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Willkommen in Afrika, Frau Merkel – Sie haben aber nichts im Gepäck und kommen außerdem noch zu spät

Dr. Alexander von Paleske — 13.7.2011 —-

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

ich freue mich, daß sie sich dazu aufgerafft haben, zwischen den vielen Euro-Krisensitzungen sich drei Tage zum Besuch von drei Ländern Afrikas (Kenia, Angola, Nigeria) freizuhalten.

Natürlich haben Sie das nicht uneigennützig getan, sondern die schiere Angst um den Rohstoffnachschub und die Sorge um schwindende Exportchancen haben Sie dazu getrieben.

Das ist keineswegs verwerflich, und aus afrikanischer Perspektive sogar hocherfreulich.
Es ist noch gar nicht lange her, da mussten die Rohstoffe für n‘ Appel und n‘ Ei weggeben werden und die Produzenten dankbar sein, dass sie abgenommen wurden. Sie mussten sozusagen untertänigst angeboten werden, zu Schleuderpreisen.

Damit ist nun Schluss, denn seit einigen Jahren steigen die Rohstoffpreise unablässig. Und nun stehen die Käufer bei den Verkäufern Schlange und nicht mehr umgekehrt.

Der Grund: China, ein Land, das einstmals ebenfalls unter dem Joch des (britischen und ein wenig auch des deutschen ) Kolonialismus litt, hat sich erfolgreich auf den Weg gemacht, von einem armen Land der Dritten Welt zu einem Land der Ersten Welt zu werden, und ist auf diesem Weg schon enorm weit voran gekommen. So weit, dass die mittlerweile helfen, Ihre Camembert-Währung, auch Euro genannt, zu stützen und Ihnen auch Anleihen abzukaufen, die ansonsten keine Bank mehr kaufen will.

Das hätten Sie ja alles schon viel früher erkennen können, denn ein deutscher Physikprofessor namens Wilhelm Fucks hatte ihnen das bereits in den 60er Jahren bis auf drei Stellen hinter dem Komma vorgerechnet (Formeln zur Macht), aber der damalige westdeutsche Kanzler Kiesinger sprach nur von der „roten Gefahr“, was er jedoch nur politisch, nicht aber wirtschaftlich meinte.

China tritt auf den Plan
Nun ist es soweit, und die Chinesen brauchen ebenfalls Rohstoffe, sehr viele. Bis 1992 exportierten sie z.B. noch Erdöl, heute sind sie der zweitgrößte Importeur nach den USA.

Und so wurde aus dem Käufermarkt für Rohstoffe ein Verkäufermarkt. Die Afrikaner haben jetzt das Sagen – sofern sie Rohstoffe besitzen und sehen jetzt auch bei Konzessionsvergaben und Schürfrechten genauer hin, „was bringt uns das“.

Und die alten Freunde aus China, die afrikanische Befreiungsbewegungen unterstützten, während z.B. die Bundesregierung Spendengelder beschlagnahmen ließ, die dem Befreiungskampf dienten, sind natürlich hochwillkommen, wohl wissend, dass die Zeiten absolut uneigennütziger Hilfe der Chinesen , wie beim Bau der 1850 Kilometer langen Eisenbahnstrecke von Sambia nach Tansania (TAZARA) in den 60er und 70er Jahren, vorbei sind.

Deshalb sind die Chinesen hier mehr willkommen, als die USA oder die ehemalige Sowjetunion, die hier in Afrika blutige Stellvertreterkriege geführt haben, und dabei ganze Landstriche wie in Angola verwüsteten, noch dazu verminten und die USA auch noch mit den Rassisten im Apartheid-Südafrika eng zusammenarbeiteten, anstatt strikte Sanktionen gegen die zu verhängen.

Deswegen schauen die Afrikaner bei Besuchen aus den Nato-Ländern natürlich genau hin: was haben die vor, was haben die im Gepäck, versuchen die Afrika wieder mal reinzulegen oder unter Druck zu setzen?
Oder bieten die auch uneigennützige Hilfe an?

1O Cent pro Person
Und da geht mit Ihrem Besuch, Frau Merkel, der Ärger schon los:
In Kenia boten Sie lächerliche 1 Million Dollar für die Linderung einer der schlimmsten Hunger- und Flüchtlingskatastrophen an.
Auch wenn ich verstehe, dass Sie Banken wie der Hypo-Real-Estate, und Zockerbanken in anderen europäischen Ländern Milliardenbeträge zuschanzen müssen: 1 Million Euro für 10 Millionen Hungernde das sind 10 Cent pro Hungerndem. Nein, sie sollten sich schämen, solch ein lächerliches Geschenk anzubieten.

Kanonen statt Infrastruktur
Und nun waren Sie heute in Angola, ein Land, das nach Stellvertreterkrieg und Bürgerkrieg von 1975 bis 2002 also 27 Jahre völlig verwüstet war, und jetzt erst mühsam den Wiederaufbau angepackt hat.


Zerstörungen der Südafrikaner in Lobito/Angola 1975


Von Südafrikanern zerstörte Brücke in Fort Rocades, jetzt: Xangongo/Angola


Zerstörungen am Serra de Leba Pass – zerstört durch Apartheid-Südafrika


..und der Eisenbahnlinie am Serra de Leba Pass

Da habe ich eigentlich erwartet dass Sie Angebote zur Wiederherstellung der Infrastruktur machen, und sich ein Beispiel an den Chinesen nehmen, die gerade die Benguela – Eisenbahn – auch die war total zerstört – wieder rehabilitieren. Die Strecke ist 1300 km lang und wird nächstes Jahr fertiggestellt sein.
Als ich heute die Nachrichtenseite bei Google aufschlug, da wollte ich meinen Augen nicht trauen: Sie wollen Waffen liefern, Kriegsschiffe etc. Und das in ein Land, das nach so vielen Jahren Krieg keine Feinde mehr hat, weder im Inneren – abgesehen von der Enklave Cabinda – noch nachbarseitig.

Haben Sie vergessen, wie einige Franzosen sich im Angolagate-Skandal Anfang der 90er Jahre eine goldene Nase verdienten mit Waffenlieferungen nach Angola, als da noch der Bürgerkrieg tobte?
800 Millionen US Dollar aus den Öleinnahmen hat die Regierung Angolas dafür ausgegeben, statt für Krankenhäuser und Schulen.

Haben Sie nichts aus dem Waffenskandal in Südafrika gelernt, wo ebenfalls deutsche Kriegsschiffe geliefert wurden, statt Medikamente zur Behandlung von HIV-AIDS?
Nein Frau Merkel, sie sind nicht nur geizig, sondern versuchen Afrika Sachen anzudrehen, die nicht gebraucht werden.

Scließlich: Sie kommen zu spät zur Rohstoffsicherung. . Ein wenig erinnert mich das Ganze an den Wettlauf zwischen Hase und Igel. Überall, wo sie hinkommen, sind die Chinesen bereits da.

Mit freundlichen Grüssen

Dr. Alexander von Paleske
Arzt für innere Medizin, Hämatologie
Leitender Abteilungsarzt
Bulawayo/Simbabwe
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