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Italien: Flüchtlingsfrauen unter großem Druck

Stephan Fuchs – Die Zeiten in Italien sind hart, der Druck auf alleinstehende Frauen die es nach Italien geschafft haben ist erdrückend. Trotzdem bleiben die meisten in Europa.

Sechs und mehr Tage verbringen Flüchtlinge in kaum seetauglichen Schiffen auf dem Weg von Libyen nach Lampedusa. Viele von ihnen verschätzen sich mit Lebensmitteln und Wasser. Die meisten zahlen horrende Preise für die Überfahrt. Wer es auf das italienische Festland schafft vermutet sich im Paradies, doch die Wirklichkeit ist die Hölle.

Am schlimmsten trifft es alleinstehende Frauen mit Kindern. „Wir hatten kein Dach. Ich musste mit meinem einjährigen Sohn auf den Bahnhöfen und Schienenunterführungen schlafen.“ Die Caritas gewährt befristete Unterkunft für Frauen und Kinder. Nach zwei Monaten ist aber die Notunterstützung beendet. Der italienische Staat stellt die Leute auf die Strasse und empfiehlt ihnen die weiterreise in den Norden. Eine Odyssee in die Abgründe der Städte beginnt. „Wohin sollte ich denn weiterreisen? Ich kannte niemanden, meine Landsleute lebten auch auf der Strasse und konnten uns nicht helfen. Nachts auf den Strassen wurde ich von Männern angesprochen. Mit Glück waren es warme Nächte und ich musste keine Angebote annehmen. In kalten Nächten musste ich zur Nutte werden, um meinem Sohn eine halbe Stunde in einem warmen Auto zu geben, während ich vergewaltigt wurde. In sehr kalten Nächten waren es mehrere Männer.“

Am Tag wird gebettelt. Chancen auf eine Arbeit gibt es nicht. Mit Kind ist es gar unmöglich irgendwelche illegalen Arbeiten zu tun. „Manchmal habe ich Windeln oder Lumpen aus den Mülltonnen gesucht und sie gereinigt, damit mein Sohn Windeln hatte. Ich habe am Tag geweint vor Frust und Hunger, in der Nacht habe ich geweint vor Schande und Schmerzen. Der Druck hat mich genötigt in die Schweiz zu gehen, wie das die Italiener empfohlen haben.“

Mit dem Dubliner Übereinkommen, einem völkerrechtlichen Vertrag über die Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines Asylgesuchs, wird Frau und Kind allerdings wieder polizeilich zurück nach Italien geschafft.

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