afrika

Bitterer Kakao oder: Wieviel Kinderarbeit steckt in der süssen Schokolade?

Dr. Alexander von Paleske — 20.12. 2011 —
Weihnachtszeit ist Schokoladenzeit. Weihnachtsmänner aus Schokolade, Printen, Lebkuchen und Dominosteine mit Schokoladenüberzug, alles was das Weihnachtsfest so herrlich süss macht.

Sollte bitter aufstossen
Aber Schokolade sollte eigentlich bitter aufstossen wenn realisiert wird, welchen Weg sie zu ihrer Herstellung genommen hat: An ihr klebt nicht nur der Schweiss von unterbezahlten Farmarbeitern, sondern gerade auch der Schweiss von Kindern

Kinder, die statt zur Schule zu gehen und mit Gleichaltrigen zu spielen, die Arbeit von Erwachsenen verrichten müssen, und unter sklaven-ähnlichen Bedingungen gehalten werden.


Kinderarbeit auf einer Kakaoplantage. Screenshots: Dr. v. Paleske

Kakao ist Rohstoff für Schokolade. Haupterzeuger (34%) ist das westafrikanische Land Elfenbeinküste.


Elfenbeinküste

Ein Land, in dem bis vor kurzem noch der Bürgerkrieg tobte, dessen unterlegener Präsidentschaftskandidat Gbagbo mittlerweile vor dem internationalen Gerichtshof in den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt ist.

Aber auch mit dem neuen Präsidenten Alassane Ouattara wird sich voraussichtlich an den Bedingungen nichts ändern, unter denen der Kakao angebaut und geerntet wird: Mit jeder Menge Kinderarbeit. Kinder, die bestenfalls einen Hungerlohn – wenn überhaupt -bekommen, und die ansonsten keine andere Überlebenschance haben.


Gesundheitsgefährdende Kinderarbeit: Versprühen von Pestiziden auf einer Kakaoplantage. Screenshot: Dr. v. Paleske

Dumpingpreise werden als Lohndumping weitergereicht – zu den Kindern
Die Farmer können umgekehrt nur mit allerniedrigsten Herstellungskosten ihre Ware loswerden, planen können sie wegen der schwankenden Weltmarktpreise ohnehin nicht.

Wenn die geernteten Kakaobohnen schliesslich nach einer langen Transportfahrt vom Innern des Landes in Abidjan zur Verladung auf die Transportschiffe ankommen, dann haben bereits Mittelsmänner, aber auch korrupte Polizisten, die an zahlreichen Strassensperren Gebühren erheben, daran verdient.


Kakaotransport…..von einer Strassensperre zur nächsten
Screenshot: Dr. v. Paleske


Containerverladung in Abidjan

Selbst dann, wenn der Kakaopreis steigt, kommt letztlich immer nur ein Bruchteil davon bei den Kakaofarmern an.

Lange Zeit war ausserdem der Welt-Kakaopreis im Keller, für die Schokoladenhersteller jedenfalls kein Nachteil.

Tatenlos zugesehen
Und lange Zeit haben Konzerne wie Kraft und Nestle, die Grosshersteller von Schokolade, diesem Treiben auf den Farmen mehr oder weniger tatenlos zugeschaut, wohl wissend, unter welchen Bedingungen der Rohstoff Kakao produziert wird.


Nestle-Zentrale in der Schweiz …..lange tatenlos zugeschaut. Screenshot: Dr. v. Paleske

Lässt sich dieser Teufelskreis durchbrechen? Durch faire Preise auf dem Rohstoffmarkt sicherlich. Derartige faire Preise kommen aber nicht von selbst, sie müssen durchgesetzt werden, was langfristig wohl nur in der Weise geht, dass die Erzeugerländer gemeinsam sich auf einen Verkaufspreis einigen, und so von den Schwankungen auf dem Weltmarkt, die oftmals noch von Spekulanten befeuert werden, unabhängig werden

Also ein Erzeugerkartell bilden, und so die Erzeugerländer nicht mehr gegeneinander ausgespielt werden können.

Parallel dazu muss die Korruption in den jeweiligen Erzeugerländern selbst bekämpft und ein Verbot der Kinderarbeit durchgesetzt werden.

Begrenzt wirksam wäre auch ein Konsumerboykott, durch den Konzerne gezwungen würden, die Einhaltung bestimmter Mindeststandards bei den Produzenten sicherzustellen, wozu auch ein Verbot der Kinderarbeit gehören würde.


Wie lange noch?

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