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Ist Michael Naumann, Chefredakteur des „Cicero“, durchgeknallt?

Dr. Alexander von Paleske — 17.12. 2011 —

– Er war Mit-Herausgeber der Wochenzeitung „Die ZEIT“.

– Er wollte für die SPD Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg werden – und scheiterte gegen den CDU-Mann Ole von Beust

– Er war Kulturstaatssekretär im Kabinett Schröder und wurde Chefredakteur des Magazins Cicero

– Er bezeichnete in einer Talkshow den damaligen Generalstaatsanwalt von Berlin, Dr. Hansjürgen Karge, als durchgeknallt, nachdem die Berliner Staatsanwaltschaft die Wohnung des Michel Friedman durchsuchen liess, ein Medienstar der später wegen Drogenkonsums rechtskräftig verurteilt wurde. Eine Entgleisung, für die Naumann bis heute m.W. sich zu entschuldigen nicht für nötig befand..


Michael Naumann …durchgeknallter Chefredakteur?

Naumann und die Darlehenskrise
Nun hat dieser Chefredakteur in einem Artikel mit der Überschrift „Die Empörung über Wulff ist anmassend“ sich zu den Vorwürfen gegen den Bundespräsidenten Christian Wulff in der Darlehensaffäre geäussert.

Eine Affäre, die auch nach der Entschuldigung Wulffs offenbar keineswegs ausgestanden ist, weil, wie sich nun herausstellt, das Darlehen offenbar in Wirklichkeit von seinem Freund Egon „Bubi“ Geerkens stammte, der auch die Verhandlungen führte, angeblich nicht aber, wie Wulff immer wieder behauptete, von dessen Frau, die offenbar nur als Strohmann – besser als Strohfrau – dienen sollte, wie der SPIEGEL herausfand.

Auf den Kopf gestellt
In seinem Artikel kritisiert Naumann nicht etwa Wulff, sondern rechtfertigt stattdessen sein Verhalten, und gleich auch noch die Bedienungsmentalität anderer Politiker, indem er die Problematik völlig auf den Kopf stellt.

Wörtlich heisst es in dem Artikel:

„Wie also stellen wir uns den Idealpolitiker vor? Als bescheidenen Besitzer eines Campingwagens mit Primuskocher, als Wasser trinkenden Asketen, der noch jedes geschenkte Buch, das mehr als 50 Euro kostet, dem Bundesverwaltungsamt meldet?“

Und weiter:

„Das neidgetriebene Vergnügen, mit dem wir pensionierten Politikern ihre Renten vorenthalten….
Dies alles addiert sich zu dem Populismus, dessen eigentliche Gartifikation darin besteht, sich moralisch besser zu fühlen, als die da oben.“

Diesem Journalisten, der kaum das Prädikat eines Qualitätsjournalisten mit diesem Artikel sich verdient hat, ist ganz offensichtlich gar nicht klar, dass es hier schon längst nicht mehr alleine um einen Freundschaftsdienst geht, und nicht nur um den Anfangsverdacht eines strafbaren Verhaltens, sondern gerade auch darum, ob Wulff seinerzeit das niedersächsische Parlament wissentlich und damit absichtlich belogen hat.

Das wäre dann in der Tat ein hinreichender Grund, den sofortigen Rücktritt zu fordern.

Lügner oder nicht, das ist hier die Frage
Wer die Volksvertretung belügt kann und darf nicht Präsident eines demokratischen Staates werden, oder bleiben.

Mehr noch: Dieser Präsident wird in seinen Sonntagsreden nicht müde zu betonen, Politiker müssten die Wahrheit sagen.

Er müsste sich daher unter diesen Umständen auch noch den Vorwurf der puren Heuchelei gefallen lassen, mit der Folge, dass, was immer er zu sagen hat, nicht mehr ernst genommen würde.

Ausserdem: Die Vorgehensweise und der Lebensstil des damaligen Ministerpräsidenten Wulff lassen den Verdacht aufkommen, dieser Herr predigt Wasser und trinkt Spitzenweine.

Er kürzte seinerzeit massiv im Sozialbereich und schreckte auch nicht davor zurück, selbst die Blindenhilfe zu streichen, aber er selbst liess es sich wohlergehen.

Weiter: Wulff liess die nötige Distanz zu dem umstrittenen Carsten Maschmeyer, aber auch den Geerkens vermissen, ohne diese Distanz sich ein Politiker aber politisch angreifbar macht.

Eichel salviert
Was dieser Naumann als „neidgetriebenes Vergnügen, wie den Politikern Pensionen vorenthalten werden“ bezeichnet, bezieht sich offenbar auf das unverschämte Pensionsbegehren des einstigen Ministerpräsidenten von Hessen und späteren Finanzministers Hans Eichel, der fast das Doppelte von dem forderte was ihm rechtlich zustand, und deshalb höchstinstanzlich beim Bundesverwaltungsgericht abblitzte.

Dieser Eichel, der sich gerne „Sparkommissar“ nennen liess, ist also erneut ein Politiker, der herzlich gerne Wasser predigte, selbst aber Wein trinken wollte.

Dies alles hat nun überhaupt nichts mit „neidgetriebenem Vergnügen der da unten“ zu tun, und es wird auch nicht von den Politikern verlangt, mit Gaskochern und Campingwagen unterwegs zu sein. Es bedeutet vielmehr schlichtweg, dass wir von den Politikern nichts anderes verlangen, als das, was wir von uns selbst fordern: Mit dem Einkommen auszukommen, das ja nun, gemessen am Durchschnittseinkommen der Bevölkerung, nicht allzu knapp bemessen ist.

Ausserdem etwas, was die Politiker zwar ständig predigen, aber von ihnen selbst oftmals nur sehr schwer zu bekommen ist: Ehrlichkeit und Anstand.

Nein, der Artikel des Herrn Ex-Kulturstaatssekretärs und Ex-ZEIT-Herausgebers Naumann ist nichts anderes als ein erbärmliches Stück Journalismus. Ein Artikel, der in der Tat die Frage herausfordert: Ist dieser Herr durchgeknallt oder gar zum Zyniker geworden?

Zu Ex-Generalstaatsanwalt Dr. Karge:
Justiz in der Krise oder Krisenjustiz?

Satire zu Wulffs Darlehen
Bundespräsident Wulff: Deutschland ist (noch) keine Bananenrepublik

Zu Hans Eichel und seinem rechtswidrigen Pensionsbegehren
Hans Eichel schreibt an das Bundesverwaltungsgericht: „Pensionserhöhung mehr als gerechtfertigt“

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