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Medizin unter dem Hakenkreuz – späte Aufarbeitung – oder: Die Mörder waren lange unter uns

Dr. Alexander von Paleske — 23.3.2011 — Heute stellte der Präsident der Bundesärtzekammer, Jörg Dietrich Hoppe, den Expertenbericht „Medizin und Nationalsozialismus“ vor. Eine sehr späte Aufarbeitung und Zusammenfassung der bisherigen Forschungsergebnisse.

Hoppe bemerkte:

Die Studie leistet einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung eines der dunkelsten Kapitel deutscher Medizingeschichte. Die Wahrheit ist: Arzte haben in der Zeit des Nationalsozialismus Tod und Leiden von Menschen herbeigeführt, angeordnet oder gnadenlos verwaltet. Eine vollständige Aufarbeitung der Gräuel stehe aber noch aus.

Der Bericht zeichnet auf, wie in den Jahren 1940/1941 in sechs zentralen Anstalten für psychisch Kranke und Behinderte mit Hilfe von Pflegern und Ärzten mehr als 70.000 Menschen im Rahmen der Aktion T4, – benannt nach dem Sitz der Programm-Zentrale in der Berliner Tiergartenstrasse 4 – vergast oder anderweitig getötet wurden. Es war das Vorspiel zum systematischen Judenmord.

Der NS-Euthanasie fielen zwischen 1939 und 1945 fast 300.000 Menschen zum Opfer. Außerdem wurden 400.000 „erblich minderwertige Menschen“ zwangssterilisiert.

Hoppe weiter:

Die Ärzteschaft habe sich nach dem Krieg erst spät – zu spät – zu der Schuld der Ärzte im Nationalsozialismus bekannt.

Niemals zur Rechenschaft gezogen
Das ist leider eine glatte Untertreibung, denn viele der damals für die Ermordungen Verantwortlichen wurden niemals zur Rechenschaft gezogen, und konnten nach dem Ende der Naziherrschaft weiter ungestört ihren Beruf ausüben.

Es waren nicht die Ärzte, die dies als einen Akt der Selbstreinigung aufdeckten, sondern der investigative Journalist Ernst Klee , der dieses finstere Kapitel mit Personendaten, Fallbeschreibungen und aufrüttelnden Artikeln immer wieder in das öffentliche Bewußtsein hob.

Nicht zufällig erhielt Klee 1976 ein Hausverbot für die psychiatrische Universitätsklinik von dem Frankfurter Psychiater Professor Bochnik. Ein Mediziner, der mir aus meiner Studienzeit in Frankfurt noch durch seinen offenbaren Mangel an Empathie, und durch süffisante Bemerkungen nach den Patientenvorstellungen, in denkbar schlechter Erinnerung geblieben ist.

Ein Blick zurück
An den sogenannten Gnadentötungen waren fast 400 Personen beteiligt. Orte des Verbrechens waren unter anderem Hadamar bei Limburg und Schloss Hartheim in Österreich.

Den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen folgte der Ärzteprozess, in welchem das Euthanasieprogramm ausführlich zur Sprache kam. Die beiden Leiter des Vernichtungsprogramms wurden zum Tode verurteilt. Der Psychoanalytiker Alexander Mitscherlich berichtete in einem Buch Wissenschaft ohne Menschlichkeit“ darüber und nannte Namen. . Die Auflage wurde von interessierter Seite angeblich aufgekauft.

Aber das war nur die Spitze des Eisbergs bzw. der Verbrecherpyramide.

Fritz Bauer ermittelte
Der Frankfurter Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der nicht nur den Auschwitzprozess gegen einigen Widerstand in Gang gebracht hatte, sondern auch den sogenannten Diplomatenprozess, begann ebenfalls mit den Ermittlungen gegen die Schreibtischtäter der Euthanasie.

Die Ermittlungen wurden nach seinem Tode im Jahre 1968 jedoch nicht weitergeführt. Die Verantwortlichen konnten so der Strafe entgehen, bzw. kamen nach Jahrzehnten mit lächerlichen Strafen davon . Ein übler Vorgang in der Justizgeschichte Nachkriegsdeutschlands.

Der Korpsgeist der Ärzteschaft funktionierte ebenfalls prächtig. Wer aus der Reihe tanzte musste damit rechnen, als Nestbeschmutzer diffamiert zu werden.
Für eine justizielle Aufarbeitung ist es heute zu spät. Die Täter, die lange unter uns lebten und arbeiteten sind wohl mittlerweile verstorben.

Joseph (Joschka) Fischer – ein Entnazifizierungsheld im Auswärtigen Amt

3 Gedanken zu “Medizin unter dem Hakenkreuz – späte Aufarbeitung – oder: Die Mörder waren lange unter uns

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