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Simbabwe: Ein ungeklärter Tod und Wahlkampfvorbereitungen

Dr. Alexander von Paleske — 30.1. 2012 — Am 15.8. 2011 starb der ehemalige Chef der simbabweschen Befreiungsarmee ZANLA und spätere Armeechef Simbabwes, Solomon Mujuru. Wir berichteten ausführlich darüber.


Solomon Mujuru

Die sterblichen Überreste wurden in verkohltem Zustand in seinem abgebrannten Farmhaus gefunden.

Fragen über Fragen
Schon die Umstände seines Todes warfen Fragen auf:

Wie konnte dieser trainierte Mann in einem Feuer sterben,

– wenn sämtliche Fenster und alle Türen des Hauses offenstanden

– wenn das gesamte Gelände und der Eingang zu der Farm von der Polizei durchgehend bewacht wurden

Handelte es sich nicht vielmehr um eine absichtliche Tötung mit anschliessender Brandtiftung um Spuren zu verwischen?

Todesermittlungsverfahren soll Klarheit schaffen
Dafür sprechen in der Tat eine ganze Reihe von Umständen, die jetzt in einem Todesermittlungsverfahren vor dem Amtsgericht in der Hauptstadt Simbabwes, Harare, zutage kamen.

Ein Todesermittlungsverfahren, das von der Witwe und Vizepräsidentin Simbabwes, Joice Mujuru, und der Familie des verstorbenen Armeegenerals initiiert wurde.


Solomon Mujuru mit seiner Frau, der Vizepräsidentin Joice Mujuru

Brandstiftung hielt bei der Befragung der Brandexperte der Feuerwehr für sehr wahrscheinlich und schloss einen elektrischen Kurzschluss als Brandursache kategorisch aus.

Mehr noch:, Die Autopsie der stark verkohlten Leiche deute nicht auf einen Erstickungstod durch Rauch hin.

Verschwörung?
Das hat Verschwörungstheorien wieder Auftrieb gegeben, es handele sich nicht um einen Unglücksfall, sondern um eine gezielte Tötung.


NewsDay Zimbabwe, 31.1. 2012

Auch die „Schuldigen“ sind bereits ausgemacht: Die konkurrierende ZANU-PF Fraktion im Kampf um die Nachfolge des Präsidenten Robert Mugabe, angeführt vom Verteidigungsminister Emmerson Mnangagwa, und dessen Anhänger.

Ob der Tod Mujurus, so er denn kein Unglücksfall war, der Mnangagwa-Fraktion letztlich zur Last gelegt werden kann oder nicht, wird wohl – wenn je – erst zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt aufgeklärt werden können, nicht aber in dem noch nicht abgeschlossenen Todesermittlungsverfahren.

Der Hintergrund:
Solomon Mujuri war nicht nur weit über die Parteigrenzen der ZANU / PF- Partei Robert Mugabes geachtet, er blieb auch nach seinem Rückzug aus der Armee ausserordentlich einflussreich.

Nicht zuletzt war er es, der dafür sorgte, dass seine von ihm getrennt lebende Ehefrau Joice Mujuru Vizepräsidentin wurde und damit – jedenfalls bis zu seinem Tod – aussichtsreichste Kandidatin für die Nachfolge Mugabes, so der dann 88-jährige Präsident denn die die Wahlen gewinnen sollte.

Aber auch mit Morgan Tsvangirai, dem Chef der in Opposition zur ZANU / PF stehenden Partei Movement for Democratic Change (MDC), disputierte der ehemalige Armeegeneral.

Mehr noch: Mujuru war strikt gegen Gewaltanwendung bei den wohl im Juli diesen Jahres stattfindenden Parlaments- und Präsidentschaftswahlen.

Unrühmliche Vergangenheit
Verteidigungsminister Mnangagwa war seinerzeit tief verstrickt in den Genozid im Matabeleland kurz nach der Unabhängigkeit Anfang der 80er Jahre, der rund 20.000 Menschen das Leben kostete.

Mit zu dieser Mnangagwa-Fraktion gehören unter anderen der Chef-Propagandist und Gross-Opportunist Jonathan Moyo, der sich auch den Spitznamen Goebbels-Moyo redlich verdient hatte.

Ebenfalls dazu gehört der Armeechef Constantine Chiwenga, und der Chef der Polizei, Augustine Chihuri, die, abgesehen von Moyo, den Terrorwahlkampf der Zanu / PF in der Präsidentschaftsstichwahl 2008 initiierten und koordinierten.

Diese Herrschaften und deren Anhänger wissen natürlich genau, dass unter normalen Umständen die ZANU / PF bestenfalls geringe Aussichten hat, den Wahlkampf gegen die MDC und andere Parteien zu gewinnen.

Damit wäre aber nicht nur deren Abtritt von der politischen Bühne besiegelt, sondern neben drohenden Strafverfahren auch der Verlust ihrer mittlerweile zusammengerafften Reichtümer.

Drei Gründe also, in den kommenden Wahlen einen Kampf bis aufs Messer gegen die Opposition zu führen.

Der Wahlkampf hat schon begonnen
Dieser Kampf hat bereits begonnen.
75% der Bevölkerung Simbabwes lebt in ländlichen Gebieten. Und dort sind, wie weiland während der Präsidentschaftsstichwahl 2008, die „Wahlhelfer“ der ZANU / PF aufgetaucht, die jede Woche zu „politischer Erziehung“ einladen.

Wer dieser Einladung nicht Folge leistet, der läuft Gefahr, für diese „Schulschwänzung“ bestraft zu werden.

Zweierlei Formen der Bestrafung schälen sich heraus:

– Hilfslieferungen von Nahrungsmitteln, Saatgut und Kunstdünger nur an ZANU / PF Gefolgsleute.

– Körperliche Strafen wie Verprügeln

Parallel dazu laufen Strafverfahren gegen den MDC-Premier Morgan Tsvangirai, der angeblich sich an Staatsgeldern bedient hat, die für einen Residenz-Kauf bereitgestellt waren, aus Versehen aber zwei Mal, – wobei er die zweite Tranche in die eigene Tasche gesteckt haben soll – das behauptet jedenfalls die Staatsanwaltschaft.

Damit hängt ein Damoklesschwert über ihm, das jederzeit mit seiner Verhaftung enden kann.

Dann die Kampagne gegen den ausserordentlich populären MDC-Finanzminister Tendai Biti, der für die bescheidene Erholung der Wirtschaft verantwortlich zeichnet. Er ist natürlich ein besonderer Dorn im Auge der ZANU / PF.

Anders als bei Morgan Tsvangirai sind die Vorwürfe gegen Tendai Biti wegen angeblicher Unterschlagung und finanzieller Begünstigung von Parteifreunden offenbar an den Haaren herbeigezogen.

Simbabwe dürfte wieder einmal unruhigen Zeiten entgegengehen.

link Simbabwe: Tod des ehemaligen Armeechefs Solomon Mujuru
link Simbabwe: Beerdigung von Solomon Mujuru – auch Beerdigung der politischen Gewalt?

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