Medizin

Das Gesicht des Brustkrebses – ein perönlicher Erfahrungsbericht

Dr. Alexander von Paleske —- 27.9.2015 —- Faces of Breast Cancer – Gesichter des Brustkrebses – eine Initiative der New York Times, die eine Website eröffnet hat, auf der Menschen, die an Brustkrebs erkrankt sind, ihre Geschichte, ihre Erfahrungen mit ihrer Erkrankung, ihre Leiden mitteilen können, und von anderen hören, die ebenfalls daran erkrankt sind, welche Erfahrungen sie gemacht haben: Nach der Diagnosestellung, vor der Therapie, mittendrin, und danach.

Aber auch wie ihr soziales Umfeld (Partner, Familie, Arbeitskollegen) auf ihre Erkrankung reagiert haben.

Der Monat Oktober
Oktober ist der Monat, in dem an Brustkrebs erinnert wird, Aufklärungsaktionen stattfinden, mit denen Frauen ermuntert werden sollen, zu Vorsorge-Untersuchungen zu gehen, und sofort einen Arzt aufzusuchen, wenn sie einen Knoten in einer Brust tasten.


Brustkrebs Schleife

Und, das sollte hier auch nicht vergessen werden: Auch Männer können – weit, weit seltener allerdings – an Brustkrebs erkranken.
Von 10 Frauen erkrankt eine im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs.

Das „Gesicht des Brustkrebses“ der New York Times macht so aus einer Diagnose Menschenschicksale.


Der Onkologe

Die Aufgabe des Krebsarztes ist nicht nur die niederschmetternde Diagnose zu vermitteln, sondern die Patienten durch die Therapie zu führen, und um zu helfen, auch die nicht unerheblichen Nebenwirkungen der Therapie zu ertragen.

Trotz der Vielzahl ähnlicher Schicksale gibt es wohl für jeden Onkologen immer wieder Patienten, deren Schicksal in besonderer Weise berührt.

Ein Schicksal wie nicht viele andere
So war es für mich in meiner Sprechstunde im Mpilo-Krankenhaus in er vergangenen Woche:
Eine 45-jährige Frau von den Chirurgen überwiesen mit der Bitte um Hilfe zur Diagnosestellung, kommt zu einer Feinnadelpunktion.

Die Patientin hat einen grossen Knoten in der linken Brust festgestellt. Eine kurze Untersuchung er linken Brust ergibt einen Tumor mit einem Durchmesser von 8 Zentimetern. Erstmals hatte die Patientin einen Knoten vor einem Jahr entdeckt, war aber nicht zum Arzt gegangen. Keine Seltenheit unter Brustkrebspatienten.

Dafür gibt es eine Reihe von Gründen:
– Angst vor der Diagnose, mit der dann oftmals folgenden Brustamputation.

– Angst vor en weiteren Folgen der Brustamputation wie Partnerverlust.

– Angst vor den Therapiekosten – mehr als 80% der Bevölkerung hier sind arbeitslos.

So sind 80% der Patientinnen und Patienten bereits in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung, brusterhaltende Operationen scheiden damit aus.

Verschärft wir das alles noch durch die Gerüchtemühle in den Townships:

„Wer mit Brustkrebs zur Operation ins zum Krankenhaus geht, der stirbt anschliessend.“

Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, denn auch wegen dieses Gerüchts kommen Patientinnen sehr spät zur Operation.

Lediglich junge Patientinnen in er Altersgruppe 15-25 kommen rechtzeitig zur Diagnose, aber bei ihnen handelt es sich in fast allen Fällen um einen gutartigen Tumor.

Die Feinnadelpunktion, die in diesem Fall die Verdachtsdiagnose bestätigen hilft, erspart eine Biopsie. Intraoperative Schnellschnitte gibt es hier nicht..

Ehemann einbeziehen
Nach Durchführung der Punktion bitte ich meine Patientin am übernächsten Tag zurückzukommen, um das Ergebnis zu erfahren, über das es bereits nach dem Palpationsbefund kaum Zweifel gibt: fortgeschrittener Brustkrebs mit Lymphknotenmetastase in der linken Achsel.
Gleichzeitig bitte ich Sie, ihren Ehemann mitzubringen: Oftmals sind es die Ehemänner, die einer Brustoperation ablehnend gegenüberstehen. Und nicht wenige, die nach einer Operation die Ehefrau bzw. Partnerin sitzenlassen, und in die Arme einer anderen Frau flüchten.

Den Ehemännern / Partnern erkläre ich in diesen Gesprächen nicht nur die Diagnose, sondern auch, welche weiteren Folgen das hat, und wie sehr seine Frau gerade auch emotional auf ihn angewiesen ist.

Manchmal hilft dieses Gespräch.

„Mein Mann kann nicht kommen“, erklärt mir die Patientin, „er hat vor einiger Zeit einen Schlaganfall erlitten“.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs stellt sich dann auch noch heraus, dass ihr jüngstes Kind behindert ist. Sie also voll sich um die Familie kümmern muss, die Familie voll auf sie angewiesen ist.

Die Brustamputation ist angesichts des fortgeschrittenen Stadiums der Erkrankung notwendig. Ebenso die nachfolgende Chemotherapie und Bestrahlung.

Die Chemotherapie, die von den Patienten selbst bezahlt werden muss, dürfte für sie unerschwinglich sein.

Das andere Gesicht des Brustkrebses hier in Afrika.

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