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Kolumbianische Kohle nach Deutschland: Mit Blut, Schweiss und Tränen

Dr. Alexander von Paleske — 30.4. 2012 — Die Grüne und stellvertretende Ministerpräsidentin von Nordrhein Westfalen, Sylvia Löhrmann, erklärte in einem Interview mit der ZEIT vom 12..4. 2012:

Wir brauchen keine Trauerarbeit mehr, dass es mit dem Steinkohlebergbau vorbei ist. Der Bergbau gehörte zu diesem Land. Er hat zum Wohlstand Deutschlands nach dem Krieg beigetragen, und wir sind stolz darauf, aber jetzt ist das eben vorbei weil es weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll ist.“

Also wird die Kohle nicht mehr gebraucht? Hat die alternative Energie zum Abschalten der Kohlekraftwerke in grossem Umfang geführt, sodass auf die Kohle jetzt verzichtet werden kann?
Weit gefehlt.

An anderer Stelle des Interviews heisst es:

„Der Ersatz der Kohle beim Umbau der Energie ist die zentrale Herausforderung, dabei muss ein Kohleanteil von knapp 70 % durch nachhaltige Stromerzeugung ersetzt werden“.

Mit anderen Worten: Die Kohle wird noch auf Jahre weiter gebraucht, aber sie wird eben jetzt importiert, weil das „ökologisch und ökonomisch sinnvoller“ ist.

Was die Grüne dabei unterschlägt:
Die erbärmlichen Bedingungen, unter denen die Kohle in Dritte Welt Ländern gefördert wird unterschlägt Frau Löhrmann. Denn an der von den Stomkonzernen RWE, EON, Vattenfall und anderen importierten „ökonomisch sinnvollen“ Kohle

klebt der Schweiss von ausgebeuteten Kohlearbeitern in Kolumbien, dem Hauptexportland für Kohle nach Deutschland,

klebt das Blut ermordeter Gewerkschafter

kleben die Tränen der Landbevölkerung, die von ihren Ländereien verjagt wurde, um Platz für den Tagebau der Kohleminen zu schaffen.

Die grösste Mine ist Cerrejon, über die wir bereits berichtet haben und die Umweltzerstörung, dank nicht existierender oder lax gehandhabter Umweltschutzgesetze.


Cerrejon-Mine ………..Probleme entsorgt

Aber darüber redet die Grüne natürlich nicht, obwohl sie es weiss oder wissen sollte.

Hier gilt vielmehr die Sankt Florians Mentalität:

Herr, verschon mein Haus, zünd andere an
.
Besuch aus Kolumbien
Dieser Tage besuchte der kolumbianische Menschenrechtsanwalt Alirio Uribe Deutschland, um auf die katastrophalen Zustände in der Kohlemine El Cerrejon in Kolumbien aufmerksam zu machen, dort, wo Kohle für Deutschland gefördert wird.

Cerrejon gehört dem schweizer Konzern Xstrata, (über den wir schon mehrfach berichtet haben), der britisch südafrikanischen Bergbaufirma Anglo American, und der australischen BHP Billiton.

Auf der Anklagebank
Uribe klagt an:

Durch den Tagebau seien komplette Siedlungen verschwunden,

Die Bergbauunternehmen hätten Gemeinden systematisch bedrängt, damit sie ihre Grundstücke verlassen oder sie extrem preiswert verkaufen,

Der kolumbianische Staat agiere als Komplize der Konzerne

Strom-und Telefonleitungen seien gekappt, Landstrassen überschwemmt, und Gesundheitsstationen geschlossen worden, um den Druck zum Wegzug zu erhöhen

Schlechte Arbeitsbedingungen
Eine Arbeitsgesetzgebung, wie in Deutschland längst selbstverständlich, existiert dort bestenfalls auf dem Papier, und die Löhne sind niedrig.

Mit anderen Worten: Die Probleme der Kohleförderung wurden nicht beseitigt, sondern einfach in einem Land der Dritten Welt abgeladen, entsorgt. Motto: Weg mit Schaden.

Herzlichen Dank, Frau Löhrmann, für dieses schön(e) (unvollständige) ZEIT Interview.

Zu Glencore-Xstrata
Schweizer Rohstoff-Multis Glencore / Xstrata: Milliarden scheffeln, Ausbeutung zulassen, Umwelt verschmutzen
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Ein Gedanke zu “Kolumbianische Kohle nach Deutschland: Mit Blut, Schweiss und Tränen

  1. Zwischen den Zeilen.. Jaja, es ist schon zum kotzen, dass zwischen den Zeilen gelesen werden muss, um diesen Figuren überhaupt etwas zu entlocken.

    Ausführlich wurde hier darüber berichtet:
    Die dunkle Seite des Rohstoff-Booms
    Wie der Bergbau die Menschenrechte untergräbt

    http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2011/august/die-dunkle-seite-des-rohstoff-booms

    Dort heißt es zum Beispiel:

    „Obgleich die Abkehr von der Atomenergie hierzulande nun endgültig beschlossen scheint: Man sollte im Auge haben, dass nur erneuerbare Energie, nicht aber Kohle eine sozio-ökonomisch und ökologisch sinnvolle Alternative darstellt. Denn abgesehen vom horrenden CO2-Ausstoß, den Kohlekraftwerke produzieren, hat auch der Abbau fatale Folgen für Natur und Mensch. Dennoch ist Deutschland einer der größten Importeure von Kohle unter anderem aus den Minen Kolumbiens. Damit trägt unser Energiekonsum zu erheblicher Umweltvergiftung und zur Zerstörung ganzer Dorfgemeinschaften bei.[10]

    Und auch in den Industrieländern selbst erweist sich der Kohleabbau als hochproblematisch. In dem jüngst in den USA vorgestellten Dokumentarfilm „The Last Mountain“ über den Kohleabbau in den Appalachen in West Virginia geht es – neben den verheerenden Umweltfolgen durch das sogenannte mountaintop removal –[11] auch um den immensen politischen Einfluss der Massey Coal Company. Dieser Kohlegigant ist für zahlreiche nicht geahndete Gesetzesverstöße verantwortlich, vor allem im Bereich Sicherheit, Gesundheit und Versammlungsfreiheit (Gewerkschaften). „Es geht nicht nur um die Umweltzerstörung, sondern auch um die Gefährdung der Demokratie“, stellt der Umweltaktivist Robert F. Kennedy Jr. treffend fest.“

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