Medizin

Ebola in Westafrika, die EU und ein Gesundheitsgipfel in Berlin

Dr. Alexander von Paleske —– 20.10. 2014 —–
Die Ebola-Epidemie wütet weiter in den drei westafrikanischen Ländern Guinea, Sierra Leone und Liberia.

Verdoppelung jede Woche
Jede Woche verdoppeln sich die Krankheitsfälle.
Die zu erwartenden Todeszahlen – 70 % erliegen zur Zeit der Krankheit – werden ständig nach oben korrigiert. Pessimistische Schätzungen gehen mittlerweile von bis zu 1 Million Toten aus, wenn nicht energisch, unverzüglich und umfassend Hilfe geleistet wird.

– Grossbritannien hat Soldaten und ein Lazarettschiff dorthin geschickt, die USA ebenfalls Soldaten, die Behelfskliniken errichten sollen, um die Kranken zu isolieren und zu behandeln.

– Kuba hat bereits 165 Ärzte dorthin geschickt, weitere 300 Ärzte und Pflegepersonal sollen demnächst folgen.
.
– China hat mobile Labore samt Personal in die Krisenregion geschickt.

Reiche Länder, wenig Hilfe
Gestern attackierte der britische Premier Cameron die bisher ausbleibende Hilfe aus anderen reichen Ländern, gemeint war natürlich auch Deutschland.

Die Hilfe der EU, von Frankreich und Grossbritannien einmal abgesehen, kann nur als völlig unzureichend, unangemessen und angesichts der Katastrophe, die sich in Westafrika abspielt als lächerlich bezeichnet werden.

Eine Eröffnungsrede
Gestern eröffnete der deutsche Aussenminister Frank Walter Steinmeier den zum 6. Mal in Berlin stattfindenden World Health Summit, den Welt-Gesundheitsgipfel.

In seiner Rede bemerkte der Aussenminister zur Ebola-Katastrophe:

„Die Europäische Union muss künftig – ähnlich wie bei Wahlbeobachtern – einen Pool an medizinischen Experten aufbauen, die bei Bedarf in Krisenländer geschickt werden können
Die internationale Gemeinschaft sei auf Ausmaß und Dynamik der Ebola-Epidemie wohl nicht ausreichend vorbereitet gewesen. Auch die EU müsse schneller und schlagkräftiger werden.“

Von konkreten Massnahmen keine Rede.

Ein Flugzeug muss her
Aber immerhin: Um Ebola-Helfer, die selbst erkrankt sind, im Notfall nach Europa ausfliegen zu können, lässt die Bundesregierung jetzt ein Spezialflugzeug entwickeln.

Die Beschaffung des Flugzeuges ist Teil eines Bündels neuer Hilfsmaßnahmen, die die Bundesregierung für die Bekämpfung der Ebola-Epidemie plant.

Bis Mitte November soll demnach das erste Flugzeug zur Verfügung stehen. Den Auftrag, eine solche Maschine bereitzustellen, habe die Lufthansa erhalten. Bisher verfügen nur die USA über Jets, in denen Ebola-Kranke sicher transportiert werden können. Die Maschinen wurden auch für bisherige Flüge hochansteckender Patienten nach Deutschland gemietet.

Offenbar kann oder will der Aussenminister nicht zur Kenntnis nehmen, wie dramatisch die Lage dort ist.

Es werden – und zwar sofort – Hunderte von Ärzten und Pflegepersonal benötigt, und hinsichtlich der Evakuierung von erkrankten Pflegern hätte man sich längst mit anderen Ländern wie Grossbritannien absprechen können.

Ein fragwürdiger Gipfel
Diese fragwürdige Veranstaltung namens World Health Summit, die seit 2009 jährlich in Berlin regierungsnah im Auswärtigen Amt stattfindet, hatten wir mehrfach einer scharfen Kritik unterzogen.


World Health Summit …..überflüssig wie ein Kropf

Letztes Jahr waren Big Data an der Reihe, ein Thema, angesichts der weltweiten Probleme in der Gesundheitsversorgung, von durchschlagender Irrelevanz.

Nach der Kritik auch des Herausgebers der führenden Medizinzeitung LANCET, Richard Horton haben sich die Veranstalter offenbar kundig gemacht, was es denn so an Problemen in Sachen Gesundheit in der Welt gibt. Und da sind sie, auf ihrem 6. Gipfel , nun auf die Klimaveränderung, Antibiotikaresistenz – und natürlich, aus aktuellem Anlass, auf Ebola gestossen.

So kann letzteres Thema den Veranstaltern einige Aufmerksamkeit sichern, die sie anderweitig schon lange nicht mehr bekamen..

Ganten und Ebola
Zu Ebola bemerkte der Erfinder der Veranstaltung, Detlev Ganten in einem Interview:

Natürlich geht es besonders auch um Ebola. Das ist derzeit eines der wichtigsten Themen und spielt für uns natürlich eine große Rolle. Welche Strategien sind nötig? Wie können und müssen Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten? Da werden wir ganz klare Aussagen treffen.“

MSF und die WHO
Die Nichtregierungsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat längst gezeigt, wie man auf eine solche Epidemie antwortet.

Ihre Warnungen wurden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Regierungen jedoch nicht ernst genommen, was die WHO angesichts der massiven Kritik auch zögerlich eingesteht.

Die WHO braucht eine komplette Neuausrichtung und Restrukturierung. Die Ebola Epidemie hat deren Schwächen nur allzu deutlich gemacht und gezeigt, wie wenig diese Organisation diesen Herausforderungen gerecht wird.

Und: Die Welt braucht diesen Berliner Gesundheitsgipfel ganz gewiss nicht.

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