USA

Die Rache der Sarah Palin

Dr. Alexander von Paleske -14.1. 2010 — Unterlegene Vizepräsidentschaftskandidaten in den USA sind relativ schnell vergessen, oftmals kann man sich selbst in den USA nach einiger Zeit an den unterlegenen Präsidentschaftskandidaten kaum noch erinnern.

Wer weiss z.B. heute noch, wer gegen Ronald Reagan im Jahre 1988 antrat —– es war Michael Dukakis. Aber es gibt eine Ausnahme: Sarah Palin, ehemalige Gouverneurin im kalten Bundesstaat Alaska.


Sarah Palin

Diese erzkonservative und radikalchristliche Dame hatte besonders unter hartnäckigen Journalisten zu leiden, die mit diabolischer Freude immer wieder offenlegten, dass Intelligenz nicht gerade ihre starke Seite ist.

Wer so von Journalisten nicht nur gebeutelt, sondern auch noch der Lächerlichkeit preisgegeben also zur Lachnummer wurde, der sinnt verständlicherweise auf Rache. Aber als Gouverneurin von Alaska, also weit ab vom Schuss, kann so ein Rachefeldzug kaum erfolgreich unternommen werden.

Eine Gouverneurin beschliesst Journalistin zu werden
Palin, mit einer guten Prise von Durchtriebenheit versehen, dachte sich offenbar etwas anderes aus: Nachdem sie festgestellt hatte, welche Macht Journalisten haben, eine Politikerin, wie sie, fix und fertig zu machen, noch dazu eine, die sich sicherlich zu Höherem durch Gott berufen fühlt, beschloss sie, selbst Journalistin zu werden, und es dann der Welt so richtig zu zeigen.

Jetzt hat sie es geschafft. Geistige Kleingärtnerei gehört auch in den USA nicht gerade zu den Einstellungsvoraussetzungen seriöser Medien. Und so bewarb sich die Dame aus dem kühlen Norden zielgerichtet nicht etwa bei einem renommierten Fernsehsender in den USA wie CBS, oder bei einer renommierten Tageszeitung wie der Washington Post, sondern bei einem Fernsehkanal, der nicht nur stark rechts angesiedelt, sondern der in vielem der BILD-Zeitung in Deutschland im Ausmachen und Bedienen empfänglicher Zielgruppen recht ähnlich ist: Fox News.

Willkommen bei FOX
Schichtenspezifisch gesprochen fühlt sich die Unterschicht und die untere Mittelschicht besonders von diesem Fernsehkanal angezogen, der zu Rupert Murdochs Empire gehört, das unter dem Namen News Corporation firmiert. Auch in Deutschland ist Medienkrake Murdoch mittlerweile über den Bezahl-Fernsehkanal Sky, früher Premiere, geschäftlich aktiv.

Fox News ist kurz gesagt ein politisch stark rechts angesiedeltes Rabaukenfernsehen, für das Qualitätsjournalismus ganz offensichtlich ein Fremdwort ist, und der Appell an die Emotionen der Zuschauer täglich Brot. Da werden auch z.B. Interviewpartner schon mal dauernd unterbrochen oder gar beleidigt, das gehört zum Geschäft eines solchen Kanals mit dazu.

Mittlerweile ist Fox News zu dem meistgesehenen Fernsehkanal der USA aufgestiegen. Auf das, was auch nur den Hauch von Liberalität verströmt, oder gar als links geortet werden kann, wird zielsicher eingedroschen. Nachrichtensendungen werden zu Unterhaltungsorgien. Sehr schön dokumentiert in dem Film „Outfoxed“.

In solch einem Team, wo es mehr um Desinformation, Klamauk und rechte Gesinnung geht, denn um echte journalistische Kompetenz, ist die Dame Palin natürlich hochwillkommen.

Kommentar Palin (keine Satire) nach der Stellenvergabe an sie:

Es ist wunderbar zu einem Medium zu gehören, das faire und ausgewogene Nachrichten so sehr zu schätzen weiss“

Also wird sie dort als Moderatorin und Kommentatorin das Team verstärken und anspruchslose Zuschauer erfreuen helfen.

Going Rogue
Wie es sich für richtige Politiker gehört, hat sie bereits, obwohl noch mitten im Leben stehend (45), ihre Memoiren veröffentlicht, nicht unter dem Titel „Der lange Lauf zu mir selbst“, sondern „Going Rogue, An American Life“ ein Bestseller.

Kommentar von Martin Klingst in der ZEIT vom 19.11.2009 Seite 11 dazu:

„Going Rogue ist ein Manifest. Ueber Herausforderungen Amerikas, die aussenpolitischen Bedrohungen, den Dollarverfall
und die Klimakatastrophe erfährt man so gut wie nichts.

Stattdessen bekennt sie (Sarah Palin) sich auf 413 Seiten immer wieder zu dem Weltbild …… gegen zu viel Staat, gegen die da oben, für eine starke Armee und ein starkes Amerika, für den lieben Gott und für Arbeit, die sich lohnt.“

Liberale Politiker und Journalisten der New York Times und Washington Post zieht Euch warm an. Da kommt etwas auf Euch zu. Das christliche Unikum schlägt zurück. With a vengeance.

Rupert Murdoch – Citizen Kane in der Aera der Globalisierung
Umsonst ist nicht angemessen? – oder: Ist das Zeitungssterben aufzuhalten?
Rettet Rupert Murdoch den guten Journalismus?

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