SATIRE

Ansprache des neuen Präsidenten Gauck: Ich bin der richtige Mann (zur falschen Zeit)

Dr. Alexander von Paleske —19.3. 2012 — Folgende Mail landete heute in meiner Mailbox:

Joachim Gauck
Bundespräsident
Schloss Schöne Aussicht
Berlin

Liebe Deutsche Volksgemeinschaft,

gestern wurde ich mit einem phantastischen Ergebnis zum Präsidenten gewählt. Ich bin richtig stolz darauf, jetzt der erste Bürger im Staate zu sein.

Bürger wurde ich ja erst mit dem Ende der „DDR“, vorher war ich bestenfalls ein Unterdrückter ohne Ausstrahlungskraft.


Richtig kennenlernen

Allerdings viele, die mich gestern gewählt haben, werden mich jetzt erst so richtig kennenlernen, obwohl sie mich bereits aus meinen früher gemachten tiefschürfenden Stellungnahmen kennen sollten.

Dieser SPD-Gabriel verstieg sich gar noch zu der Behauptung,

Gaucks Amtszeit ist zunächst „eine Chance….eine Zeitenwende gibt es auch. Das Zeitalter des Neoliberalismus, der absoluten Freiheit der Märkte, ist zu Ende.“

Papperlapapp!

Dann hat er mir auch noch diesen Willy Brandt-Schinken geschenkt: Links und frei.

Ich habe nichts weiter dazu gesagt, aber am liebsten hätte ich die Annahme dieses Geschenks abgelehnt. Schon der Titel ist ein Widerspruch in sich: Links ist nicht frei sondern unfrei.

Im übrigen war Brandt’s Ostpolitik nichts anderes als ein widerwärtiges Appeasement-Theater, wie ich mehrfach bereits nachgeweisen habe.

Aber insbesondere diese Grünen, und einige Herrschaften in der SPD, die immer noch ganz freudetrunken über ihren (Schein-)Wahlerfolg sind, haben diese meine Ergüsse entweder nicht zur Kenntnis nehmen wollen, oder bilden sich ein, ich könnte mich noch in ihre Richtung bewegen. Da werden die sich gewaltig täuschen: ich bewege mich ganz und gar nicht. Gauck bleibt Gauck.

Abstossender Handelsblatt-Artikel
Besonders geärgert hat mich heute beim Betreten des Schlosses Schöne Aussicht ein Artikel im Handelsblatt, der mir gleich am Eingang überreicht wurde:

„Warum Gauck der falsche Präsident ist“

So eine Unverschämtheit, und das noch von Tintenkulis, die mir als hochintellektuellem Vertreter einer (neo)liberalen Linie besonders nahe stehen sollten. Aber nein!

Ich werde in den nächsten Zeilen etwas die „Katze aus dem Sack lassen“, ein wenig über meine Zielvorstellungen schwadronieren, wohin das Deutsche Vaterland unter meiner weisen Anleitung in Zukunft treiben soll.

Im Zentrum des Denkens: neoliberaer Freiheitsbegriff
Wie ich im meiner kurzen Ansprache gestern nach der Wahl erklärte, wird der (neoliberale) Freiheitsbegriff im Zentrum meines Denkens, Predigens und Handelns stehen.

Ich werde der deutschen Volksgemeinschaft klarmachen, dass sie mit ihrer Freiheit bisher viel zu wenig anzufangen wusste.
Mehr noch: dass diese ständige Unzufriedenheit, dieses ständige Nörgeln, über die angeblichen Fehler das Politiker der nicht-Linken-Parteien, ein sofortiges Ende finden muss.

Freiheit ist in meiner Vorstellungswelt die Freiheit das zu tun, was uns verantwortungsvolle Banker, Konzernchefs und Politiker im Mitte-bis rechten Spektrum vorschreiben, äh, ich meine nahelegen..

Im persönlichen Bereich bedeutet Freiheit: verantwortungsvoll zu handeln, indem diese von den genannten Verantwortungsträgern vorgegebene Linie strikt befolgt wird.

Das gilt nicht nur, aber insbesondere für Hartz IV Empfänger, die zufrieden sein sollten, dass sie – ohne Arbeit zu leisten – vom Staat alimentiert werden.
Die sollten aus der Freiheit schöpfend verantwortungsvolle Entscheidungen treffen: wieder zu arbeiten, ganz gleich ob Arbeitsplätze vorhanden sind, oder nicht.

Ansehen der Politiker muss steigen
Ich persönlich werde mich dafür einsetzen, dass die Politiker in der Volksgemeinschaft wieder respektiert werden, ganz gleichgültig, welche Interessen sie verfolgen und welche Fehler sie begehen. Die Politiker müssen mindestens das gleiche Ansehen geniessen, wie die Pfaffen (soweit sie nicht des sexuellen Missbrauchs überführt sind, oder dem Trunke erlegen Auto fahren).

Und ich persönlich stehe dafür, dass auch ein Pfaffe nicht zu schade ist, sich in die Niederungen der Politik zu begeben.

Statt einen detaillierten Programmentwurf und Zukunftsplan stelle ich meine hochpolitischen und tiefschürfenden Stellungnahmen vor, die deutlich genug zeigen, wo in Zukunft mit mir der Freiheits-Hase langläuft

Am 12. Juni 2010 im Berliner „Tagesspiegel am Sonntag:

Wer aus dieser Krise die Schlussfolgerung zieht, dass die Wirtschaft eine Art strengere Zähmung braucht, dem widerspreche ich. Ich wäre immer dagegen, einen Staatsdirigismus zu schaffen, der ein Primat der Politik über die Wirtschaft schafft.“

Am 16.10.2011 in der „Zeit“-Matinee zur Finanzmarkt-Debatte und zur Protestbewegung „Occupy:

Das wird schnell verebben. (…) Unsäglich albern.“

Am 7.11.2011 in der 3sat-Sendung „Kulturzeit“

Das Wort albern ist aufgetaucht in einem etwa zweistündigen Gespräch. Da gab es auch viele Äußerungen dazu, dass ich protestierende Bürger toll finde. (…) Ich mag Menschen, die sich von den Zuschauerrängen weg auf die Handlungsebene begeben. Dann gibt es aber Elemente, die ich als albern bezeichnet habe: Besetzt die EZB! (…) Was ist der politische Sinn darin? Ich kann keinen erkennen.“

Am 25.6.2010 über mein Amtsverständnis (erster Anlauf zum Schloss Bellevue):

Ich würde in der Tradition all derjenigen Bundespräsidenten stehen, die sich gehütet haben, die Politik der Bundesregierungen zu zensieren. Mancher wünscht sich ja einen Bundespräsidenten wie einen Kaiser, als letzte Instanz über allem – das darf er nicht sein.“

Am 10.10.2010 bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an den israelischen Schriftsteller David Grossmann:

Denn als Bürger der DDR haben ich und viele andere Menschen im ganzen Osten Europas Ohnmacht erlebt und trotz Ohnmacht Ähnliches geschafft: Es gibt ein wahres Leben im falschen.“

Am 8. November 2009, im Gespräch mit dpa zur Linkspartei:

Ich bin empört über politische Nostalgie, weil sie die harten Tatsachen der Diktatur ständig ausblendet.“

Am 1.10.2010 in der „Süddeutschen Zeitung“:

Er (Thilo Sarrazin) ist mutig und er ist natürlich auch einer, der mit der Öffentlichkeit sein Spiel macht, aber das gehört dazu. (…) Mein Eindruck ist, dass der Herr Sarrazin nicht ein Problem erfunden hat.“

Besser in andere Zeit gepasst
Eigentlich hätte ich natürlich mit meiner neoliberalen Haltung viel besser in das vorherige Jahrhundert gepasst. Damals hätte ich auch nicht so viel dümmliche Kritik für meine Thesen zu erwarten brauchen.

Aber ich bin überzeugt davon, wie sehr nutzbringend ich meine neoliberale Sauce über den Senf der Politiker und Spekulationshaie kippen kann, so dass er nicht mehr so scharf der Deutschen Volksgemeinschaft aufstösst.

Hier mein Lieblingssong der letzten Wochen – ich bin ja auch sehr musikalisch:

Verantwortung schöner Freiheitsfunke

Tochter aus dem Hause Gauck

Ich betrete siegestrunken

Schloss Bellevue im Adrenalin-Kick

Gespannt warten Bewunderer und Freunde schon

Auf Neoliberales vom Präsidententhron

Ich sage jetzt erst einmal:

Gute Nacht Deutschland

Joachim Gauck
Bundespräsident

NACHTRAG 20.3. 2012
ich möchte an dieser Stelle mich noch einmal ganz, ganz herzlich für die unermüdliche Unterstützung des BILD-(Fäkalworte)Star-Kolumnisten Franz Josef Post von Wagner bedanken.


Franz Josef Post von Wagner…… „Ich bin Deutschland“

Im jüngsten tiefschürfenden Beitrag schrieb er:

Alt, jung. Wir haben einen Präsidenten, der mit seiner Freundin in Bellevue einzieht. Endlich ein Mann, der zu seiner Freundin steht. Geliebte werden ja meistens im Dunkeln gehalten.

…und kurz vor meiner Wahl

Sie sind unser elfter Bundespräsident. Gott sei Dank, ich kann die Geschwätzigen in den Talkshows und Zeitungen nicht mehr hören und lesen….Joachim Gauck ist der Sohn des gleichnamigen Kapitäns Joachim Gauck. Die Gaucks sind eine Seefahrerfamilie.

Dass Kapitän Gauck, mein Vater, ein glühender Nazi war, hat er zum Glück weggelassen. Danke.

J.G.

Mehr vom selbstlosen Gauck-Promoter Franz Josef Post von Wagner hier.

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