Medizin

EHEC–Epidemie: Was bleibt?

Dr. Alexander von Paleske — 24.6. 2011 —

Die Antwort lautet: das EHEC – Bakterium O104:H4 wird bleiben.


EHEC O104:H4 – Wird bleiben, samt den Krankheits-Komplikationen, die es verursacht

Die Hoffnung, dass die Epidemie mit dem Auffinden einer Erregerquelle (Sprossen) vorbei sein wird, hat getrogen.

Am 1. Mai dieses Jahres erkrankte erstmals ein Patient an dieser gefährlichen Erkrankung, dessen Erreger bisher als relativ harmlos galt. Ein Erreger, der aber offenbar durch Info-Transfer von anderen Bakterien die Fähigkeit erworben hatte, ein Toxin zu produzieren (Shiga-Toxin), das erhebliche Schäden an Blutgefässen insbesondere in der Niere hervorruft, was zu einer Zerstörung von roten Blutkörperchen, wie auch zu Nierenschäden, bis hin zum Nierenversagen, führen kann: Das hämolytisch urämische Syndrom (HUS).

Aber auch im Gehirn kann dieses Toxin, im Unterschied zu der bisher bekannten Form des hämolytisch urämischen Syndroms, offenbar Schäden anrichten.

Mittlerweile erkrankten mehr als 3500 Menschen, bei 823 (23.5%) war der Krankheitsverlauf durch HUS kompliziert und 42 starben.

Hervorragende Überlebensfähigkeit
Anders als bei den bisherigen Epidemien mit dem klassischen Erreger E-Coli 0157:H7, der immer zu lokal begrenzen Ausbrüchen führte, ist dieser Erreger nicht nur aggressiver, sondern hat eine außerordentlich gute Überlebenschance, gerade auch außerhalb seines eigentlichen Lebensraums, dem Darm von Tieren oder Menschen. Er schützt sich durch eine Schleimkapsel. Und er kann selbst niedrige Temperaturen gut überstehen. Kurzum, er ist bestens geeignet, einmal mit Gülle auf Felder gebracht, dort in Warteposition bis zur nächsten Ernte auszuharren.

Verlängerte Ausscheidung
Darüber hinaus dauert die Ausscheidung des Erregers im Stuhl von Erkrankten offenbar wesentlich länger, als die klinische Krankheitsdauer.

Daher ist es kaum verwunderlich, dass es nun – anders als bei den bisher bekannten Ausbrüchen – , mit dem Auffinden und Eliminieren der infektionsquelle – so möglich – die Epidemie zwar ihren Gipfelpunkt überschritten hatte, aber die Epidemie bisher noch kein Ende fand. Denn nun kommt auch noch die Übertragung von Mensch zu Mensch hinzu.

So wurden in dieser Woche 17 neue EHEC-Fälle mit dem Erreger O104 aus Schleswig Holstein gemeldet.

Der Erreger wurde auch einem Bach bei Frankfurt gefunden, in den eine Kläranlage halbgereinigtes Wasser ableitet.

Alles zusammen: die starke Überlebensfähigkeit und die längere Ausscheidungsdauer werden dazu führen, dass der Erreger in Klärwerken aufkreuzt.

Zwar kann das Wasser, also der Überlauf von Klärwerken, entkeimt werden, sodass der Überlauf in die Gewässer (Bach oder Fluss) dann nicht weiter Probleme machen würde.
Aber: Das ist kostenträchtig, und deshalb bei den meisten Klärwerken nicht realisiert.

Klärschlamm als Krankheitsschleuder
Mehr noch: Der Klärschlamm, welcher ja wieder zur Düngung als „biologischer Dünger“ verwendet wird, ist natürlich keineswegs keimfrei. Vielmehr müsste er jetzt besser als „Bakterienschleuder“ bezeichnet werden: Bakterienschleuder für hochgefährliche Bakterien.
Daneben natürlich die Gülle aus Ställen mit keimtragenden und daher den pathogenen Keim ausscheidenden Wiederkäuern.

Bei allem sollte nicht vergessen werden, dass der EHEC-Keim nicht nur weiter unser ungebetener Gast bleibt. Allein das ist schon schlimm genug, sondern sich vergleichbare oder noch schlimmere Mutationen bzw. Info-transfers zwischen Bakterien jederzeit wieder ereignen können.

Was tun?
In den meisten Medienberichten werden die Themen Massentierhaltung (Tierfabriken und Fischfarmen), nicht artgerechte Tiernahrung und verantwortungsloser Antibiotikaverbrauch bestenfalls gestreift. Dabei sind es die hochgefährlichen Faktoren.

Die Online-Ausgabe der Wochenzeitung Die Zeit beispielsweise titelt:

Krankheitskeine warten stets auf ein Comeback

Als Vergleich werden die Pest, Q-Fieber und Ebola herangezogen, als sollten wir uns mit einer gottgewollten, scheinbar unabänderlichen Tatsache abfinden.

Dabei wird geflissentlich unterschlagen, das die Ausrottung bzw. Eindämmung fäkal-oral übertragbarer Erkrankungen in Europa, wie der Cholera und der Bakterienruhr, gerade auf die Hygiene und gute Trinkwasserqualität zurückzuführen sind, nachdem es der Medizin gelang, die Erreger zu isolieren, die Übertragungswege sichtbar zu machen und damit die Ursache zu bekämpfen.

Ebola hat hier schon deshalb als Vergleich nichts zu suchen, weil das Erregerreservoir nicht absolut klar ist, und bedeutende Fortschritte bei der Entwicklung eines Impfstoffs mittlerweile gemacht wurden.

Die verantwortungslose Massentierhaltung aber, die ungezügelte Antibiotikaverfütterung, und die nicht artgerechte Tierfütterung drohen uns neue Probleme zu bescheren, die wir diesmal selbst verursacht haben.

Nur: anders als mit der Ruhr und Cholera ist die Politik nicht bereit, mit dem Verbot der Massentierhaltung, der drastischen Einschränkung des Antibiotikaverbrauchs, nicht nur, aber insbesondere auch in Nutztierhaltung, und dem Verbot der nicht artgerechten Tierfütterung die dringend notwendigen Konsequenzen zu ziehen, nicht nur im Hinblick auf EHEC, sondern gerade auch wegen der immer bedrohlicheren Antibiotikaresistenz.

Zu EHEC-HUS
EHEC – HUS: Die Verschwörungstheoretiker melden sich zu Wort

EHEC-Erreger: Erbgut entschlüsselt – aber kein Anlass zur Hoffnung.

Eculizumab (Soliris) – Das Wundermittel gegen EHEC-HUS?
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Zur Antibiotikaresistenz
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Kommentare

Wir sehen uns (Gast) – 24. Jun, 18:17
Die Dauerlügner
Während das Robert- Koch- Institut* täglich neue „gesicherte“ EHEC- Quellen erfand und diese anschließend widerrufen musste, entstand eine Liste von Opfern dieser gezielten und unwissenschaftlichen Panikmache.
Das Robert- Koch- Institut in Hamburg ist jedenfalls keine Unbekannte Ob Vogelgrippe oder Schweinepest, dieses Zentralinstitut der Bundesregierung ist in der Vergangenheit schon des öfteren durch seine unwissenschaftliche Tätigkeit aufgefallen und es bleibt zu wünschen, daß in nächster Zukunft Konsequenzen erfolgen werden. „In Nürnberg wurden eben nicht alle hingerichtet“, heißt es immer wieder…
Den Rest dürfen sie, lieber Leser, ihrer diesbezüglichen Phantasie überlassen.
Auf eines meiner vielen Bücher in den Regalen könnte gewiss ein Staubkörnchen vorhanden sein, das bei irgendeiner Person „möglicherweise“ eine vermeintliche Stauballergie auszulösen im Stande wäre. Soll ich jetzt alle meine Bücher vernichten? Nein? In „Nürnberg“ hatte man auch nur für die verblödet zu haltende Masse, rein optisch versteht sich, die „Krankheit“ behandelt. Es genügt eben nicht, das Thermometer zu zerstören, wenn man Mittel gegen das Fieber sucht.

Doch zurück zum Biobauernhof in Bienenbüttel. Gegen die Betreiber des Hofes wird wegen „fahrlässiger Tötung“ ermittelt. Der persönliche und wirtschaftliche Schaden dieser gezielten EHEC- Opfer aus Bienenbüttel kann an dieser Stelle nicht beziffert werden. Doch sei noch einmal darauf hingewiesen, daß die gezielten Opfer der EHEC- Panikmache in der Presse eindeutig identifizierbar benannt wurden. Ungewöhnlich schon deshalb, weil sich die Presse sonst immer auf die „Persönlichkeitsrechte“ beruft, um das öffentliche Interesse an der Identifizierung der Übeltäter umgehen zu können. Oder haben sie jemals aus der Presse erfahren können, wer z.B. vermeintlich die Gammelfleischskandale verursacht hatte? Hieß es nicht immer lapidar, „ein Betrieb in Niedersachsen“ und alle weiteren Informationen könnten/dürften laut Pressekodex und den Persönlichkeitsrechten nicht veröffentlicht werden (zum Vergleich hier eine ausländische Meldung über EHEC)? Weil das Interesse eines oder mehrerer Industrieller über dem Interesse eines ganzen Volkes gestellt wird?

Was also bemächtigte die Industriemedien, die ja angeblich in Konkurrenz zueinander stehen wollen, dazu, in trauter Gemeinsamkeit wieder einmal jegliches journalistisches Einmaleins zu missachten? Gewiss das gemeinsame Interesse und mit Sicherheit keine Konkurrenz zueinander.

Doch besagte Presse als auch das Robert- Koch- Institut vereint eines. Sie sind Institutionen, die im Sinne der Herrschenden agieren. Also nicht im Sinne des Volkes, sondern ihrer Besitzer und der Oligarchen.

Der Biohof in Bienenbüttel wird nicht nur von Idealisten betrieben. Nein, es gibt noch eine Auffälligkeit.
Dr. Stefan Lanka, Mitbetreiber des Klein- Klein- Verlages und ein ernstzunehmender Aufklärer in Sachen Kriminalität, Desinformation und sonstiger Machenschaften der Pharmaindustrie und ihrer Lakaien aus Medizin und Politik hielt eben „zufällig“ genau auf diesem Biohof in Bienenbüttel Seminare ab. Und ganz „zufällig“ geriet eben dieser Biohof ins Visier der Inquisition und wurde entgegen aller sonstigen Gepflogenheiten identifizierbar am medialen Pranger gestellt.

Glauben sie diesbezüglich immer noch an einen „Zufall“ oder mangelt es noch immer an Erklärungen (oder besser gesagt an Denkanstößen)?

Man kann von Dr. Stefan Lanka halten, was man will. Doch eins kann man ihm nicht vorwerfen: Im Gegensatz zu seinen Gegnern arbeitet er wissenschaftlich und mit offenen Karten und offenem Visier.

P.S. Böööse Zungen behaupten, es könnten demnächst auch Baumärkte geschlossen werden. Da Dr. Stefan Lanka „wahrscheinlich“ diese aufsuchte und „möglicherweise nicht ausgeschlossen werden kann“, das daraufhin die Sprossen an Leitern keine gemeingefährliche Gefahr bilden werden.

Gelesen? Nun kann er löschen!

Antwort:
Wer mehr über den Quatschkram des Dr. Stefan Lanka und seinen unwissenschaftlichen Blödsinn erfahren will, und wie er widerlegt wird, dem sei die Website

http://www.esowatch.com/ge/index.php?title=Stefan_Lanka

empfohlen.
Wir beschäftigen uns hier nicht weiter mit diesem Quark.

Dr. Alexander von Paleske

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