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Pharmakonzerne wollen Lieferung von Medikamenten in südeuropäische Länder stoppen

Dr. Alexander von Paleske — 19.9. 2011 —
Es ist eine Nachricht, die nur allzu deutlich zeigt, welches Ausmaß die Finanzkrise bereits erreicht hat. Getroffen werden dabei vor allem die Unterschicht und untere Mittelschicht, die sich eine private ambulante oder stationäre Krankenhausbehandlung nicht leisten können:.

Die global operierende Pharmafirma Roche hat mitgeteilt, dass sie die Lieferung von Medikamenten, insbesondere die sehr teuren Krebsmedikamente, wie zum Beispiel das bei der Brustkrebsbehandlung eingesetzte Herceptin, an öffentliche (staatliche) Krankenhäuser in Griechenland einstellen wird.

Der Grund: Die staatlichen Krankenhäuser bezahlen ihre Rechnungen ganz oder teilweise nicht mehr, die zeitlichen Rückstände betragen mittlerweile bis zu drei Jahren.

Aber auch andere Länder wie Italien und Spanien sollen demnächst von diesen Massnahmen betroffen sein.

Der Hintergrund:: Die ungenügende finanzielle Ausstattung der öffentlichen Krankenhäuser, angesichts der ständig steigenden Arznei- und Behandlungskosten.

Das zur Brustkrebsbehandlung bei besonders aggressiven Varianten eingesetzte Herceptin kostet pro Patientin für die gesamte mehrmonatige Behandlung rund 40.000 Euro.
.
Nicht anders sieht es bei den neuen Medikamenten zur Behandlung der chronischen myeloischen Leukämie aus, die pro Monat nicht weniger als 1000 Euro bzw. mehr kosten, und voraussichtlich lebenslang eingenommen werden müssen. Medikamente, welche die Behandlung revolutioniert, und die ansonsten einzig heilende Methode der Knochenmarkstransplantation weitgehend überflüssig gemacht haben.

Roche gehört zu den nicht gerade zahlreichen forschenden Pharmafirmen gerade auf dem Gebiet der Krebsbehandlung . Die geforderten Preise dieser Medikamente, soweit sie noch Patentschutz haben, sind meistens völlig abgekoppelt von den Herstellungspreisen: es wird vielmehr das gefordert, was der Markt „hergibt“.

Je verzweifelter die Patienten, je wirksamer die Therapie und je geringer die Alternativen, umso mehr kann verlangt werden und wird auch bezahlt, von Fällen der Staatskrankenhäuser im südlichen Europa einmal abgesehen.

Was heute für besonders teure Medikamente gilt, das dürfte im Falle Griechenlands bald für die gesamte Krankenbehandlung gelten, und auch für wesentlich billigere Medikamente.

Wie es heute zutreffend im Wallstreet online heisst:

Jeder weiß, dass Griechenland pleite ist. Nach Credit Default Swaps liegt die Wahrscheinlichkeit einer Pleite Griechenlands bei über 90%, in dieselbe Richtung weist die Rendite zweijähriger Staatsanleihen mit über 90%.

Griechenland werden die Daumenschrauben im Tages-Takt fester angezogen.

So soll Griechnland streichen oder kürzen:


…bei einer Arbeitslosenrate von rund 20%


Daumenschraubenprogramm, da ist der Gesundheitsbereich noch gar nicht dabei, das wird auf „kaltem Wege“ erledigt

…..und der Protest dagegen:

Screenshots: Dr. v. Paleske

Dabei ist es offensichtlich ist, dass es letztlich doch zu Staatsbankrott, und damit zum Rauswurf aus dem Euro kommen wird. Mit dieser Taktik soll aber der Staatsbankrott Griechenlands für Euroländer sozusagen als „unabwendbares Ereignis“ verkauft und den Griechen letztlich dann doch in die Schuhe geschoben werden.

Motto: Wir haben mit den Griechen alles versucht, aber es hat leider alles nicht geholfen.

In Griechenland dürfte ein heisser Herbst bevorstehen, und nicht nur dort.

Angela Merkel an Nicolas Sarkozy: Danke für die erfolgreiche Griechenland-Krise-Videokonferenz

3 Gedanken zu “Pharmakonzerne wollen Lieferung von Medikamenten in südeuropäische Länder stoppen

  1. Panikmache „Griechische Krankenhäuser erhalten keine Medikamente mehr“ heißt es da z.B. Man soll assoziieren, daß griechische Patienten jetzt ohne Medikamente dastehen. Folgt man dem Link zum Handelsblatt ist dort zu lesem: „Der Schweizer Pharmakonzern Roche hat Medikamente-Lieferungen an einige zahlungsunwillige Krankenhäuser in Griechenland gestoppt….Allerdings würden die Schweizer die Lieferungen an Apotheken in dem hoch verschuldeten Land erhöhen, Patienten würden keine Medikamente vorenthalten.“ Gleiches passiere auch mit Krankenhäusern in anderen Ländern.
    So what ? Nichts als bewußte Panikmache.

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    1. Roche Sttellungnahme 1. Sie sollten den Artikel in der Ärztezeitung lesen, den ich verlinkt habe (unterstrichen) und nicht nur die Stellungnahme von Roche, die im Handelsblatt widergegeben wird., und welche die Sache nätürlich versucht herunterzuspielen.

      2. Ihr Verweis auf die Apotheken kann doch wohl nicht ganz ernst gemeint sein. Die Apotheken verkaufen derartige Medikamente, die auch noch dazu jeweils bestellt werden müssen, sicherlich dort auch noch teurer sind, weil sie, anders als die Krankenhausapotheken, keine Rabatte aushandeln können. Medikamente, die dann vom Patienten bezahlt, zwischengelagert und ins Krankenhaus gebracht werden müssen.
      Und was ist, wenn der Patient bettlägerig zu Hause oder im Krankenhaus liegt? bzw. gar nicht das Geld hat, um diese Medikamente zu bezahlen, bzw. das Geld erst einmal vorzuschiessen?

      3. Geradezu absurd wird diese Ihre Argumentation, wenn es sich um Notfallmedikamente handelt..Sollen die Angehörigen dann in der Stadt in Apotheken auf die Schnelle nach diesem Medikament suchen?
      Ich sehe Ihnen nach, dass sie offenbar wenig Einblick in den Krankenhausbetrieb, den Kauf und die Lagerung von Medikamenten haben, dann sollten Sie aber auch mit derartigen Stellungnahmen zurückhaltend sein.

      Zentraler Punkt ist und bleibt das „Underfunding“ der Krankenhäuser und des Gesundheitswesens, über das in der Medizinzeitung Lancet

      Lancet Vol. 378, 23.7. 2011 – Debt crisis strains Greece’s ailing health system, http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(11)61152-5/fulltext

      bereits im Juli berichtet wurde, das jetzt durch die Sparmassnahmen noch einmal drastisch verschärft wird.

      MfG

      Dr. v. Paleske

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