Krieg

Ukraine: Die Rekrutierung von Söldnern geht weiter, westliche Befürworter von Sanktionen bekommen kalte Füsse

Dr. Alexander von Paleske —- 4.1. 2015 ——
Beim Einchecken vor drei Tagen kam ich mit einem südafrikanischen Passagier ins Gespräch, der mir nach einigen Belanglosigkeiten erzählte er sei auf dem Weg in die Ukraine. Dort habe er nach längerer Arbeitslosigkeit schliesslich eine lukrative Beschäftigung gefunden.

Aus seinen Andeutungen entnahm ich, er wolle dort für eine Sicherheitsfirma arbeiten, also als Söldner sein Geld verdienen.
Er war vorsichtig genug, nicht die volle Wahrheit herauszulassen, denn in Südafrika ist die Tätigkeit als Söldner im Ausland unter Strafe gestellt, nachdem etliche ehemalige Soldaten Apartheid-Südafrikas bei Söldnerfirmen wie Executive Outcomes, Aegis, Triple Canopy, Blackwater, Dyncorp etc . untergekommen waren.

Insbesondere die Blutspur, die Executive Outcomes in Afrika hinterlassen hatte, führte zu den Verboten.

Söldner kämpfen in der Ukraine
Über das Anheuern von Söldnern durch die ukrainische Regierung in Kiew wurde im Mai vergangenen Jahres erstmals breit berichtet: Die US Söldnerfirma Academi, (früher: Backwater), die durch das Abknallen von Zivilisten im Irak traurige Berühmtheit erlangte, soll 400 Söldner in der Ukraine im Einsatz haben.

Die Frage ist daher nicht mehr, ob die ukrainische Regierung in ihrem Kampf gegen die Rebellen im Osten auf Söldner zurückgreift, sondern warum:
.
Die Antwort darauf:

– Der Widerstand gegen die Zwangsrekrutierung in der Ukraine hatte bereits im Juli 2014 zu Protest-Demonstrationen geführt

– Die Ostukraine wird von der ukrainischen Regierung nach wie vor als Teil ihres Staates angesehen. Die dort befindlichen Bewohner, gegen die gekämpft wird, sind jedoch nicht Ausländer bzw. ausländische Truppen, sondern Staatsbürger des eigenen Staates. Das hat immer wieder auch zu Verbrüderungen an der Front geführt. Eine hochgefährliche Lage für die Regierung in Kiew.

– Die Regierung will unter allen Umständen grössere Proteste verhindern, während sie mit aller Kraft und Brutalität gegen die Separatisten vorgeht, selbst unter Inkaufnahme grosser Opfern unter der Zivilbevölkerung, und Zerstörung von Wohn- und Krankenhäusern. Bisher hat es die ukrainische Regierung deshalb vermieden, Studenten und Akademiker zwangsweise zu rekrutieren, weil sie von diesen am ehesten Proteste befürchtet.

Ausweg auf ukrainische Art
Der Ausweg daher:

– Ukrainische Faschisten, organisiert in den Azov-Brigaden und andere nationalistische Milizen, die Russen – auch im eigenen Lande – als Feinde und Untermenschen ansehen.
Ausserdem versprechen sich viele der Milizangehörigen, nach dem Ende der Kampfhandlungen als reguläre Soldaten bzw. Polizisten übernommen zu werden.

Turkmenische Islam-Terroristen, die gegen die Russen kämpfen, weil Russlands Präsident Putin, der die Russen in der Ostukraine unterstützt, durch seine Hilfe für den syrischen Präsidenten Assad zu deren Todfeind wurde, ebenso natürlich Putins Kampf gegen Islam-Terroristen im Kaukasus und Tschetschenien.

– Schliesslich die Söldner, die ohne jegliche Skrupel gegen Geld auf alles ballern, was ihnen als Ziel vorgegeben wird.

Toxische Mischung
Eine toxische Mischung von Kämpfern hat sich da als Waffenbrüder zusammengefunden, neben der nicht gerade sehr kampfesfreudigen ukrainischen Armee.

Gefährlicher Traum vom Endsieg
Staatspräsident und Schokoladen-Klepto-Oligarch Petro Poroschenko hat in seiner Neujahrsansprache eine „Kanonen statt Butter-Politik“ für das kommende Jahr angekündigt: Die Waffenproduktion und der Import hochtechnischen Kriegsmaterials sollen zu Lasten der Sozialausgaben hochgefahren werden. Das bankrotte Land fordert ausserdem weitere Kredite vom IMF und westlichen Ländern.

Bereits jetzt hat die ukrainische Regierung sämtliche Sozialausgaben für die Ostukraine gestrichen, einschliesslich Pensionszahlungen und Gehältern für öffentliche Bedienstete also auch Krankenhausangestellte.

Poroschenko träumt in seinem Wahnwitz nach wie vor davon, der Atommacht Russland, das die russischen Rebellen im Osten massiv unterstützt, eine Schlappe beibringen zu können, sowohl militärisch, als auch durch weitere Verschärfung der Sanktionen des Westens.

Kalte Füsse
Dort jedoch bekommen die Politiker – zumindest in Europa – sehr kalte Füsse. So erklärte Wirtschaftsminmister Gabriel heute in einem Presse-Interview:

„Diejenigen, die Russland jetzt wirtschaftlich und politisch noch mehr destabilisieren wollen, verfolgen ganz andere Interessen. In Europa wie in den USA gibt es Kräfte, die den anderen Supermacht-Rivalen endgültig am Boden sehen wollten. Das könne aber nicht im deutschen und europäischen Interesse sein. Wenn Russland zudem als Partner zur Lösung von Konflikten ausfalle, ist das für die ganze Welt brandgefährlich“.

Ziel der beschlossenen Strafmaßnahmen gegen Russland ist, das Land zurück an den Verhandlungstisch zu bringen, um zu einer friedlichen Lösung der Ukraine-Krise zu kommen. Wir wollen helfen, den Konflikt in der Ukraine zu lösen. Aber nicht, Russland in die Knie zu zwingen.

Kalter Kaffee: Die drohende internationale Finanzkrise, die mit dem Ausfall der russischen Zinszahlungen an die internationalen Banken auf dem Fusse folgen würde, sowie die bereits eingetretenen Exportrückgänge in den russischen Raum haben Wirtschaftsminister Gabriel offenbar zur Vernunft gebracht.

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