Medizin

Wissenschaftsbetrug auch in China

Dr. Alexander von Paleske —– 26.6. 2015 ——China ist mittlerweile zur Nummer 2 der Wissenschaftspublikationen verfasst in englischer Spreche aufgestiegen – nach den USA.
Im Jahre 2019 wird China die USA, Europa und Japan überrundet haben, und zur international führenden Forschungs- und Entwicklungsnation aufsteigen.

Wie im Westen…
Wie im Westen auch mehren sich allerdings parallel dazu die Fälle von Wissenschaftsbetrug, der auch in Deutschland keineswegs unbekannt ist.

Die Uniklinik Freiburg stieg dabei zu einer Art „Zentrum des Wissenschaftsbetrugs“ auf.

Aber z.B. auch an der Uni Düsseldorf sorgte der ehemalige Chef der Kardiologie, Prof. B.E. Strauer, für Aufsehen der negativen Art.

Artikel zurückgezogen
In der letzten Märzwoche zog das Journal BioMedCentral alleine 42 Veröffentlichungen zurück, allesamt aus China.


BioMedCentral ……….Artikel zurückgezogen

Wissenschaftliche Gutachter, die von den Verfassern angeblich ausgesucht waren, waren entweder unter den angegebenen E-Mail Adressen nicht zu erreichen, oder es handelte sich schlicht um Phantomgutachter.

Die international hoch angesehene Medizinzeitung The Lancet, welche diesen Skandal einer breiteren Medizinischen Öffentlichkeit bekannt machte, (LANCET vom 11.4. 2015 p. 1365)

„Chinas medical research integrity questioned“

spekuliert, dass es sich wohl nicht nur um einzelne Individuen handelt – immerhin entstanden die Papers in hoch angesehenen chinesischen Instituten – , sondern die Wissenschaftskultur in China insgesamt zu wünschen übrig lässt.
Im Klartext: mit betrügerischen Ideen infiziert sei.


Arzt in China …nun auch Wissenschaftsbetrug?

Publish or perish
Gleichzeitig versucht der LANCET zu ergründen, auf welchem Boden dieser Wissenschaftsbetrug gedeihen konnte,und liefert gleich eine Erklärung mit:
Der Zwang zum grösstmöglichen Output an Publikationen.

Die Karriere als Mediziner – nicht nur als Forscher – hängt von dem Output ab, also der Zahl der Veröffentlichungen. Der Druck hat sich in den letzten Jahren offenbar massiv verschärft, denn Forschungsgelder richten sich ebenfalls nach dem bisherigen Output und dem sog. „Impact Factor“, also wie oft diese wissenschaftlichen Arbeiten in anderen Veröffentlichungen zitiert wurden.

China hat damit kopiert, was den Wissenschaftsbetrieb anderswo in der Welt antreibt – nicht unbedingt zum Wohle der Patientenversorgung und der Forschung.

Dabei hat die Zahl der Veröffentlichungen nur herzlich wenig mit effektiver Krankenversorgung zu tun, hier sind regelhaft andere Qualitäten gefragt.

Chefarzt in Deutschland: Habilitation erwünscht
Gleichwohl werden Chefarztstellen selbst in mittleren Krankenhäusern in Deutschland mittlerweile fast ausschliesslich mit Personen besetzt, die sich wissenschaftlich qualifiziert haben, also den Professorentitel tragen, oder zumindest eine Habilitation vorweisen können, und dies, obgleich die wissenschaftliche Tätigkeit in Institutionen dieser Art bestenfalls eine Nebenrolle spielt.

Was gesucht wird ist der Professorentitel, der Kompetenz signalisieren soll – Kompetenz bei der Krankenversorgung.

Gewalttätigkeiten gegen Ärzte in China – keine Überraschung
Vor dem Hintergrund gnadenlosen wissenschaftlichen Wettbewerbs in China überraschen dann auch weder die Gewalttätigkeiten gegen Ärzte, über die wir mehrfach berichtet haben, noch der Versuch einiger Ärzte, den Weg in die internationale Fachliteratur durch Plagiate, Fälschungen und sonstige Betrugshandlungen abzukürzen..

Die Zahl chinesischer Ärzte wird sich bis zum Jahre 2020 verdoppelt haben. Es bleibt zu hoffen, dass für sie mehr die Patientenversorgung im Vordergrund steht, und wissenschaftlich tätige Ärzte von der Patientenversorgung freigestellt werden, um so beiden Bereichen gerecht zu werden: Der Forschung wie der Krankenversorgung. Vor allem aber: Dass hohe Qualität der Krankenversorgung nicht weniger karrierefördernd ist, als die Zahl der Publikationen.

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Aussitzen, Ausschwitzen, kein Drang zur Aufklärung: die Skandal-Uniklinik Freiburg/Breisgau
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