SATIRE

Präsident Christian Graf Schnorr von Wulff zu Münchhausen: Jetzt kläre ich alles auf

Dr. Alexander von Paleske — 15.1. 2012 —- Folgende Mail landete heute in meiner Mailbox:

Christian Graf Schnorr von Wulff zu Münchhausen
Bundespräsident
Schloss Schöne Aussicht
Berlin

Guten Abend Deutschland,
nachdem die Bundeskanzlerin Angela Merkel mich heute erneut aufgefordert hat, volle Aufklärung zu leisten – eine Zumutung besonderer Art – will ich jetzt in wohldosierter Form dieser Aufklärungsaufforderung – wie üblich teilweise jedenfalls – nachkommen.

Zunächst einmal will ich aber nicht verhehlen, dass ich nach wie vor der Überzeugung bin, dass diese Merkel letztlich hinter der verleumderischen Kampagne gegen mich steckt, die vom Springer Verlag und seinem Kettenhund „BILD“ losgetreten wurde.

Wenn diese Angela hinter mir gestanden hätte, wie ein Mann, und zwar von Anfang an, als dieses Revolverblatt BILD anfing, verleumderisch gegen mich zu recherchieren, dann hätte sie über ihreFreundin Elfriede Schalom dafür gesorgt, dass der BILD-Kai (Diekmann) und seine Mannen ihre Schnüffelei einstellen. Angela und Elfriede telefonieren ja fast jeden Tag miteinander.

Der Grund für dieses „mich im Regen Stehenlassen“ ist auch ganz einfach: ich hatte der Angela signalisiert, einige der von ihr geplanten Gesetzesvorhaben im Zusammenhang mit der Eurokrise würden nicht problemlos über meinen Schreibtisch laufen, ich sie vielmehr blockieren würde, worauf diese Dame dann eine Art Tobsuchtsanfall bekam, und offenbar auf die Idee verfiel, mir die Daumenschrauben anzuziehen. Dann muss sie zusammen mit Elfriede Schalom diese Schein-Enthüllungsgeschichte ausgeheckt und dem BILD-Kai das Signal auf Grün gestellt haben. Eine erbärmliche politische Intrige.

Und nun zu den Einzelheiten
Stichwort Upgrading aus der Holzklasse auf einem Urlaubs-Rückflug aus den USA:
Es ist doch selbstverständlich, dass ich als Ministerpräsident Niedersachsens nicht mit dem gemeinen Volk in der Holzklasse reise – auch im Urlaub nicht – sondern dass die Lufthansa von sich aus, mit einiger Nachhilfe meinerseits, mich dann upgegradet hat. Schliesslich habe ich auch während meiner Urlaubsreise immer dienstliche Papiere mit dabei, die das Touristenklasse-Volk nicht zu Gesicht bekommen sollte.

Insofern kam es hier auf die die Bonusmeilen überhaupt nicht an.

Dann die Buch-Unterstützungskampagne:
Da das Buch „Besser die Wahrheit“ leider auf wenig Resonanz stiess – ganz zu Unrecht – habe ich einige Freunde um Anschubhilfe gebeten.

Insbesondere habe ich natürlich auch an Hartz-IV-Empfänger gedacht, die dieses hochinformative Buch sich nicht hätten leisten können. Insofern handelt es sich um einen Akt sozialer Hilfe zugunsten von Geringverdienern. Der Vorteil lag einzig und allein in der politischen Aufklärung, die ich ja weitergab, also einer Vorteilsweggabe, und nicht einer Vorteilsannahme.

Schliesslich die Präsidentensuite im Hotel Bayerischer Hof in München und die Einladung ins Maikäferzelt zum freien Ess- und Trinkgelage auf dem Oktoberfest.

Ich war Ministerpräsident, also hatte ich selbstverständlich Anspruch auf die Präsidentensuite, die ja für Präsidenten vorgesehen ist, und Einladungen zum freien Essen und Trinken schlage ich grundsätzlich nicht aus.

Ich verstehe gar nicht, wo das Problem hier liegen sollte, genau so wie es selbstverständlich war, dass ich auf meine dienstlichen Auslandsreisen mehrfach ein paar gute Freunde eingeladen habe, und nicht nur strikt Teilnehmer für eine Wirtschaftsdelegation. Schliesslich wollte ich mich für geleistete Freunschaftsdienste erkenntlich zeigen und ausserdem bei solchen Auslandsreisen auch gut unterhalten werden.

So, damit habe ich alle relevanten Fragen erschöpfend beantwortet.
Ein Rücktritt meinerseits kommt deshalb überhaupt nicht in Frage.

Gute Nacht Deutschland!

Christian Graf Schnorr von Wulff zu Münchhausen
Bundespräsident

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