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Der Tod eines Löwen in Simbabwe – oder: Wieviele Menschen sind ein Löwe?

Dr. Alexander von Paleske — 4.8. 2015 —- Das Töten des Löwen Cecil, durch den wegen Wilderei in den USA bereits vorbestraften US-Zahnarzt Walter Palmer in der Nähe des Hwange Nationalparks, hat weltweite Empörung ausgelöst.


Cecil


Walter Palmer —-vorbestraft in den USA wegen Wilderei

Der Safari Operator hatte den Löwen aus dem Nationalpark, von wo er vielen Besuchern mit seinem Rudel bestens bekannt war, gelockt, um ihn gegen 50.000 Dollar dem US-Zahnarzt. auszuliefern, der ihn unbedingt mit einem Pfeil erlegen wollte, was zu einem stundenlangen Todeskampf des Tieres führte.

Diese flagrante und tierquälerische Verletzung simbabwescher Jagd- und Abschussregeln wäre unentdeckt geblieben, wenn nicht der Löwe ein „Tracking Device“ gehabt hätte, da er in ein Forschungsprojekts integriert war

Die internationale Empörung zwang den Grosswild-jagenden Dentisten erst einmal unterzutauchen. Selbst vor seiner Praxis demonstrierten empörte Tierfreunde.


Proteste vor der Zahnarztpraxis

Ausrottung durch Grosswildjagd?
Die Grosswildjagd ist ein lukrativer Geschäftszweig im südlichen Afrika – und ein Devisenbringer für Länder wie Simbabwe.

Die Regierung macht strenge Vorgaben über den erlaubten Abschuss, der im übrigen nur in designierten „Hunting Areas“, nicht aber in den Nationalparks zulässig ist. Dadurch soll der Bestand gesichert werden.

Aber selbst in den Nationalparks müssen gelegentlich Elefanten von Rangern getötet werden – der begrenzte Lebens-und Nahrungsraum auch des Hwange Nationalparks erlaubt nur eine begrenzte Zahl.

Nur mit Überwachung
Diese Bestandssicherung setzt allerdings eine umfassende Überwachung voraus, die in den letzten Jahren in Simbabwe zweifellos lückenhafter geworden ist.

Das harsche ökonomische Klima, verbunden mit den niedrigen Gehältern der Park- und Widlife -Ranger, machen sie anfällig für Bestechung, zumal für viele Grosswildjäger Geld ohnehin keine Rolle spielt. Und hier geht es nicht um Kleckerbeträge.

Daher der Versuch, Grosswild aus dem Nationalpark zu locken, wie im Fall des Löwen Cecil.

Fragen zum Artenschutz
Es stellen sich zwei Fragen:

1. Welches Grosswild ist von der Ausrottung bedroht?

2.Welches sind Gefahren für das Grosswild – auch in Simbabwe?

Besonders von der Ausrottung bedroht sind Nashörner und Wildhunde – jedenfalls im südlichen Afrika.

Hauptproblem: organisierte Wilderei
Die grössten Gefahren für diese bedrohte Tierwelt kommen – das wird gerne vergessen – nicht von der geregelten Grosswildjagd, sondern von der skupellosen Jagd nach dem Elfenbein und den Hörnern der Nashörner, die in Asien Höchstpreise erzielen.

Insbesondere die Jagd nach dem Horn der Nashörner hat zu deren fast vollständiger Ausrottung geführt. Höchstsummen werden für die angeblich heilenden Kräfte des Nashorn-Horns geboten, dem früher auch noch potenzsteigernde Fähigkeiten unterstellt wurden. Da ist das Horn aber mittlerweile von dem weitaus billigeren Sildenafil (Viagra) abgelöst worden.

Die Mär von den angeblichen Wunderheilungen durch das Hornpulver geistert aber weiterhin durch Südostasien, während das Elfenbein insbesondere in China, zu Figuren verarbeitet, als Ausdruck des erreichten Wohlstands vorgezeigt wird.


Schnitzereien aus Elfenbein in China angeboten Screenshots: Dr. v. Paleske

Bestens vernetzte Banden sorgen für den Ab- und Weitertransport der Hörner und des Elfenbeins nach Südostasien und China

Vergiften der Wasserstellen
Die Jagd nach Elfenbein wurde vor nicht allzu langer Zeit durch Vergiften der Wasserstellen mit Zyanid durchgeführt, das die Jagd mit Maschinenpistolen ablöste, wir berichteten ausführlich darüber. Die Folge war nicht nur die Tötung von einer grossen Zahl von Elefanten, sondern auch Geiern, die das vergiftete Fleisch der Elefanten verzehrten.

Hier soll keineswegs der Grosswildjagd das Wort geredet werden, aber die Abschussprämien kamen bei der geregelten Grosswildjagd indirekt der Bevölkerung zugute, was sich von der organisierten Wilddieberei kaum behaupten lässt.

Projekt Campfire
In Simbabwe gab es in den 80er und 90er Jahren das Projekt Communal Areas Management Programme for Indigenous Resources (Campfire), das die lokale Bevölkerung unmittelbar an den Erlösen aus der Grosswildjagd teilnehmen liess, wodurch die lokale Wilddieberei drastisch fiel, denn auch die gibt es: Das Wild wird – zum Eigenverzehr – mit Schlingen gefangen, worin sich nicht nur Impalas verfangen, sondern auch Löwen und Hyänen.

Insofern geht der jetzige Aufschrei über das zweifellos verabscheuungswürdige Erlegen des Cecil etwas an den wirklichen Problemen vorbei.

Hinzu kommt, dass Unterernährung, mangelnde Krankenversorgung etc, also alles das, wovon es in Afrika reichlich gibt, keinen Aufschrei (mehr) auslöst.

Die Anteilnahme am und die Empörung über den Tod des Löwen Cecil steht da in einem deutlichen Missverhältnis zu den Riesenproblemen, mit denen auch wir in Simbabwe im Gesundheitsbereich täglich kämpfen müssen.

Es stellt sich die Frage, wie viele tote Menschen lösen die gleiche Anteilnahme und Empörung aus, wie der Tod des Löwen Cecil?

Jagd nach Elfenbein: Schwarze Zukunft für afrikanische Elefanten

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