den Kampf gegen die Terrortruppe IS (ISIS) spielend Millionen klargemacht werden, tröpfelt hier die Hilfe.
Ausgenommen: Kuba, das sich bereiterklärte, 165 Ärzte zu schicken das weitaus grösste ausländische Ärzte-Kontingent, das von einem Staat zur Verfügung gestellt wurde.
Gemessen an der Wirtschaftskraft müssten es aus Deutschland mindestens tausend sein. Das Gegenteil ist jedoch der Fall.

Wie ein Waldbrand
In den betroffenen Ländern, vor allem in Liberia, gehen die Behörden längst davon aus, dass die Lage außer Kontrolle ist.

Liberias Verteidigungsminister Brownie Samukai warnte bereits vor einigen Tagen, die Existenz des Landes stehe auf dem Spiel. Die Krankheit breite sich wie ein Waldbrand aus, der alles in seinem Weg vernichte.

Die Ebola-Epidemie in Westafrika droht auch nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) außer Kontrolle zu geraten. Die Zahl neuer Patienten steige viel schneller als die Kapazitäten zur Bewältigung der Fälle, warnte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan.
Mit insgesamt 10.000 Toten muss wohl insgesamt im Rahmen dieser Epidemie gerechnet werden, pessimistische Schätzungen gehen mittlerweile von 100.000 aus.

„Wir müssen mindestens um das Drei- oder Vierfache aufstocken, um die Ausbrüche einzuholen.“

so die Chefin der WHO. Sie rief die internationale Gemeinschaft zur Unterstützung auf.

Wenn wir in den Krieg gegen Ebola ziehen wollen, brauchen wir die Ressourcen zur Bekämpfung. 500 bis 600 ausländische Ärzte und mindestens 1000 weitere Gesundheitsfachkräfte sind nötig. Dieser Ebola-Ausbruch ist der größte, komplexeste und schwerste in der fast 40-jährigen Geschichte der Krankheit.“

so Margaret Chan

Erbärmliche Rolle
Wohl wahr, allerdings hat die WHO in dieser Epidemie eine erbärmliche Rolle gespielt: Nämlich nicht die der rechtzeitigen Erkennung der tödlichen Gefahr und Mobilisierung der Ressourcen.

Statt die Vorhut zu spielen, was ihre Aufgabe gewesen wäre, glänzte Sie bestenfalls als Nachhut, schlimmstenfalls als purer Kommentator der Lage.

Selbst die international hoch angesehene Medizinzeitung LANCET äusserte heftige Kritik an der WHO.

In der Ausgabe vom 23.8.2014 heisst es:

Although WHO is now leading the international response to the crisis, it was initially slow to act at the high level that was needed

Wieder Ärzte ohne Grenzen (MSF)
Es war wieder einmal die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF), die sofort nicht nur die hocheffektive Hilfe im Rahmen ihrer Möglichkeiten leistete – wie zuvor schon in vielen anderen Katastrophen – sondern bereits am 24 Juni berichtete, sie sei an die Grenzen ihrer Möglichkeiten gekommen, die Epidemie sei ausser Kontrolle.

Erst am 31. Juli, also 6 Wochen später, bequemte sich die WHO zu internationaler Hilfe aufzurufen.

Zur Erinnerung: der erste Ebola-Fall in Sierra Leone, der sog. Index-Fall, trat im Dezember vergangenen Jahres auf.

Zwar versucht der LANCET die WHO teilweise zu entschuldigen, weil sie erhebliche Mittelkürzungen zu verkraften hatte – so wurde der Etat für Krisenmanagements von 469 Millionen US Dollar 2011 / 2012 auf 228 Millionen 2013 / 2014 gekürzt – aber selbst diese Mittelkürzungen hätten die WHO wohl kaum an einer zutreffenden Einschätzung der Situation hindern können.

Keine reine Etatfrage
Selbst mit dem grösseren Etat hatte es die WHO beispielsweise nicht geschafft, seinerzeit adäquat auf die Choleraepidemie in Zimbabwe im Jahre 2008 zu reagieren.

Schlimmer noch: als die Ebola -Epidemie in Westafrika sich ausbreitete, zog die WHO aus Sicherheitsgründen Personal von dort ab, während MSF aufstockte.

Wer die verkrusteten Strukturen der WHO kennt, die Seilschaften, die sich dort teilweise gegenseitig bekämpfen, die WHO– Ländervertreter vor Ort, die sich über vergleichsweise fette steuerfreie Gehälter, teure Dienstwagen und den Diplomatenstatus samt Diplomatenausweis freuen dürfen, der dürfte kaum überrascht sein.



WHO-Hauptquartier in Genf …….verkrustete Strukturen.
Screenshots: Dr. v. Paleske

Die MSF schaffte es hingegen mit einem vergleichsweise lächerlichen Budget, aber hochmotiviertem Personal, extrem effektiv zu helfen.

Mehrfach kritisiert
Schon mehrfach haben wir hier die WHO scharf kritisiert, unter anderem auch wegen ihrer Schlafmützigkeit in Sachen „alarmierend zunehmende Resistenz gegen Antiinfektiva“, sowie „gefälschte Medikamente“.

Viel muss sich bei der WHO organisatorisch ändern, statt ungesteuerten Mittelkürzungen, um sie wieder zu einer schlagkräftigen Einheit zu machen. Ärzte ohne Grenzen (MSF) könnte da durchaus als Beispiel dienen.

Ebola, Malaria, Medikamentenresistenz und die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
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