Medizin

Töten von Eintagsküken, Verfeuern von Antibiotika – Zwei Seiten einer Fehlentwicklung, die gestoppt werden muss

Dr. Alexander von Paleske —– 23.5.2016 —- Zwei Nachrichten kamen in der vergangenen Woche über den Ticker:

1. Das Oberverwaltungsgericht Münster hat das Vergasen und Schreddern von Millionen Eintags-Küken für rechtmässig erklärt.

2. Britische Forscher warnen davor, dass resistente Keime zukünftig bis zu 10 Millionen Menschen das Leben kosten könnten.

Obwohl scheinbar kein Zusammenhang zwischen diesen Nachrichten besteht, verbindet beide doch etwas: Sie sind Folgen einer völlig aus dem Ruder gelaufenen Fleischproduktion in der Form von Massenproduktion in Tierfabriken:

. Antibiotikaresistenz durch die regelhafte und massenhafte Verfütterung von Antibiotika

– Abladung riesiger Güllemengen auf den Feldern, dadurch Grundwasserverseuchung mit Nitraten

– Millionenfache Vergasung und Schreddern von Küken – unerträglich aus Gründen des Tierschutzes..

Antibiotika werden wirkungslos
Erst vor wenigen Monaten hat eine EU-Kommission vor massiv zunehmenden Antibiotika-Resistenzen gewarnt.

Wie EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis erklärte, sterben in der EU bereits jetzt jedes Jahr rund 25.000 Menschen durch bakterielle Infektionen, die durch resistente Keime hervorgerufen worden sind.

Die Gefahr sei dem Experten zufolge nicht auf Europa beschränkt, sondern ein globales Problem, das globale Lösungen verlangt“.
.
Eine von den Grünen in Auftrag gegebene Studie der Berliner Universitätsklinik Charite, kam im vergangenen Jahr zu der Schlussfolgerung, dass es bis 2050 rund zehn Millionen Tote pro Jahr durch multiresistente Keime geben könne, wenn es so weitergeht, wie bisher.

Gleiche Schlussfolgerungen
Eine von der britischen Regierung in Auftrag gegebenen Studie zur Gefahr der Antibiotikaresistenz von Mikroorganismen, die jetzt fertiggestellt und veröffentlicht wurde, kommt zu ganz ähnlichen Schlussfolgerungen:

1. Der Gebrauch von Antibiotika muss weltweit eingeschränkt werden, nicht nur in der Humanmedizin, sondern auch und gerade in der Landwirtschaft..

Weltweit werden riesige Mengen von Antibiotika und anderer antimikrobieller Medikamente an Menschen und Tieren verschwendet, die diese nicht brauchen.

„Wir müssen auf verschiedenen Wegen auf der ganzen Welt darüber informieren, warum es entscheidend ist, dass wir aufhören, unsere Antibiotika wie Süßigkeiten zu behandeln“,

erklärte der Studienleiter O’Neill gegenüber der britischen BBC.

Wenn wir das Problem nicht lösen, steuern wir auf das Mittelalter zu.“

Das ist leider nur teilweise richtig, denn ohne Antibiotika schafft es insbesondere Geflügel in der Massentierhaltung gar nicht bis zum Schlachttag. Das Ende der Massentierhaltung steht damit auf der Tagesordnung

2. Ein weltweiter Fond ist erforderlich zur Entwicklung neuer Antibiotika.
Der Grund: die Pharmafirmen zeigen wenig oder kein Interesse an Neuentwicklungen, weil sich damit kaum oder gar kein Geld verdienen lässt.

Anders als Antibiotika, die in der Regel nur über einen Zeitraum von Tagen verabreicht werden, müssen profitable Medikamente, zur Behandlung von Krebs und chronischer Erkrankungen wie Diabetes und Rheuma entweder lebenslang, oder doch über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.

3. Die Diagnostik muss verfeinert und beschleunigt werden, um Antibiotika in der Humanmedizin gezielter einsetzen zu können, statt der jetzt gängigen Praxis, aus allen Rohren auf Verdacht ungerichtet zu schiessen, mit den Folgen der beschleunigten Multiresistenzentwicklung.

Schreddern bleibt erlaubt
Das OVG Münster urteilte jetzt zum millionenfachen Vergasen und Schreddern von Küken:

Die Aufzucht der ausgebrüteten männlichen Küken aus einer Legehennenrasse ist für die Brütereien mit einem erheblichen Aufwand verbunden. Würden die Küken aufgezogen, seien sie von den Brütereien nicht mehr vermarktbar. Die Tötung von Küken ist daher Teil des Verfahrens zur Versorgung der Bevölkerung mit Eiern und Fleisch“.

Weiter wie bisher
Die Massnahmen der Bundesregierung, die wir hier mehrfach scharf kritisiert haben, laufen im Prinzip auf das „weiter wie bisher“ hinaus.
Politische Leitlinie: Ein wenig muss sich ändern, damit letztlich doch alles bei der bisherigen Massentierhaltung in Tierfabriken bleibt.
Es ist eben es nicht getan mit einem Verbot hier, einer Meldepflicht beim Auftreten von resistenten Keimen dort – alles kosmetische Massnahmen, die dasÜbel nicht an der Wurzel packen.

Gebraucht wird vielmehr eine komplette Revision der Fleischversorgung, die drastisch zurückgefahren werden muss

Es stellt sich die Frage .
Es stellt sich drastisch die Frage: wollen wir morgen noch sicher leben, sollen Infektionen behandelbar bleiben? – oder lieber jetzt jeden Tag billiges Fleisch essen und Millionen von Küken schreddern???

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