afrika

Der vergessene Krieg im Osten des Kongo

Dr. Alexander von Paleske — 28.6. 2012 —
Das menschliche Leid im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRC) findet kaum noch Beachtung in den Medien.


DRC

Dabei spielt sich hier eine Tragödie mit Zehntausenden bis zu Hunderttausenden Flüchtlingen ab. Eine Tragödie, die trotz der Beendigung des Kongokriegs, der von 1998 bis 2003 dauerte, anhält.


Guardian, 31.5. 2012

Kriegsende ohne Frieden
Dieser Krieg, in den mehrere afrikanische Länder, darunter Namibia, die Zentralafrikanische Republik, Angola, Simbabwe, Ruanda und Uganda eingriffen, kostete direkt und indirekt rund 4 Millionen Menschen das Leben, bis es schliesslich im Jahre 2003 zum Friedenschluss in Sun City / Südafrika kam.

Vermittler war der Ex-Präsident Botswanas, Sir Ketumile Masire, den wir 2008 dazu interviewten.


Sir Ketumile Joni Masire Photo: Dr. v. Paleske

Die ausländischen Truppen zogen ab, doch trotz des Friedensschlusses kam und kommt der Osten der DRC nicht zu Ruhe.

Rohstoffe und ethnische Konflikte
Hintergrund: Die Rohstoffe und ethnische Konflikte.

Vordergründig handelt es sich diesmal bei den Kämpfen um Auseinanderstzungen zwischen der kongolesischen Armee FARDC und Meuterern unter Anführung des wegen Kriegverbrechen gesuchten Bosco Ntaganda.


Kongolesische Armee im Ost-Kongo. Screenshot: Dr. v. Paleske

Aber hinzu kommen Auseinandersetzungen mit bewaffneten Gruppen der Hutu-Rebellenarmee FDLR, und schliesslich Kämpfe mit eingesickerten Milizionären. Die UN beschuldigt Ruanda, diese Söldner auszubilden, und dann in den benachbarten Kongo zu schicken.
Auch dem Anführer der Meuterer, Bosco Ntaganda, soll Ruanda Unterstützung gewährt haben.
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Schwerpunkt der Kämpfe sind die Provinzen Nord-Kivu, aber auch Süd Kivu, die die an Ruanda bzw. Uganda grenzen.


Provinzen der DRC. 9: Nord Kivu, 11: Süd Kivu

Kämpfe trotz UN-Truppen
Die Kämpfe finden statt, trotz der Anwesenheit von UN-Blauhelmen, die zwar ein robustes Mandat haben, aber angesichts der sich bekämpfenden Gruppen zahlenmässig völlig unzureichend sind.


Zu wenige: UN-Soldat im Ostkongo. Screenshot: Dr. v. Paleske

Im Hintergrund geht es aber um handfeste wirtschaftliche Interessen. Die DRC besitzt geschätzte Rohstoffreserven im Wert von geschätzten 27 Billionen US Dollar. Darunter Uran, Cobalt, Gold, Diamanten, Kupfer, Erdöl und Coltan.

Der Osten des Kongo ist reich an Coltan (Columbo-Tantalite) das in jedem Laptop und Mobiltelefon unersetzlicher Bestandteil ist, aber auch Gold, Diamanten, Erdöl und Edelhölzern.

Während des Kongo-Krieges von 1998 bis 2003 plünderten Ruanda und Uganda die Bodenschätze des Kongo mit ihrer Soldateska, mal miteinander, mal gegeneinander.

Ruanda raffte eine Fünfjahresproduktion von Coltan, und exportierte sie gegen harte Währung ins Ausland.

Auch deutsche Firmen
Ein UN Report aus dem Jahre 2002 beschuldigt auch deutsche Firmen Abnehmer gewesen zu sein, vermutlich wohl wissend, woher das Coltan stammte; unter anderem auch die Goslarer Firma H.C. Starck.

Nach Ende des Kongokrieges ging und geht die Plünderung der Rohstoffe weiter. Diesmal über sogenannte Proxies, also bewaffnete Auftrags-Banden.

Unvermindert werden grosse Mengen von Rohstoffen, aus dem Kongo stammend, nach Uganda und vor allem Ruanda, das selbst kaum über Rohstoffe verfügt, verbracht.

Die verarmte und terrorisierte Bevölkerung des Ostkongo fördert die Bodenschätze (ausser Erdöl) in kaum abgesicherten Stollen, am Ausgang warten dann die Milizionäre.


Kongolesische Minenarbeiter im Ostkongo. Screenshot: Dr. v. Paleske

Die lokale Bevölkerung gerät immer wieder zwischen die Fronten, und wird ausserdem noch Opfer von Vergewaltigungen und willkürlichen Tötungen.

Frieden kein Thema
Ruanda hat offenbar keinerlei Interesse, dass sich an der Lage etwas ändert, im Gegenteil! Es könnte zum Versiegen des Rohstoffnachschubs und damit einer wichtigen Einnahmequelle führen.

Und dessen Präsident Paul Kagame hat vermutlich auch die Hoffnung nicht aufgegeben, sich eines Tages einen Teil des rohstoffreichen Ost-Kongo einverleiben zu können. .
Uganda wiederum hat keinerlei Interesse an eine Stabilisierung, weil es das Erdölfeld, hart an der Grenze zum Kongo, alleine ausbeuten will.

Und so kam es zum Aufflackern der Kämpfe, und jetzt zu einer Explosion der Aktivität von bewaffneten Gruppen.

Nur bewaffneter Friede durch die UN möglich
Als offenbar einziger Ausweg böte sich an, eine wirklich starke UN-Truppe dort zu stationieren, welche die Milizionäre entwaffnet und Ruanda in die Schranken weist.

Aber zur Zeit tendiert das Interesse der Weltgemeinschaft an den Ereignissen im Kongo eher gegen Null.

Und so geht das menschliche Leid unvermindert weiter.

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