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Waffenhändler Viktor Bout zu 25 Jahren verurteilt – Sanjivan Ruprah weiter auf freiem Fuss

Dr. Alexander von Paleske — 7.4. 2012 —
Der russische Waffenhändler Viktor Bout wurde vorgestern von einem US-Gericht zu einer Freiheitsstrafe von 25 Jahren verurteilt.


Viktor Bout – Screenshot: Dr. v. Paleske

Angeklagt war Bout wegen des Verkaufs eines umfangreichen Waffenarsenals an die linksgerichteten FARC- Guerillas in Kolumbien.

Bout erhielt zudem in drei weiteren Anklagepunkten jeweils 15 Jahre Haft. Bouts Anwalt kündigte an, das Urteil anfechten zu wollen.

Kein Verfahren wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit
Die schweren Verbrechen Bouts waren aber nicht in Kolumbien, im „Hinterhof“ der USA, begangen worden, sondern im Wesentlichen in Afrika, und die ohnehin vor den internationalen Gerichtshof gehört hätten, aber das wollten die USA unter allen Umständen verhindern. Denn vor dem internationalen Gerichtshof wäre noch wesentlich mehr zur Sprache gekommen: z.B. dass die USA eng mit Viktor Bout bei den Nachschublieferungen in den Irak und Afghanistan zusammengearbeitet hatten, während Bout gleichzeitig die Bürgerkriege, vor allem in Zentral- und Westafrika, am Laufen hielt.

Ein Blick zurück
Nach dem Zerfall der Sowjetunion begann Viktor Bout seine Transportgeschäfte von Ostende aus. Er versorgte die belgischen UN-Truppen in Somalia. Nachdem dieses Geschäft mit dem Ende des UN-Einsatzes vorbei war, versorgte er die Regierung Burhanuddin Rabbani in Afghanistan mit Waffen.

Nachdem dieser von den Taliban verjagt worden war, wurde Bout deren Waffenlieferant und natürlich auch für Al Qaida.
Er lieferte nicht nur Waffen, sondern organisierte von seiner neuen Basis Sharjah in den Vereinigten Arabischen Emiraten regelmäßige Charterflüge für Terror-Touristen nach Afghanistan.

Mit dem Einmarsch der USA und ihrer Verbündeten in den Irak und Afghanistan eröffneten sich für Bout sogleich neue Geschäftsfelder: Die Kunden wechselten, aber er blieb im Geschäft..
Seine Flotte von 50 klapprigen russischen Flugzeugen, die dort landen und starten konnten, wo es mit anderen Maschinen zu Bruchlandungen gekommen wäre, operierte unter Liniennamen wie Air Bas, Air Moldavia, Air Pass, Centafrican, Ducor World Airlines, Regional International Air Services, Transmoldavia, Air Moldavia,Cargo Airlifts, Air Cess, British Gulf, San Air, Aerocom und andere.

Bis zum Ende 2004 wickelte er mit seinem Transportunternehmen etwa 1000 Flüge ab – gegen Bares aus dem US Staatssäckel versteht sich.
Verständlich, dass dies alles in dem Prozess in den USA nicht zur Sprache kam.

Bout und die Globalisierung
Aber Bout war, wie es sich für einen modernen Geschäftsmann gehört, global tätig und sein Hauptgeschäftsgebiet war Afrika mit seinen vielen Konflikten. Seine Hauptkunden in den 90er Jahren waren Charles Taylor in Liberia und Jonas Savimbi (Unita) in Angola.
Die an Charles Taylor gelieferten Waffen wurden an die Kindersoldaten in Sierra Leone weitergereicht, die unfassbare Verbrechen begingen: Neben dem Morden und Vergewaltigungen von Zivilisten auch das Abhacken von Armen oder Beinen. Aber die Liste seiner Kunden ist länger. Details siehe hier.

Waffen- Lieferungen wie beim Versandhandel
Bouts Geschäftsgeheimnis war es, alles nur Vorstellbare zu liefern. Vom Helikopter bis zum Maschinengewehr vor die Haustür, kein Wunsch blieb offen, ähnlich wie beim Versandhandel. Wofür andere Waffenhändler Monate brauchten, erledigte der ehemalige KGB-Offizier dank seiner KGB- Kontakte und Luftflotte in maximal zwei Wochen. Er war sozusagen der „all inclusive man“. Dafür nahm er nicht nur Bares, sondern auch Diamanten, die er dann wieder über sein Netzwerk losschlagen konnte.

Neben den alten KGB-Kontakten waren es auch die Waffenarsenale des ehemaligen Warschauer Paktes, die ihm hilfreich zur Seite standen

Sanjivan Ruprah, Bouts rechte Hand
Viktor Bouts rechte Hand war ein Kenianer namens Sanjivan Ruprah. Der organisierte nicht nur helfend den Waffenhandel, sondern schlug auch Diamanten los, die Bout als Bezahlung für seine Waffen bekommen hatte.


Sanjivan Ruprah

Aber Ruprah war vielseitiger: Er leitete auch die Firma Branch Energy in Kenia, die dem einstigen Obersöldner Tony Buckingham gehörte, jetzt Chef der britisch- kanadischen Ölfirma Heritage Oil, über den wir bereits mehrfach berichtet hatten.

1999 wurde er ausserdem noch von Liberias Diktator Charles Taylor autorisiert, als globaler Repräsentant für die liberianische Civil Aviation Regulatory Authority und für das liberianische Schiffsregister tätig zu werden, und reiste in der Welt umher mit einem liberianischen Diplomatenpass auf den Namen Samir M. Nasr.

Selbstverständlich war er weiter im Waffenhandel tätig, zusammen mit dem ehemaligen Executive Outcomes– Söldner Roelf van Heerden.


Söldner und Waffenhändler Roelf van Heerden (im Vordergrund) mit Executive Outcomes in Angola

Im Februar 2002 wurde Ruprah in Belgien wegen Unterstützung einer kriminellen Vereinigung, Passfälschung pp. verhaftet. Er bot sich sofort dem US-Geheimdienst CIA als Informant an, wurde daraufhin gegen Kaution auf freien Fuss gesetzt, und tauchte unter.
Im August 2002 wurde er in Italien erneut verhaftet, und wiederum unter Auflagen auf freien Fuss gesetzt. Seitdem ist er verschwunden.

Er dürfte weiter seinen Geschäften, insbesondere dem illegalen Diamantenhandel nachgehen.

Grössere internationale Bemühungen, dieses Verbrechers habhaft zu werden, sind nicht zu erkennen.
Solange er sich nicht – anders als Bout – per Waffenlieferungen in den US-„Hinterhöfen“ zu schaffen macht, oder Al Qaida unterstützt, hat er offenbar nichts zu befürchten.

Das hätte letztlich auch für Bout gegolten, wenn……

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.

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Zum Söldnerunwesen und Executive Outcomes mit weiteren Quellen:
Kampf gegen somalische Piraten – nun mit Söldnern

Ein Gedanke zu “Waffenhändler Viktor Bout zu 25 Jahren verurteilt – Sanjivan Ruprah weiter auf freiem Fuss

  1. Waffendeals Wie sieht es eigentlich mit Deutschland aus, welches atombombenfaehige U-Boote an eine Atommacht „verschenkt“, welches nicht den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet und offen mit einem illegalen Angriffskrieg droht.

    Wieviele Deutsche Waffen setzt das „Apartheidsregime“ Israel gegen eine unterdrueckte Ethnie ein?

    Das ist doch auch asozial, oder?

    Liken

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