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Libyen: Britische Söldner wittern Geschäfte

Dr. Alexander von Paleske — 26.9. 2011 —
Mehrfach haben wir über den Ex-Special Boat-Service (SBS)-Mann, Ex-Sandline-Söldnerfirma Inhaber, und Grossaktionär der britisch-kanadischen Ölfirma Heritage Oil, Tony Buckingham, berichtet.


Tony Buckingham

Er war immer dort zu finden, wo es nach Öl und anderen Bodenschätzen roch, gekämpft wurde, und Schürfrechte zu ergattern waren.

Im Irak war er auf Einladung Saddam Husseins 1995 zu Öl-Fördergesprächen eingeladen. Nach dessen Vertreibung (go with the flow) im Jahre 2003 kreuzte er wieder dort auf, und bekam lukrative Verträge in Kurdistan zugeschanzt.

Spur eines Söldner-Ölbarons
Im Angolakrieg rekrutierte er seinerzeit die südafrikanische Söldnerfirma Executive Outcomes, deren Kämpfer aus Apartheid-Südafrikas Terror- Mörder- und Zerstörungseinheiten stammten, wie dem 32. Buffalo Battalion, den Reconnaissance Commandos (Recce), Koevoet, der 44 Parachute Brigade und aus der Todesschwadron Civil Cooperation Bureau. Im Gegenzug gab es Öl- und Diamanten-Förderkonzessionen.

In Sierra Leone stellte er wieder die Executive Outcomes-Söldner, bekam Bergbaukonzessionen und löste die „Arms to Africa Affair“ aus, wir berichteten ausführlich darüber..

In Uganda fand er Öl, machte Geschäfte mit einer Sicherheitsfirma Saracen, verkaufte später die Öl-Konzessionen an die irische Firma Tullow Oil, unter Hinterlassung von offenbar satten Steuerschulden in Millionenhöhe, wir berichteten auch darüber.

Neue Station: Libyen
Nun raucht der Pulverdampf im Ölförderland Libyen, und schon ist Tony Buckingham wieder über seine Firma Heritage Oil dort aufgetaucht. Zwei „Geschäftsanbahner“ sind für ihn unterwegs, seit Monaten.

In alter Tradition bieten sie „Sicherheitsleute“ auch Söldner zutreffender genannt, dort an. Sie sollen die Bewachung der Ölanlagen übernehmen. Und da Buckingham kräftig vor den Wahlen in die Parteikasse der konservativen Partei eingezahlt hatte, gilt es jetzt, notfalls mit Hilfe des britischen Aussenministers William Hague, die Früchte des Nato-Bombardements zur Unterstützung der Rebellen einzusammeln.

Ein Mann namens John Holmes
Starten wir mit der Nr. 1 der Anbahner, John Holmes, ein Mann der fliessend Französisch spricht, sich schon seit Monaten im Osten Libyens herumtreibt, und gute Kontakte zu der libyschen Übergangsregierung , auch National Transitional Council (NTC) genannt, hält.

Abgestiegen ist er im dem Nobelhotel von Benghazi, dem Tibesti, dort ist er abends an der Bar zu finden.
Holmes ist ein ehemaliger Offizier der britischen Special Forces (SAS) , und der Scots Guards, dem Hausregiment der britischen Königin. Dort diente seinerzeit Königin und Vaterland auch ein weiterer Offizier, den es ebenfalls später in das Söldnerwesen trieb, und der zu Tony Buckinghams rechter (Söldner-)Hand wurde: Tim Spicer, jetzt Chef der Söldnerfirma Aegis.

Holmes war zuletzt Generalmajor, ist sozusagen mit allen Kriegswassern gewaschen, und wurde für seine Verdienste um Königin und Vaterland mit dem höchsten britischen Militärorden, dem Military Cross ausgezeichnet, bevor er dann aus dem Militärdienst aus- und in das Söldnergeschäft einstieg. Zunächst als Direktor der berüchtigten Söldnerfirma Erinys, die im Irak und Aghanistan ihr Unwesen treibt, und nun als Chef der von ihm gegründeten Söldnerfirma Titon.

Der geeignete Mann also, um den Libyern hochbezahlte Sicherheitsdienste, ausgeführt durch Söldnerpack, anzudrehen. Die Kämpfe sind noch nicht vorüber, gerade heute haben Insurgents von Algerien aus einen libyschen Grenzposten überfallen, das ist das rechte Klima für Söldner, die „Sicherheit“ versprechen, brutal zuschlagen und ordentlich abkassieren.

Natürlich hat Tony Buckingham weitergehende Pläne, Libyen besitzt die grössten Ölvorräte Afrikas. Aber da sind grössere Firmen etwas besser positioniert, also fängt man erst einmal eine Nummer kleiner an.

Philosophie eines Söldner-Generals
Holmes Philosophie für seinen Einsatz als eine Art Mini-Lawrence von Arabien:

„To lead the local tribesman successfully, you must have integrity understand and respect the culture, share the dangers and use a carrot and stick approach, often by the judicious use of money“

Im Klartext: Schmeicheln, Drohen, Zuckerbrot (Bestechung) und die Peitsche
Der National Transitional Council (NTC) hat erst einmal dankend das Angebot von Heritage Oil abgelehnt. Das ist aber für Buckingham nicht die letzte Antwort. Denn nun gilt es Lobbyarbeit in Grossbritannien zu leisten: Aussenminister William Hague soll Druck bei den Libyern machen.
Diese Lobby-Arbeit für HeritageOil besorgt ein Herr namens Christian Sweeting, Grundstücksmakler, mit besten Verbindungen zur Konservativen Partei, für die er einst (erfolglos) im Wahlkreis Torbay kandidierte. Der pendelt zwischen London und Libyen her und her, schreibt Frontberichte an Aussenminister Hague. Aber der ziert sich noch etwas.

Es ist wohl nur die Spitze eines Eisbergs, und es bleibt zu hoffen, dass die Libyer bei ihrer dankenden Ablehnung bleiben.

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