Medizin

EHEC – HUS: Die Verschwörungstheoretiker melden sich zu Wort

Dr. Alexander von Paleske — 4.6.2011 —
Als gäbe es nicht schon genug Verwirrung um den Ursprungsort bzw. die Herkunft der EHEC-HUS-Epidemie, da melden sich nun die Verschwörungstheoretiker zu Wort.

Noch sind es nicht die erbärmlichen Virus- / Epidemieleugner vom Schlage eines Claus Köhnlein mit seinem „Virus- Wahn„. Diesmal geht der Spuk mit Leuten vom Fach los, die es besser wissen sollten.

Fangen wir mit dem immer Presse-offenen Mikrobiologen und Direktor des Instituts für Biologische Sicherheitsforschung in Halle, Alexander S. Kekule, an.

Los ging es mit seiner Stellungnahme, in der Frankfurter Rundschau vom 23.5.2011, die zunächst einmal doch recht harmlos klang:

Todesfälle sind selten, wenn Krankheit rechtzeitig erkannt wird“

Dann die Wende: die Todesfälle mehrten sich, nun kann man, im Jahrhundert des Terrorismus, auch Bioterrorismus nicht ausschließen:

Der aktuelle EHEC-Ausbruch ist jedoch ungewöhnlich und beunruhigend. Bei einem Großteil der Erkrankten tritt eine sonst seltene Komplikation auf, das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS). Zudem sind die meisten HUS-Patienten Erwachsene.
Auch der sehr unwahrscheinliche, aber theoretisch denkbare worst case nicht ausgeschlossen werden, dass die Bakterien absichtlich ausgebracht wurden.

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Da kann auch der Hygiene Chefarzt am Vivantes Krankenhaus nicht ruhig sitzenbleiben:

Der Chefarzt für Hygiene an den Vivantes-Kliniken in Berlin, Klaus-Dieter Zastrow, hält einen Anschlag als Hintergrund der derzeitigen EHEC-Epidemie für möglich. Er sagte: „Es kann durchaus sein, dass ein Schwachkopf unterwegs ist und denkt, ich bringe mal ein paar Leute um oder verpasse 10 000 Leuten Durchfälle. Das aus dem Blickfeld zu nehmen, halte ich für einen Fehler und geradezu fahrlässig.“ Eigens gezüchteter EHEC-Stamm?
Er betonte, die Bakterien könnten durchaus von Kriminellen oder Terroristen produziert werden. Wer Geld habe, könnte Labore beauftragen, die sich mit solchen Dingen beschäftigten. Gerade die Tatsache, dass es sich um einen völlig neuen Stamm handele, lasse ja auch an ein Kunstprodukt denken. „Wenn wir es jetzt mit einem völlig neuen Keim zu tun haben, muss man auch fragen, woher er kommt“, sagte Zastrow.

Auch BILD-Deutschland ist sehr besorgt :

Haben wir zu wenig Experten?
Hygiene-Chefarzt zieht möglichen Anschlag in Betracht


EHEC – Neue Terroristenwaffe? – Screenshot: Dr. v. Paleske

Entwarnung
Aber, gottlob, die Terrorismus-Experten vom Bundesinnenministerium können Entwarnung geben:

Der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Jens Teschke, erklärte, es gebe keine Hinweise auf bioterroristische Aktivitäten.

Warum in die Terrorismus-Ferne schweifen, das Böse ist doch so nah
Dabei hätte es doch nun wirklich nahegelegen, erst mal in den Tiermast-Ställen nachzuschauen, ob dort dieser Erreger bereits vorhanden ist, und sich dann über Tierprodukte, oder doch die Gülle, weiterverbreitet.

Nach den Terrorismus-Warnern sind als nächstes die Gegner von genetisch veränderten Nahrungsmitteln an der Reihe, die über eine Übertragung von veränderten Soja- oder Mais-Genen an Bakterien spekulieren.
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Hier soll keineswegs den gentechnisch veränderten Pflanzen das Wort geredet werden, ganz im Gegenteil. Aber um mit dem früheren Wirtschaftsminister Karl Schiller zu reden: „Genossen, lasst die Tassen im Schrank“. Dabei wird nämlich schlicht übersehen, daß, anders als beim Gentransfer zwischen Bakterien, der zum Beispiel über Plasmide funktioniert, kein Gen-Transfer-Vehikel von genetisch veränderten Lebensmitteln auf die Bakterien vorhanden ist.

Fazit
Die ärztlichen Verschwörungs-Propheten drücken sich vor der Erkenntnis, dass die Massentierhaltung, und mit ihr der Antibiotikaverbrauch, sowie die nicht artgerechte Fütterung, uns diese Probleme bescheren. Diese Erkenntnis ist keineswegs neu, und an Warnungen hat es nicht gefehlt.

Vielmehr ist zu befürchten daß – mit oder ohne Auffinden der Infektionsquelle – nach dem Abklingen der Epidemie, alles beim alten bleibt.

Auf Wiedersehen heißt es dann, bis zum nächsten Mal. Oder in Abwandlung eines alten Bundesbahn-Werbespruchs: Die nächste Epidemie kommt bestimmt. Auch ohne Bio-Terroristen.

Zu EHEC und Eculizumab
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Eculizumab (Soliris) – Das Wundermittel gegen EHEC-HUS?
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Zur Antibiotikaresistenz und ihren Gefahren
WHO, Weltgesundheitstag und Antibiotikaresistenz – eine Nachbemerkung
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Welt-Tuberkulose Tag – eine Krankheit weiter auf dem Vormarsch</

Welt Aids-Kongress in Wien, die HIV-AIDS-Leugner laden zum Gegentreffen

biowaffen
jaja, die verschwörungstheoretiker. mit ihren geschichten von militär-labors, in denen biowaffen wie milzbrand- oder e.coli-erreger gezüchtet werden, alles TOTAL weit hergeholt …

Tommy Rasmussen (Gast) – 5. Jun, 18:53
EHEC
Kann das EHEC-Bakterium krank machen?

NEIN:

onlinedienst – 6. Jun, 13:00
Stimmt
Krank machen uns nur die Politiker. Die Gesundung kommt von den Virus- und Epidemieleugnern.

Oh sancta simplicitas

Dr. v. Paleske

Stefanie (Gast) – 6. Jun, 14:01
Siehe da – nun ist ein Landwirtschaftsbetrieb in Ülzen schuld. So schnell kann es gehen und alle Verschwöhrungstheorien sind dahin! Wird Zeit, dass sie rausfinden, ob dies der einzige Betrieb ist und wo die Waren überall hingeliefert wurden – ohne Salat lässt es sich bei diesem Wetter nicht gut leben…

teacher – 6. Jun, 18:50
Ich bin persönlich zutiefst enttäuscht, dass meine belegbare Theorie hier nicht zitiert wird:
teacher.twoday.net/stories/19462255/

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