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Ein Prozess in München und die geheime Bilderbergkonferenz

Dr. Alexander von Paleske — 13.6. 2011 —
Zur Zeit findet ein Prozess in München statt, in dem der einstige Medienmogul Leo Kirch die Deutsche Bank und seinen ehemaligen Vorstand und späteren Aufsichtsratsvorsitzenden Rolf-Ernst Breuer auf Schadensersatz in Milliardenhöhe verklagt.

Und gestern ist in St. Moritz die geheime Bilderberg-Konferenz zu Ende gegangen, trotz der Anwesenheit von 130 Politikern und Spitzenmanagern, darunter den Chefs von Coca Cola, Nestle, der Chase Manhattan Bank und vielen anderen, nebst SPD-Mann Peer Steinbrück, von der deutschen und internationalen Presse weitgehend totgeschwiegen.

Diese beiden Ereignisse haben scheinbar nichts miteinander zu tun – oder doch?

Bilderberg zu (am) Ende
Zunächst zu Bilderberg. Der internationalen Presse wurde bedeutet, dass ihre Anwesenheit nicht erwünscht sei, und sie keinen Zutritt zum Konferenzgebäude, dem 5-Sterne Suvretta House bekommen würde.

Zwei EU-Parlamentarier, die es gleichwohl versuchten, wurden abgeführt und aus dem Schweizer Kanton Graubünden ausgewiesen, was noch ein diplomatisches Nachspiel haben dürfte.

Die Presse hat – wie sonst nur in totalitären Staaten üblich – sich dieser Anordnung der Konferenzorganisatoren (freiwillig) gefügt, anstatt die Konferenz durch geballtes Auftreten mit dem demokratischen Recht auf Zugang zu Informationen zu konfrontieren, und damit den Aufgaben einer freiheitlichen Presse gerecht zu werden.

Dass die Deutsche Wochenzeitung Die ZEIT nicht pressemäßig vertreten war, versteht sich von selbst, schließlich ist Matthias Nass, ihr ehemaliger stellvertretender Chefredakteur und nunmehriger Chefkorrespondent, einer der Ausrichter dieser erbärmlichen Konferenz.

Aber auch andere leitende Redakteure, vom britischen Economist, über die führende niederländische Tageszeitung NRC Handelsblad, bis zum österreichischen Standard waren bei der Konferenz anwesend, als Geheimnisträger sozusagen, ohne an der Verhöhnung von Demokratie und Pressefreiheit Anstoß zu nehmen.

Aber auch Presseorganen, wie der Süddeutschen und Spiegel war die hochkarätige Konferenz, die unter dem Etikettenschwindel „privat“ antritt, offenbar keinen analytischen Artikel wert, ganz zu schweigen davon, diese demokratiefeindliche Veranstaltung einer notwendigen Kritik zu unterziehen.

Zu viel stand offenbar für deren Anzeigenabteilungen auf dem Spiel, schließlich will man Firmen wie Coca Cola, Nestle und Co nicht als Anzeigen-Kunden verlieren.

Was hat das alles mit dem Prozess in München zu tun?
In beiden Fällen haben wir es mit der Arroganz der Mächtigen zu tun. Eine Arroganz, die offenbar der Meinung ist, daß bestimmte Regeln nur für das einfache Volk gelten, nicht jedoch für sie.

Als Zeuge in München musste am 19.5. 2011 der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Clemens Börsig, erscheinen.
Sein offenbar arrogantes Auftreten vermittelte den Anwesenden den Eindruck, es sei eine Zumutung, einen so wichtigen Top-Manager wie ihn vor Gericht zu laden, und damit seinen vollgestopften Terminkalender durcheinanderzubringen.

Am nächsten Termin trat dann Thomas Middelhoff in den Zeugenstand, einst Chef von Bertelsmann und später Arcandor besser als Karstadt-Quelle bekannt. Eine Firma die schließlich in die Insolvenz rutschte.

Middelhoff wollte offenbar die Rolle „Jungdynamischer Top Manager“ spielen. Obwohl bereits 58 Jahre alt, gab er sein Alter zunächst mit 53 Jahren an, vermutlich weil ihm dauernd ins Ohr geflüstert wird, er sehe erst wie Anfang Fünfzig aus. Dann änderte er seine Falschaussage in „Jahrgang 1953 also 54 Jahre“ , um nach dem Gelächter des Publikums die erneute Falschaussage zu korrigieren in sein wahres Lebensalter: 58 Jahre.
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Man könnte das alles als Posse abtun, aber es ist diese offenbar maßlose Arroganz, die Überheblichkeit und die Eitelkeit, die eine Reihe von diesen Herrschaften auszeichnet, welche über das Wohl und Wehe von vielen Menschen entscheiden, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, wenn es denn recht ist.

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