Krieg

Jemen, Süd-Sudan, Somalia und Nigeria: Hungersnöte, Bürgerkriege – und wenig Hilfe

Dr. Alexander von Paleske —- 20.6. 2017 —– Fast 20 Millionen Menschen in Afrika, davon 10 Millionen Kinder, droht eine Hungersnot, das Resultat der tödlichen Kombination aus Bürgerkrieg und ausbleibendem Regen.

Zeit drängt.
Die Zeit drängt, aber die Hilfszusagen lassen auf sich warten: 6,5 Milliarden US Dollar werden gebraucht, um das Schlimmste abzuwenden, aber erst ein Viertel dieser Summe wurde von Geberländern bisher zugesagt.

Bereits jetzt sind schon:

– 4 Millionen Kinder unterernährt,

– 21 Millionen Menschen ohne Zugang zur selbst minimaler Gesundheitsversorgung

– 20 Millionen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Folge sind jetzt Choleraausbrüche in drei Ländern, insbesondere im Jemen.

Ohne Frieden keine Änderung
Ohne Frieden in diesen Ländern wird es keine mittel-oder langfristige Lösung dieser Hungerkatastrophe geben, weil, insbesondere im Südsudan, die Menschen vor den kriegerischen Auseinandersetzungen in Flüchtlingslager geflohen sind.

Nicht nur wegen der Granateneinschlage, sondern vor allem wegen der Brutalität seitens der Bürgerkriegsparteien – seien es Regierungssoldaten, seien es Rebellen- gegenüber Zivilisten. die ein unvorstellbares Ausmass angenommen haben: Vergewaltigung und willkürliche Tötung sind an der Tagesordnung.

Einziger Ausweg: Flucht
Der Zivilbevölkerung bleibt nur die Flucht.
3 Millionen Menschen sind es mittlerweile, 1/3 der Bevölkerung des Südsudan, die entweder in die Flüchtlingslager, die mehr schlecht als recht von UN Soldaten bewacht werden, oder in das benachbarte Uganda geflüchtet sind.


Flüchtlingslager im Südsudan

Aber ein Frieden ist nicht in Sicht. Unter Vermittlung zustande gekommene Friedensabkommen werden flugs wieder gebrochen.

Der Präsident Südsudans, Salva Kiir, der nicht nur durch seinen grossen Cowboyhut, ein Geschenk des US-Präsidenten G.W. Bush, den er ständig und überall trägt, sondern vor allem durch seine Brutalität und Machthunger auffällt , strebt die Alleinherrschaft an. Sein Widersacher, der von Kiir abgesetzte Vizepräsident Riek Machar, ist nach Südafrika geflüchtet, kommandiert aber nach wie vor zumindest Teile der Rebellenarmee.

Der kaum an Brutalität zu überbietende Oberbefehlshaber der Regierungstruppen, General Paul Malong, wurde zwar von Präsident Kiir im Mai 2017 gefeuert, aber nicht wegen der unzähligen begangenen Grausamkeiten, sondern weil er Kiir zu mächtig geworden war, und der einen Staatstreich fürchtete.


Präsident Kiir (r) und General Malong (l)

Gleichgütig gegenüber den Leiden
Gemeinsam ist diesen Herrschaften, dass es ihnen nur um Macht und Geld geht, das Schicksal der Zivilbevölkerung ihnen jedoch herzlich gleichgültig ist. Zur Macherhaltung spielen sie die Stämme der Dinka und Nuer gegeneinander aus.

Früchte der Sezession
Im Südsudan werden ohne Zweifel die Früchte der Sezessionspolitik geerntet.
Jahrelang hat der Westen, insbesondere radikalchristliche Organisationen in den USA, den Konflikt zwischen dem muslimischen Norden und dem christlichen Süden geschürt, die christlichen Rebellen mit Geld und Waffen versorgt, bis schliesslich das Ziel erreicht war: Eine Volksabstimmung über die Abtrennung .

Sezession kein Ausweg
In meinem Interview mit dem Ex-Präsidenten Botswanas, Sir Ketumile Masire im Jahre 2008, machte dieser noch einmal klar, wie notwendig die nationale Identität ist – trotz der Grenzen, die seinerzeit von den Kolonialisten mit dem Lineal gezogen wurden – ohne Rücksicht auf ethnische Zugehörigkeit:

I shouldn’t be understood to say we should redraw borders. And I have said, that there are two good things, that the colonialism has done. One is to parcel us into viable entities. Doesn’t matter whether they cut the tribe, two tribes, a tribe into half one called Kenyans, the other Tanzanians but at least there is a group of people, who feel, they belong together who can administer and plan their affairs together instead of just a marauding unidentifiable mass of people.

Diese nationale Identität sollte also als Chance begriffen werden, nicht aber als Anlass für ethnische Auseinandersetzungen. Davon kann jedoch im Südsudan keine Rede mehr sein.

Kurzer Frühling
Die Euphorie über den neuen afrikanischen Staat dauerte erwartungsgemäss nicht lange, weil den Politikern alles an der Macht – und am Geld lag , aber nichts an der nationalen Identität

Ihnen lag vor allem daran, bei der Verteilung der Einkommen aus den Ölquellen und den reichlich fliessenden Hilfsgeldern ordentlich etwas für sich abzweigen zu können: 4 Milliarden US Dollar „Abzweigegelder“ waren das bereits im Jahre 2012 – ein Jahr nach der Unabhängigkeit

Das Resultat: seit 2013 tobt mit Unterbrechungen der Bürgerkrieg.
Die Bevölkerung leidet jämmerlich. Aber die Gewaltaktionen der Armee machten auch vor Helfern internationaler Hilfsorganisationen nicht Halt.

Saudi Arabien bombt im Jemen:
Im Jemen wiederum bombardiert die saudische Luftwaffe weiterhin auch zivile Ziele. Vorgestern sind 21 Menschen bei einem derartigen Angriff auf einen Marktplatz im Norden des Jemen umgekommen.

Bei seinem Besuch in Saudi-Arabien im Mai hat der US-Präsident Trump nichts unternommen, die saudischen Luftangriffe zu stoppen.
Ganz im Gegenteil: Die USA liefern Waffen für Multimilliarden US Dollar, die sollen wiederum Jobs in den USA sichern.

Wenn der Krieg weitertobt, dann nimmt auch der Hunger nach weiteren Waffenlieferungen zu, und schürt den nächsten Konflikt: den mit dem Iran.

50% Hilfslieferungen gestohlen
Im Norden Nigerias brauchen 8 Millionen Menschen Nahrungshilfe, die wird zum Teil auf den Weg gebracht, aber nur 50% kommen tatsächlich an den Zielorten an, das sind vorwiegend die von der Terrormiliz Boko Haram heimgesuchten Gebiete. Die anderen 50% werden von korrupten Regierungsangestellten umgeleitet, und auf dem freien Markt verkauft..

Nun will der stellvertretende Staatspräsident Nigerias die Nahrungsmittel-Transporte durch das Militär begleiten lassen. Es bleibt abzuwarten, ob das etwas hilft.

Bürgerkrieg seit 1991
In Somalia wiederum tobt der Bürgerkrieg seit 1991. Auch hier ist ein Ende nicht abzusehen.

Die Friedenstruppen der Afrikanischen Union, welche die Terror-Islamisten von Al Shabab aus allen Städten Somalia rausgeworfen haben, werden vom Westen nur unzureichend unterstützt, und jetzt wollte die EU diese Hilfsgelder auch noch kürzen.

Wen wundert es, dass die Flüchtlingswelle schliesslich auch nach Europa schwappt?.

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