SATIRE

Angela Merkel: Die lange Nacht von Brüssel und die kurzen Folgen

Dr. Alexander von Paleske — 27.10. 2011 — Folgende Mail landete heute in meiner Mailbox:

Angela Merkel
Bundeskanzlerin
Im Regierungsviertel 1

Berlin

Hallo Deutschland,

ich bin gerade von der Nachtsitzung in Brüssel zurück und möchte mich daher gleich an das deutsche Volk wenden.

Mein Vor-Vor-Vor Vorgänger, Willy Brandt sagte einmal:

Der Bundeskanzler hat die Pflicht, dem deutschen Volk die Wahrheit zu sagen“

Nichts als die Wahrheit
Das will ich hier herzlich gerne tun.
Um es kurz zu fassen: der Gipfel in Brüssel hat nur eine kurze Atempause gebracht, mehr nicht. An den Börsen spielte sich daraufhin eine Rallye ab, die nur als Bärenmarkt-Rallye bezeichnet werden kann.

Wir leben ab sofort (nur noch) mit dem (illusionären) Prinzip Hoffnung und rufen parallel dazu zum Gebet auf.

Werden nicht unbegrenzter Zahlmeister
Andererseits kamen andere Lösungen überhaupt nicht in Frage, weil Deutschland ansonsten den unbegrenzten Haupt-Zahlmeister hätte spielen müssen.

Aber da haben die anderen Staatsmänner mich so richtig kennengelernt.


Angela Merkel…..haben mich kennengelernt. Screenshot: Dr. v. Paleske

Gerade auch dieser Kampfzwerg Sarkozy, der statt der Rettungsfond- (Schein-) Versicherung – Bailout-Fund – eine Bank mit Notendruckberechtigung einrichten wollte, um damit seine Schrottanleihen aus Pleitestaaten loszuwerden, die ich hier noch einmal im Überblick darstelle.


Gesamtschrottanleihen in französischer Hand (in Milliarden US-Dollar)

Lachend erzählte er mir, dass man in Frankreich das Thema Inflation eher gelassen betrachte, man hätte sie schon öfter gehabt..

Was hätte sein müssen
Aufzählen will ich, wie tatsächlich eine mittelfristige Wende hätte bewerkstelligt werden können, was aber daran scheiterte, dass z.B. Italien sein Gold bunkert, statt es zu verkaufen, nicht seine Beteiligungen an Firmen verscherbelt, sich an wertvolle Grundstücke klammert, anstatt sie auf den Markt zu werfen und sich weigert, die Mafia anständig zu besteuern.

Ganz besonders geärgert hat mich, dass dieser Italo-Berlusconi permanent mit seinem Handy zugange war, um irgendwelche Bunga-Bunga-Termine zu vereinbaren.

– Der Rettungsfond müsste mindestens drei Billionen Euro umfassen, und zwar cash und nicht als (Schein-) Versicherung.
So lebt dieser Schirm von dem Prinzip Hoffnung, dass der Versicherungsfall – wir versichern ja marode Anleihen von potentiellen Pleitestaaten mit (lächerlichen) 20% – nie eintreten möge.
Ich gehe davon aus, dass dies in den meisten Fällen eine trügerische Hoffnung ist.

– Wie mein Bankerfreund Josef „Feldherr“ Ackermann mir aufgetragen hat, haben wir die Banken auf den Maximalbetrag von 50% bei dem Schuldenerlass Griechenlands festgelegt.
Das ganze hatte unter dem Deckmantel der „Freiwilligkeit“ zu passieren, weil sonst die Credit Default Swaps in Höhe von über 70 Milliarden Dollar fällig gestellt worden wären, was die US- Bank of Amerika – wie seinerzeit die Lehman-Bank – sofort in den Abgrund gerissen hätte, denn die BoA hatte sich mit diesen „finanziellen Massenvernichtungswaffen“ (Warren Buffett) reichlichst eingedeckt.

Für die Commerzbank sind die Kosten der „Freiwilligkeit“ gerade mal 750 Millionen Euro, das kann die mit links verkraften, und bei der Deutschen Bank sind es noch weniger.


So sah es im Juli 2011 aus. Nun ist es bei Commerzbank und Deutscher Bank noch weniger, bei der HRE dagegen mehr

– Anders sieht es schon bei der Pleitebank Hypo Real Estate (HRE) aus, die mit 8,8 Milliarden Griechenland-Anleihen gesegnet ist. Aber die gehört ja eh uns, dem Staat, und in die haben wir ohnehin schon 100 Milliarden Euro seit 2008 gepumpt, da kommt es dann auf ein paar mehr Milliarden Euro auch nicht mehr an.

Richtig zu Sache geht es aber bei der EZB, die Schrottanleihen für 169 Milliarden Euro aufgekauft hat.


EZB Frankfiurt (M) Aussen hui, aber innen wenig auf der Kante und viel Schrott im Keller. Screenshots: Dr. v. Paleske

Und die müssen anteilmässig, also zu 1/3 auch wir, jetzt über die Bundesbank dem Steuerzahler aufbrummen, entsprechende Details des Steuer-Raubzugs erarbeiten wir gerade..

Die Banken müssen in Zukunft höher kapitalisiert sein, was wiederum dazu führen könnte, dass weniger Kredite ausgegeben werden, aber auch diese Kapitalspritze wird letztlich der Steuerzahler finanzieren, und das ist auch gut so. Schliesslich handelt es sich um staatstragende, staatserhaltende, kurzum staatsnotwendige Einrichtungen.

– Aber das ist noch nicht alles, wer nämlich geglaubt hatte, dass Griechenland nach dem 50%igen Schuldenschnitt aus der Krise kommt, der irrt. In Wirklichkeit hätten, um Griechenland wirklich zu helfen, alle Schulden gestrichen werden müssen, denn bereits im nächsten Jahr beträgt der Schuldendienst Griechenlands – trotz partiellem Schuldenerlasses – immer noch 120% der Wirtschaftsleistung, also mehr raus als rein.

Das kann natürlich nicht gutgehen.

So nimmt die Arbeitslosigkeit dort rapide zu, die Massenkaufkraft sinkt, der Handel leidet, Investitionen sind nicht in Sicht, und die Wirtschaft befindet sich bald auf der Intensivstation

Griechenland hätte den Euro verlassen müssen, und seine neue/alte Währung, die Drachme, dann abwerten können.

So heisst es aber für Griechenland:

Wer den Euro nicht ehrt, ist den vollen Schuldenerlass nicht wert.

– Ich habe dies dem Träumer Papandreou aber nicht so ins Gesicht gesagt, der hat schon zu Hause mit diesen Randalierern genug Arbeit. Randalierer, die einfach nicht einsehen wollen, dass jetzt Schluss ist mit lustig, die nach dem Verlust ihrer Arbeitsplätze sich ernsthaft überlegen sollten, auszuwandern, z.B. nach Australien.
China kommt ja wegen der dortigen Überbevölkerung nicht in Frage.

Apropos China
Und wo wir gerade beim Thema China sind, der Sarkozy hat während unseres gestrigen Treffens mit dem Chinesen Hu Jintao mehrfach telefoniert.
Dabei hat Chinas Regierung nur eine sehr begrenzte Bereitschaft erkennen lassen, Schrottanleihen aus dem Euroraum zu erwerben.

Diese Schlitzohren haben knallhart im Gegenzug gefordert, dass China bereits heute den Status einer funktionierenden Marktwirtschaft bekommt, was sofort die Handelsbarrieren gegen deren Billigprodukte, die eigentlich erst 2015 fallen sollen, beseitigen würde. Das wiederum würde zu einem Konkurs vieler Betriebe im Euroraum führen wird, die der scharfen Konkurrenz aus China nicht gewachsen sind.

Deutsche, wenn ihr noch Urlaubstage habt, dann nehmt die jetzt, denn das dicke Ende wird nicht lange auf sich warten lassen.
Glückauf und Gute Nacht Deutschland.

Angela Merkel
Bundeskanzlerin

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