Israel

Israel: Stimmen gegen einen Krieg mit dem Iran mehren sich

Dr. Alexander von Paleske — 28.4. 2012 —
Israel stand 2010 offenbar kurz davor, den Iran anzugreifen, und damit auch die USA in einen Krieg zu ziehen.

Es gelang jedoch dem damaligen Chef des israelischen Auslands-Geheimdienstes, Meir Dagan, und dem israelischen Präsidenten Shimon Peres, das Duo Infernale Ehud Barak / Benjamin Netanyahu von diesem Kriegsabenteuer abzuhalten. Barak und Netanyahu hatten offenbar bereits die Zustimmung des israelischen Kabinetts für eine begrenzte Militäraktion erhalten.

Diese begrenzte Militäraktion hätte natürlich dann unweigerlich zu einer großen militärischen Konfrontation geführt, ein Krieg, in den auch die USA letztlich auf der Seite Israels eingegriffen hätten bzw. hätten eingreifen müssen.

Netanyahus Gefolgsleute bezeichneten daraufhin Meir Dagan als „insane“, als verrückt.


Meir Dagan ….Angriff auf Iran idiotisch.
Screenshot: Dr. v. Paleske

Nach dem inzwischen pensionierten Mossad Chef Meir Dagan, der noch im Oktober vergangenen Jahres erklärte, ein Angriff auf den Iran sei „idiotisch“, hatte sich auch dessen Vorgänger im Amt, Ephraim Halevy, im November 2011 zu Wort gemeldet.

Wörtlich:

„Iran poses no “existential threat” to Israel and that attacking it must truly be a last resort. Anyone considering such a strike must realize that it would impact not just Israel, but the entire region for the next 100 years. …..no one should believe that there is an [Iranian] existential threat because this is simply not true“.

Trotz dieser Warnungen haben die politischen Zwillinge Netanyahu / Barak seitdem die Drohungen immer lauter verkündet.

Mehr noch: Netanyahu versicherte noch im September 2010 , er werde binnen eines Jahres eine Friedenslösung mit den Palästinensern erreichen. Offenbar der Preis, den Netanyahu glaubte errichten zu müssen, um sich den Rücken von massiven arabischen Protesten nach einem Angriff auf den Iran freizuhalten.

Davon ist heute keine Rede mehr.

We can have the cake and eat it
Netanyahu glaubt, dass nach dem arabischen Frühling und durch den Konflikt in Syrien, dessen Hauptverbündeter der Iran ist, sich die Lage für Israel grundsätzlich geändert habe.

Der Hass der arabischen Sunniten auf das Assad-Regime in Syrien, wegen dessen Greueltaten gegen die sunnitische Mehrheit, hat die Sympathien für den Iran im sunnitisch-arabischen Lager unter den Nullpunkt sinken lassen.

Die Schlussfolgerung Netanyahus:

We can have the cake and eat it

Mit anderen Worten, die Friedenslösung mit den Palästinensern erübrigt sich unter diesen Umständen.

Kein Frieden mit den Palästinensern
Unvermindert wird der Siedlungsbau in Ostjerusalem und der besetzten Westbank vorangetrieben. Bisherige dort noch nicht legalisierte Landwegnahmen mit folgendem Siedlungsbau werden legalisiert.
Dass unter diesen Umständen Friedengespräche ausgeschlossen sind, versteht sich von selbst.

Warnungen an die Adresse der Regierung
Nun haben sich der ehemalige Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet, Juval Diskin, und der israelische Armeechef, General Benny Gantz, mit warnenden Stimmen zu Wort genmeldet.

Juval Diskin erklärt ganz offen, dass er der Regierung Netanyahu nicht über den Weg traue, ausserdem würden die Angriffsdrohungen dieser Regierung das Atomprogramm des Iran nicht stoppen, sondern vielmehr beschleunigen.

Juval Diskin ……traut der Regierung nicht über den Weg
Screenshot: Dr. v. Paleske

Armeechef Benny Gantz wies in einer Stellungnahme darauf hin, eine Entscheidung über den Bau einer Atombombe im Iran sei noch gar nicht gefallen.


Benny Gantz ..Bomben-Bauentscheidung noch gar nicht gefallen. Screenshot: Dr. v. Paleske

Im Klartext: ein Angriff auf den Iran zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei nicht gerechtfertigt.

Es bleibt abzuwarten, ob diese Stellungnahmen die Regierung Netanyahu / Barak von ihrem geplanten Kriegsabenteuer abhalten werden.

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