Katastrophen

Nicht genügend Dosimeter – Die Skandale um Fukushima nehmen kein Ende

Dr. Alexander von Paleske— 2.4. 2011 — In jeder Röntgen- und Strahlenabteilung von Krankenhäusern ist es untersagt, ohne Dosimeter zu arbeiten.

Dosimeter zeigen die Strahlenbelastung an, denen Mitarbeiter im Laufe einer bestimmten Zeit ausgesetzt sind.

Nachdem der Reaktorunfall Fukushima durch die völlig ungenügende Sicherung der Notstromaggregate vor einer Flutwelle ausgelöst worden war, weil mangels Stromversorgung die Pumpen für den Kühlkreislauf ausfielen, stellt sich nun heraus, dass nicht einmal genügend Dosimeter für alle am Kernkraftwerk – oder was davon übrig geblieben ist – unter Extremstbedingungen arbeitenden Nothelfer vorhanden sind.

Mit anderen Worten: es ist unklar, ob sie sich einer gesundheitsschädlichen oder gar potentiell tödlichen Strahlendosis aussetzen oder nicht.

Arbeiter sollen sich angeblich Dosimeter teilen. Wie das funktionieren soll – die Arbeiter marschieren ja nicht als siamesische Zwillinge durch die Ruinen des Atommeilers – bleibt völlig unklar.

Tepco erhielt daraufhin eine Verwarnung der japanischen Atomsichersicherheitsbehörde NISA..

Ausserdem wurde bekannt, dass Tepco offenbar doch nicht verstaatlicht werden soll. Ministerpräsident Kan wies derartige Meldungen als unwahr zurück.

Motto: „Macht euren Dreck alleine“, anstatt dies als nationale Aufgabe zu begreifen, zumal angesichts all der Lügen, die Tepco bisher ausgestreut hat, und Tepco’s grandioser Inkompetenz.

In einem Interview mit der ARD erklärte Tepco-Pressesprecher Yoshimi Hitosugi:

Zur Zeit sind etwa 400 Leute im Einsatz, 80 bis 90 Prozent von ihnen sind Tepco-Angestellte. Die anderen arbeiten bei Tepco-Partnern, der Feuerwehr, der Selbstverteidigungstruppe und Reaktor-Herstellerfirmen. Die Arbeiter tragen Dosimeter und sind Radioaktivitätswerten ausgesetzt, die unter den festgelegten Werten liegen. Sie werden im Schichtsystem eingesetzt. Wenn es nötig ist, übernachten sie in einem Gebäude auf dem AKW-Gelände. Ernähren müssen sie sich leider mit Notfall-Rationen.

Verharmlosungen und glatte Lügen.

Bereits zuvor war bekannt geworden, dass Obdachlose und Jugendliche als „Wegwerfarbeiter“ in Kernkraftwerken in Japan zum Einsatz kamen.

Was sich in alledem zeigt:

– Völlig unzureichende Vorbereitung auf einen derartigen Notfall

– Grenzenlose Menschenverachtung

Der Einsatz der Arbeiter durch die Betreiberfirma Tepco erinnert fatal an den Einsatz von Kamikaze-Fliegern im zweiten Weltkrieg.

Währenddessen hat sich der Chef von Tepco erst einmal krank gemeldet: Hoher Blutdruck und generelles Unwohlsein. Nicht durch Strahlen, sondern durch Stress ausgelöst. Kann man verstehen.

Und der japanische Premier Kan besuchte gestern erstmals die von dem Erdbeben und Tsunami heimgesuchten Gebiete – drei Wochen nach der Katastrophe-.

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