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Botswana wird 50 – Grund zum Feiern

Dr. Alexander von Paleske 30.9. 2016 —– Am 30. September 1885 wurde das Betschuanaland von der britischen Regierung zum Protektorat erklärt. Es wurde damit als „Schutzgebiet“ zum teilsouveränen staatlichem Territorium: Deren Verwaltung, auswärtige Vertretung und Landesverteidigung unterstand aber weiterhin der britischen Krone. Bis zum 30. September 1966 hatte Großbritannien diese „Schirmherrschaft“, das Protektorat, übers Betschuanaland. An diesem Tag wurde dann aber die Fahne Großbritanniens eingezogen und die Fahne eines neuen afrikanischen Staates gehisst: Die Republik Botswana war geboren.


Botswana

Zuvor hatte es demokratische Wahlen gegeben. Gesiegt hatte die Botswana Democratic Party (BDP) unter ihrem Vorsitzenden Seretse Khama. Am 30. September 1966, wurde er als erster Präsident dieses neuen Staates auf sein Amt vereidigt.


Sir Seretse Khama

Aber in welchem Zustand war Botswana damals?

Das Land war eingeklemmt zwischen dem Apartheid-Südafrika und dem Siedlerregime Rhodesien Im Osten, dem von Südafrika illegal besetzten Namibia im Westen und hatte nur eine schmale gemeinsame Grenze im Norden mit dem unabhängigen Sambia.
Zum Zeitpunkt der Unabhaengigkeit bestand das Strassennetz aus 0,4 km Asphaltstrasse, ansonsten nur Schotterpsiten. Die waren in der Regenzeit oftmals unpassierbar.

Die Hauptstadt Gaborone war damals nicht mehr als eine Ansammlung von Hütten und ein paar Gebäuden. Das Budget wurde anfangs noch von der ehemaligen Kolonialmacht England finanziert.

Seretse Khama, verheiratet mit der Engländerin Ruth Williams, die er während seines Jurastudiums in England kennen gelernt hatte, war gleichwohl optimistisch, und er hegte keinen Groll mehr gegen die ehemalige Kolonialmacht England, die ihn ùnd seine Familie von 1951 bis 1956 dort interniert hatte. Der Grund: Die Apartheid-Republik Südafrika nahm Anstoß an der Ehe eines Schwarzen und einer Weißen, und da Khama als Chef eines Stammes anstand, verlangte Südafrika von England, ihn „aus dem Verkehr zu ziehen“, was auch prompt befolgt wurde.


Ruth and Seretse Khama

Diamantenfunde als Segen
1967 wurden Diamanten gefunden, und dies sollte sich, anders als in vielen anderen afrikanischen Ländern, nicht als Fluch, sondern als ausserordentlicher Segen erweisen.

Zornig wies der Präsident Khama nach dem Beginn der Förderung alle Vermutungen zurück, demnach diese Diamanten nur einer kleinen Schicht die Taschen und ausländischen Bankkonten füllten; das Gegenteil war nämlich der Fall. Die Einnahmen wurden in die Infrastruktur gesteckt.

Heute hat Botswana 10.000 Kilometer asphaltierte Strassen – alles selbst finanziert. In Sachen Korruption spielt es in der Liga der am wenigsten korrupten Staaten der Welt mit und damit nicht sehr weit in der Korruptionstabelle von Deutschland entfernt. Das Gesundheitswesen kann sich sehen lassen.

Einer nach dem anderen
Die Präsidenten folgen einander, immer nach demokratischen Wahlen: Auf Seretse Khama, der 1980 einem Krebsleiden erlag, folgte Quett Masire, der aus Altersgründen 1998 den Stab an Festus Mogae.weitergab. Auf ihn folgte 2008 der Sohn des ersten Praesidenten, Ian Khama.
Der hatte eine Militärkarriere hinter sich, bevor er 1998 unter Festus Mogae Vizepräsident wurde.

Vorbildliches Gesundheitswesen
Insbesondere das Gesundheitswesen muss als vorbildlich angesehen werden, Das Land litt und leidet unter der HIV-Epidemie. Anders als Südafrika, wo der Chef-Aidsleugner und Präsident Thabo Mbeki seinen Unfug über HIV-AIDS verbreitete mit dem Resultat, dass rund 350.000 HIV-Patienten wegen fehlender antiretroviraler Medikamente frühzeitig starben,

Botswana hat eine Gesamtinfektionsrate von etwa 18 Prozent. Allerdings liegt sie in der Gruppe der 17-34-jährigen höher.

2001 erklärte damalige Präsident Festus Mogae der HIV-Krankheit den Krieg: Referenzlaboratorien, in denen Viruslast und CD4-Zellen gemessen werden können, wurden aus dem Boden gestampft, und ein umfangreiches Behandlungsprogramm gestartet.

Kooperationen wurden mit der Harvard Universität und der Bill Gates Foundation eingegangen. Kubanische Ärzte kamen im Rahmen von Abkommen ins Land.
Erfolge blieben nicht aus.
Heute ist die flächendeckende Behandlung von Patienten, die an der Immunschwächekrankheit HIV/AIDS leiden eine Selbstverständlichkeit.

Licht und Schatten
Wo viel Licht ist, das ist auch Schatten. In diesem Fall die Exekution des Kriminellen John Kalafatis am 13.5. 2009 durch eine Gruppe von Soldaten.

Unklar ist bis heute, welche Verbindungen zwischen ihm und der Khama Familie bestanden.
Klar ist, dass er an einem Abend in Gaborone erschossen wurde.
Die Täter, die vermutlich nicht auf eigene Faust handelten, wurden vor Gericht gestellt, verurteilt und nach relativ kurzer Zeit von Präsident Khama begnadigt.

Mehr noch: Anschliessend mit ihrem Rang wieder in die Armee aufgenommen. Das liess Fragen offen.

Auch die Behandlung eines langen Streiks im Gesundheitswesen im Jahre 2012 durch den Präsidenten, der völlig unnachgiebig auf die Forderungen der Streikenden reagierte, und offenbar die Krankenhäuser mit einem Kasernenhof verwechselte, gehört keineswegs zu seinen Ruhmestaten.

Auch das Basarwa Problem hätte besser gelöst werden können, Die ständige Involvierung der Gutmenschen von Survival International machte eine einvernehmliche Lösung noch schwieriger.

Gleichwohl hat es Botswana in den 50 Jahren Unabhängigkeit geschafft, das zu tun, was eigentlich selbstverständlich ist, leider keineswegs in Afrika: Demokratie zu etablieren .

Ich habe von 2001 bis 2009 als leitender Arzt in Botswana gearbeitet. Beruflich und menschlich gesehen waren es meine bisher besten Jahre in Afrika.

Dumela Ngaka – 8 Jahre als Krebsarzt in Botswana – Ein persönlicher Erfahrungsbericht
Afrikanische Krebsstation: Improvising Medicine: An African Oncology Ward in an Emerging Cancer Epidemic – eine Buchbesprechung
Diagnose: Krebs
Cancer surge overwhelms AIDS-struck Botswana</b

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