Grossbritannien

Gerichtstag in London: Russlands Präsident Putins gegenwärtige und verflossene Freunde kämpfen gegeneinander

Dr. Alexander von Paleske 14.11. 2011 —
In London findet zur Zeit ein Prozess statt, in dem zwei russische Tycoons, beides Milliardäre, gegeneinander antreten. Milliardäre, die aus dem Nichts kamen, und nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion es geschafft hatten, sich – dank politischer Verbindungen – lukrative Staatsbetriebe unter den Nagel zu reissen und damit stinkreich zu werden.

Wer bekommt die Milliarden?
In dem Prozess geht es um nicht weniger als 5 Milliarden britische Pfund.

Einstmals waren die beiden Kampfhähne unzertrennlich, und ergänzten sich hervorragend. Der eine sorgte dafür, dass die Politik, günstig gestimmt, Freundschaften (Druschba) hergestellt wurden, die Raffke- Feldzüge erst ermöglichten bzw. tolerierten.
Der andere organisierte dann deren praktische Durchführung.

Der erste Spitzenpolitiker mit dem man sich gutstellte war der Präsident und Trunkenbold Boris Jelzin.


Beresovski bei Jelzin. Screenshot: Dr. v. Paleske.

Dann dessen Nachfolger Wladimir Putin (lupenreiner Demokrat, Ex Kanzler Gerhard Schröder über seinen Duz-Freund Putin).


Wladimir Putin ….. lupenreiner Demokrat?
Screenshot: Dr. v. Paleske

Es handelt sich um die Herren Roman Abramovich
und Boris Beresowski.


Boris Beresovski (l) und Roman Abramovich (r) ….einstmals dicke Freunde. Screenshot: Dr. v. Paleske

Abramovich kam sozusagen aus dem Nichts, war ein kleiner Ölhändler, als er auf Beresovski , Spross einer Akademikerfamilie, traf, der ihn unter seine Fittiche nahm und dann mit ihm den Plan auskochte: bei der Auktion einer Ölraffinerie plus Ölfirma den Zuschlag zu bekommen. Nicht etwa über ordnungsgemässes Mitbieten, sondern über politische Verbindungen. Die besass Beresovski satt, und machte im weiteren Verlauf auch Abramovich, seinen „Ziehsohn“, mit den neuen Zaren im Kreml bekannt.

Schmieren tut not
In Russland liefen und laufen derartige Geschäfte nur optimal, wenn nach der Devise vorgegangen wurde (wird): „Wer gut schmiert, der gut fährt“..

Abramovich und Beresovski sind mit ihrer Firma Sibneft offenbar durch Schmieren hervorragend gefahren, eigentlich immer im 5. Gang. Jedenfalls solange sie der Politikerkaste, insbesondere Putin, nicht in die Quere kamen, ihm vielmehr mit Rat und Tat, vor allem Geld, zur Seite standen..

Der Auktionsschwindel mit der Ölraffinerie- und firma machte beide reich, steinreich, und so riss man sich noch mehr unter den Nagel.


Unter den Nagel gerissen: Russische Ölraffinerie. Screenshot: Dr. v. Paleske

Durch allerlei Transaktionen gelang es offenbar auch noch, grosse Beträge an der Steuer vorbei und auf ausländische Konten zu transferieren.

Beresovski flog nur noch in Privatjets und Abramovich zahlte gerne für diesen und anderen Luxus.

Diese Symbiose, oder sollte man besser sagen: gegenseitiges Schmarotzertum, und Putin unsichtbar mit dabei, ging bis zum Jahre 2000 gut. Ertragreich für alle Beteiligten.

Wehe wehe, wen ich kritisieren sehe…
Wer sich allerdings nicht an die Putin-Benimm-Regeln hält, es vielmehr wagt, Putin zu kritisieren, oder – noch schlimmer – politisch in Opposition zu ihm zu gehen, den trifft die volle Wucht des Putinschen „privaten Strafgesetzbuchs“..

Nicht nur sein zusammengerafftes ehemaliges Staatsvermögen droht der „Verräter“ zu verlieren, vielmehr warten auf ihn die sehr mittelalterlichen russischen Gefängnisse, in denen vor allem die Tuberkulose grassiert, und ohne Bestechung von Beamten oder Mitgefangenen man dort ein sehr unbequemes und hochgefährliches Dasein fristet.

So geschehen mit Michail Chodorkowski.

Der war einst Besitzer der Firma Yukos, besass die „Frechheit“ gegen Putin politisch anzutreten, und wanderte prompt wegen angeblicher Steuerhinterziehung ins Gefängnis, wobei Teile des Belastungsmaterials angeblich aus einer „Geschenkpackung“ des Putin-Freundes Gerhard Schröder stammten.

Geschnürt worden war die Geschenkpachung angeblich vom deutschen Bundesnachrichtendienst (BND), der Inhalt von einem ehemaligen Angestellten der Deutsche Börse-Tochter Cedel, jetzt Clearstream namens Ernest Backes angeliefert, wir berichteten darüber..

Ein Geschenk, sozusagen vom lupenreinem Demokraten an lupenreinen Demokraten. Wie schön.

Gelegentlich endet aber eine solche Gegnerschaft nicht im Gefängnis, sondern im Jenseits, so geschehen mit Alexander Litvinenko, dem ein radioaktiver Trank gereicht worden war.


Litvinenko kurz vor seinem Tode

So geschehen mit einigen Journalisten z.B. Anna Politkowskaja,


Anna Politkowskaja

und einem Menschenrechtsanwalt, der plötzlich im Gefängnis „verstarb“.

Faible für ein Königreich
Beiden, Abramovich und Beresovski, ist gemeinsam, dass sie ein Faible für das Vereinigte Königreich entwickelten, wo sie sich allerdings zur Zeit nur mit Bodyguards auf die Strasse trauen.

Beiden gemeinsam ist, dass sie ihr zusammengerafftes Vermögen und die daraus resultierenden Einkünfte nach Abzug der Steuern und Bestechungsgelder (Krysha) gerne in Grossbritannien und auf Inseln, wo Briefkastenfirmen zu Hause sind, investierten.

Abramovich kaufte ausserdem den FC Chelsea, britischer Traditions-Fussbalclub, meistens in der 1. Liga des Königreichs anzutreffen, mit Abramovich auf der VIP Tribüne. Zwar versteht dieser Herr kaum ein Wort Englisch, aber das braucht man beim Fussballspiel ja auch nicht. Anfeuern kann man ja notfalls auch auf russisch.

Dann jedoch wagte es Beresowski im Jahre 2000 über seinen TV Kanal ORT den Zaren Putin heftig zu kritisieren, und zwar im Zusammenhang mit den Rettungsbemühungen um das gesunkene russische Atom-Unterseeboot Kursk.

Damit hatte er eine schwere Majestätsbeleidigung begangen, und musste natürlich dafür bestraft werden. Beresowski flüchtete aus Moskau, suchte und fand Unterschlupf im Vereinigten Königreich Grossbritannien.

Abramovich, der weiter mit Putin Freundschaft pflegte, zahlte Beresovski für dessen Anteile an der Ölfirma Sibneft 1,3 Milliarden, angeblich ein Schnäppchenpreis unter Zwang, und stellte fortan alle Zahlungen an Beresovski ein. Das schmerzte Beresowski wiederum und der klagte nun in London gegen Abramovich. Streitwert: schlappe 5 Milliarden Pfund.

Da Abramovich aber in Russland lebt, immer noch dicke mit Putin befreundet, für den er sogar einmal den Gouverneur in der Elch-Provinz Chukotka machte, konnte ihm Beresovski die Klageschrift nicht zustellen – bis er Abramovich eines schönen Tages auf einer Oberschicht-Einkaufsmeile in London per Zufall traf.

Beresovski hatte immer eine Klageschrift bei sich – für den Fall des Falles – und nun, im Kaufhaus Marks und Spencer, war es dann soweit: Zustellung durch Übergabe..

Baron Münchhaiusen als Einflüsterer?
Der Prozess läuft in London, noch für ein paar Wochen, und Baron Münchhausen könnte bei einigen Zeugenaussagen als Einflüsterer glatt daneben gestanden haben.

Als zweiter Beklagter – allerdings nur im Geiste – ist Putin mit dabei, denn es ist das ganze System von Freundschaft (Druschba) und Gefälligkeits-Bestechung (Krysha) das hier sozusagen offengelegt wird. Es geht um mit höchst zweifelhaften Mitteln zusammengerafftes Vermögen, und darum, wem was gehört.

Es handelt sich dabei um Reichtümer Russlands, die eigentlich dem Russischen Volk gehören, bzw. deren Einküfte ihm zugute kommen sollten, vor allem handelt es sich um Erdöl und Gas, die aber nun nur einer Handvoll von Glücksrittern zur Finanzierung ihres High Life dienen.

Der deutsche Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder selbst konnte dem Angebot Putins nicht widerstehen, Teil seines Netztwerkes zu werden – bei Gazprom, eine Firma die mittlerweile Sibneft dem Abramovich abkaufte, für 13 Milliarden US Dollar .

Schön für den ehemaligen Bundeskanzler, schliesslich ist doch nichts dabei, bei einem lupenreinen Demokraten ein warmes Plätzchen zu finden..

Ja, es lohnt sich, mit Wladimir Putin sich gutzustellen. Sicher nicht unbedingt moralisch, aber finanziell allemal.

Na denn Prost – oder wie es auf Russisch heisst: Na sdarowje.

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