Medizin

Das Zika-Virus, seine Gefährlichkeit, und ein Virologe namens Kekulé

Dr. Alexander von Paleske —– 2.5. 2016 —
Im Jahre 2011 wütete die Enterohaemorrhagic E-Coli Epidemie (EHEC-Epidemie) in Deutschland.

Insgesamt erkrankten 2.987 Menschen. 53 starben an der Infektion.

Der Erreger wurde nie isoliert, die Herkunft blieb im Dunkeln.
Die Epidemie verschwand so schnell wieder, wie sie gekommen war.

Wir schrieben damals:

Noch haben sich die Virus- / Epidemieleugner nicht gemeldet, diesmal geht der Spuk mit Leuten vom Fach los, die es besser wissen sollten.
Fangen wir mit dem immer Presse-offenen Alexander S. Kekulé an, Direktor des Instituts für Biologische Sicherheitsforschung in Halle und Direktor des Instituts Medizinische Mikrobiologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
Am 23.5. 2011 war in der Frankfurter Rundschau, eine Kekule-Stellungnahme zu lesen, die zunächst doch recht harmlos klang:

„Todesfälle sind selten, wenn Krankheit rechtzeitig erkannt wird“

Wir wissen heute, dass diese Epidemie alles andere als harmlos war.

Erneut zu Wort gemeldet
Nach dem Beginn der ZIKA-Epidemie meldete sich erneut der besagte Virologe, der offenbar gerne der Erste sein will, diesmal in der ZEIT vom 21.1. 2016:

„Die WHO schürt die Angst vor Zika mit falschen Zahlen, die Gefahr für Schwangere wird übertrieben.“

Keine Übertreibung
Drei Monate später, und nun stellt sich heraus: Die Zahlen sind keineswegs übertrieben. Ganz im Gegenteil!

Heute wissen wir, dass rund 1% aller Schwangeren, die während der Schwangerschaft mit dem Zika- Virus infiziert wurden, ein schwer behindertes Kind mit einer Mikrozephalie zur Welt bringen.


Kind mit Mikrozephalie – Opfer der Zika-Virus-Epidemie
Screenshot: Dr. v. Paleske

Wir wissen aber heute auch, dass rund 20% der während der Schwangerschaft Infizierten ein Kind mit zerebralen Schäden – andere als die Mikrozephalie – zur Welt bringen. Das können beispielweise Gehörschäden sein.

Das ganze Ausmass wird sich erst in einigen Jahre endgültig feststellen lassen.

Stammzellversuche beweisen
Aus Stammzellversuchen in Brasilien ist mittlerweile erwiesen, dass dieses Virus eine hohe Affinität zu Gehirnzellen hat und so zu diesen Schäden führt.


Stammzelforscherin Patricia Garcez …….hohe Affinität des Virus zu Gehirnzellen Screenshot: Dr. v. Paleske

Die Stellungnahme des Spitzen-Virologen Kekulé, wie er in den deutschen Medien tituliert wurde, ist zwar schnell, er konnte sich aber sich nicht lange in dieser Erstlingssonne wärmen, denn nun ist klar, dass:

– Dieses Virus für Schwangere weitaus gefährlicher ist, als zunächst angenommen: hochgefährlich.

– Nicht nur Embryos betroffen sein können, sondern bei Erwachsenen das gefürchtete Guillain-Barré-Syndrom
auftreten kann, mit generalisierten schlaffen Lähmungen. Im ausgedehnten Fall bis hin zur Atemmuskulatur, was eine Beatmung erforderlich macht, und damit eine Intensivbehandlung.

– Jetzt geklärt ist: das Virus kann durch Intimverkehr übertragen werden.

Futter für Virusleugner
Leider führen Stellungnahmen wie die des Professors Kekulé nicht nur zur Sorglosigkeit, sondern sie füttern auch die Virusleugner, die ihre Botschaft vom vermeintlichen Virus-Wahn unter das Volk bringen.

So heisst es in einer Internet-Postille:

„Zika-Virus – Pharmamafia treibt neue Sau durch ´s Dorf“

Klappern mag zum Handwerk – auch von einschlägig erfahrenen Professoren – gehören. Wenn eine neue Epidemie auftritt, sollte statt klappern lieber erst mal die Klappe gehalten und abgewartet werden. Auch in Halle an der Saale.

NACHTRAG 5.5. 2016
In Brasilien wurden seit Beginn der Epidemie fast 1.300 Fälle von Mikrozephalie bei Babys registriert, mindestens 57 Babys starben an dem schweren Defekt.

Zika-Epidemie – zwischen Übertreibung und Verharmlosung

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