Krieg

Rückzug aus Afghanistan – oder: nach uns die Sintflut. Fällt nun Berlin?

Dr. Alexander von Paleske — 25.6. 2011 —

US Präsident Obama verkündete am vergangenen Mittwoch den Anfang vom schrittweisen Ende des Truppeneinsatzes in Afghanistan.


Verkündete schrittweisen Truppenabzug am 22.6. 2011: US-Präsident Obama. Screenshot: Dr. v. Paleske

Scheitern auf der ganzen Linie
Der Afghanistan-Feldzug ist auf der ganzen Linie gescheitert. Die im Kriegseinsatz getöteten Soldaten der ISAF Truppe, darunter auch 50 Bundeswehr-Soldaten, sind in einem sinnlosen Einsatz verheizt worden


Sinnloser Einsatz: US-Truppen in Afghanistan. Screenshot: Dr. v. Paleske

Fast alle Gebiete Afghanistans, die im Jahre 2001 noch als friedlich galten, stehen mittlerweile entweder unter der Kontrolle oder aber dem Einfluss der Taliban, sind also Kriegszone.

An warnenden Stimmen hatte es seinerzeit in Deutschland nicht gefehlt, allerdings nicht von der Mehrheit der Grünen, von den anderen ehemaligen und jetzigen Regieungsparteien ganz zu schweigen. Die stimmten kriegstrunken dem Einsatz und jeder Mandatsverlängerung im Bundestag zu.

Der verstorbene SPIEGEL-Gründer und Herausgeber Rudolf Augstein , der schon gegen die Einführung des Euro anschrieb – und nun posthum recht behielt – wetterte 2002 kurz vor seinem Tode:

„Wer hat die USA in die afghanische Falle gelockt? Ihr Hochmut? Ihr Rachedurst? – Beneidenswert, wer frei davon.“ (Peter Merseburger, Rudolf Augstein, der Mann, der den Spiegel machte.2007 S. 527)

Die Bush Regierung hatte von Anfang an klar gemacht, dass die USA zur Terrorismusbekämpfung und nicht zur Aufbauhilfe dort einmarschieren. Die Kriegskosten wurden mit 1 Milliarde US-Dollar pro Monat also 12 Milliarden pro Jahr beziffert.

2,5 Milliarden US Dollar pro Woche
Mittlerweile sind mehr als 400 Milliarden US Dollar in 10 Jahren insgesamt in diesen Krieg gepumpt worden, und die Kriegskosten belaufen sich auf nunmehr 2,5 Milliarden US Dollar – pro Woche wohlgemerkt.

Dabei hat sich die miserable soziale Lage der Bevölkerung mitnichten gebessert, im Gegenteil: hohe Kindersterblichkeit, hohe Müttersterblichkeit, weitverbreitete Armut, und der Krieg zieht vor allem die Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft. Zuletzt heute, als ein mit Sprengstoff gefülltes Fahrzeug von einem Selbstmordattentäter in ein Krankenhaus gesteuert wurde..

Der einstige Al Qaeda Oberterrorist Osama bin Laden hielt sich längst nicht mehr in Afghanistan auf, er hatte sich, wie wohl alle seiner Terror-Genossen, aus dem Staube gemacht.

Al Qaeda längst woanders
Al Qaedas Terrorbasen liegen mittlerweile in Pakistan, Yemen und Somalia. Das eigentliche Kriegsziel, al Qaeda aus Afghanistan zu vertreiben, war also längst erreicht worden, stattdessen begann nun der Kampf gegen die Taliban. Und offenbar hatten die USA aus dem Vietnamkrieg nichts, aber auch gar nichts gelernt.

Unter Ignorierung der gewachsenen gesellschaftlichen Strukturen sollte Afghanistan eine Demokratie nach westlichem Vorbild übergestülpt werden. Das Ergebnis ist heute zu besichtigen:
Eine korrupte Regierung in Kabul, die sich die Taschen vollstopft .

Bürgerkrieg statt Interventionskrieg
Nun soll also die Karsai-Regierung mit eigenen Truppen den Interventionskrieg als Bürgerkrieg weiterführen. Auch das kennen wir alles aus dem Vietnamkrieg. Das Ende dort ist bekannt, das Ende in Afghanistan wird ähnlich sein: ähnlich auch wie nach dem Abzug der Sowjettruppen aus Afghanistan nach 10-jähriger Intervention 1989.

Es gibt bis heute noch kein selbständig operierendes afghanisches Armee-Battalion.

Die USA wollen noch eine Weile in Afghanistan präsent sein, und vermutlich das machen, was zur Zeit in Libyen stattfindet: Bombardement. Damit lässt sich in Afghanistan das Ende der Regierung Karsai und die Machtübernahme der Taliban vielleicht noch etwas hinauszögern, aber an dem finalen Ausgang wird es letztlich nichts ändern.

Fällt Berlin?
Fällt nun auch Berlin? Immer wieder haben Berliner CDU-SPD-FDP-Grünen-Politiker, wie unter anderem der seinerzeitige Außenminister und jetzige Industrie-„Klinkenputzer“ Joseph Martin (Joschka) Fischer, Gasprom-Schröder, Steimmeier, Merkel & Co, aber auch Journalisten cum Hurra-Patrioten wie der ZEIT-Herausgeber Josef Joffe behauptet, dass Berlin in Kabul verteidigt würde, Vorneverteidigung also. Blanker Unsinn.

Aber damit haben wir uns oft genug auseinandergesetzt. Eine weitere Stellungnahme dazu ist reine Zeitverschwendung.
Berlin und das Brandenburger Tor werden auch nach dem Fall Kabuls an die Taliban weiterbestehen. „Brandenburger Toren“, wie J.M. Fischer und Co werden sich etwas einfallen lassen müssen.

Wie hieß doch das Zitat von Carl Sandburg Stell Dir vor es ist Krieg, und keiner geht hin“ – vielleicht beim nächsten Mal.

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3 Gedanken zu “Rückzug aus Afghanistan – oder: nach uns die Sintflut. Fällt nun Berlin?

  1. wenn die taliban nun in berlin einmarschieren und uns arme deutsche bürger von unseren dort versammelten korruptis im reichtstag befreien wollen -warum nicht.

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  2. Hochmut Geht es in einem Krieg um Hochmut? Quatsch es geht um Geld und Rohstoffe(Geld).Man hat die Landschaft in Afghanistan mit U238 verseucht,das dezimiert die Bevölkerung vielleicht über Jahre hinaus.
    Aber das wird das Zins vom Zins System zu fall bringen.Ohne Konsument kein Geld.

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  3. Was hätte man mit $ 400.000.000.000 alles in Afghanistan anstellen können, um etwas zu erreichen wofür sich der Weltpolizist angeblich einsetzt?

    Noch eine Frage:
    War es wirklich ein NATO-Bündnissfall? Oder nur eine Verarschung?

    Es ist doch offensichtlich so, dass sich die Sicherheitslage in Deutschland verschlechtert hat seitdem deutsches Militär dort an der deutsch-afghanischen Grenze rumspackt.

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