SATIRE

Israelischer Premier Benjamin Netanyahu zur Lage in Israel und seinen neuen (alten) Provinzen

Dr. Alexander von Paleske — 5.12. 2012 — Folgende Mail landete heute in meiner Mailbox:

Benjamin Netanjahu
– Premierminister –
Regierungspalais
Jerusalem
Israel

Guten Morgen Deutschland,
Guten Morgen alle hartnäckigen Freunde nah und fern der israelischen Land-Rückhol- Araber-Vertreibungspolitik in der Westba….äh ich meine in Judäa und Samaria.

Gute Botschaften
Während meines Staatsbesuchs in Deutschland und darüber hinaus rede ich zur Abwechslung mal Klartext und lasse die Katze aus dem Sack.

Ich habe ausserordentlich gute Botschaften betreffend unsere weitere Politik der Landrücknahme von diesen palästinensischen Siedlern.


Benjamin Netanyahu …….habe gute Nachrichten. Screenshot: Dr. v. Paleske

Unsere Rücknahme (Vertreibungs-)Politik im Ostteil unserer unteilbaren Hauptstadt Jerusalem macht weiter grosse und grossartige Fortschritte.

Viele Häuser, die diese in Jerusalem noch lebenden Palästinenser besetzt halten, haben wir schon unter fadenscheinigen Begründungen („illegal errichtet“ u.s.w.) zwangsenteignet und abgerissen, um dort komfortable Wohnungen für unsere jüdischen Zuwanderer aus aller Welt zu schaffen.


Zerstörung palästinensischer Häuser. Screenshot: Dr. v. Paleske

Araberfreies Jerusalem
Der Tag ist nicht mehr fern, an dem wir den Ostteil Jerusalems „araberfrei“ erklären können.

Aber wir sind von Natur aus Humanisten, und setzen nicht nur die Vertreibungspeitsche, sondern zwischendurch auch mal das Zuckerbrot des Abkaufs ein, indem wir weit über dem Marktpreis liegende Angebote für diese minderwertigen, nach unserer Auffassung ohnehin abbruchreifen Behausungen anbieten, und zwar dann, wenn unsere an den Haaren herbeigezogenen Zwangsräumungs-Begründungen nicht ausreichen, d.h. von unseren Gerichten nicht akzeptiert würden.

Umgreifender Schlag
Im Zuge unserer raumgreifenden Politik gegenüber den illegalen palästinensischen Siedlungen in den uns seit Jahrtausenden angestammten Gebieten, die von unvernünftigen westlichen Politikern immer noch als „Westbank“, oder sogar als „besetzte Westbank“ bezeichnet werden, holen wir jetzt zu einem umgreifenden Schlag mit der Errichtung von 3000 neuen Wohnungen aus: Wir expandieren von Jerusalem nach Osten und treiben gleichzeitig einen Keil in das von palästinensischen Siedlern noch gehaltene Gebiet hinein.


Neues Siedlungsgebiet (gelb) …..Keil in die Westbank
Screenshot: Dr. v. Paleske

Damit schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe: einerseits versperren wir dem Siedlerregime des Mahmoud Abbas in Ramallah den Zugang zum Ostteil Jerusalems, und zum anderen trennen wir damit dieses Westbankgebilde in zwei Hälften, zwei Homelands, die Araber des südlichen Teils können nicht mehr in den nördlichen Teil reisen und umgekehrt. Hervorragend.
Das bringt uns der Totalannexion einen bedeutenden Schritt näher.

Scheinbegründung
Natürlich hat die Begründung, der Siedlungsbau sei eine Antwort auf den angenommenen UN-Antrag, dem Phantasiegebilde Palästina einen „Beobachterstatus“ einzuräumen, nichts mit der Realität zu tun. Hier handelt es sich von unserer Seite um Propaganda und pure Scheinbegründungen.

Wir hatten die Pläne natürlich längst in der Schublade und warteten nur auf einen geeigneten Zeitpunkt, um loszulegen. Den sahen wir jetzt für gekommen, und schon rückten unsere Bagger aus. Das alles geht ja gar nicht ohne zeitaufwendige vorherige Planung.


Baustelle Neusiedlungsgebiet


Bagger bereits angerückt. Screenshots: Dr. v. Paleske

Während das Gejaule der westlichen Gutmenschen und unserer arabischen Feinde noch nicht verstummt ist, sind wir längst damit beschäftigt, weitere Landrücknahmen und weiteren Siedlungsbau in Angriff zu nehmen.

Idealer Zeitpunkt
Der Zeitpunkt ist auch aus anderen Gründen ideal: In Syrien tobt der Bürgerkrieg, ein Ende ist nicht in Sicht, die sind voll damit beschäftigt, sich gegenseitig an die Gurgel zu fahren, und interessieren sich zur Zeit in keiner Weise dafür, was wir hier so treiben.

In Ägypten steigt der neue Präsident völlig erwatungsgemäss zum vollen Mubarak-Nachfolger auf – im negativen Sinne versteht sich. Auf Diktatur folgt Diktatur.

Diese Muslimbrüder hatten sich ja zunächst gar nicht an dem Aufstand gegen Mubarak beteiligt, und sind auf den Zug gesprungen, als der schon in voller Fahrt war.

Die wollen jetzt die ganze Macht und einen islamischen Gottessstaat errichten, was natürlich die koptischen Christen, aber auch die Liberalen und die Linken unter den Moslems, die eigentlichen arabischen Frühlings-Revolutionäre wieder auf die Barrikaden treibt.
So sind auch die Ägypter zur Zeit voll mit sich selbst beschäftigt, und das wird auch noch eine ganze Weile so weitergehen. Von Zeit zu Zeit werden wir über unseren Mossad noch ein wenig Öl in dieses Feuer giessen.

Verschärfung von Schikanen
In der nächsten Zeit werden wir die Personenkontrollen und Schikane gegenüber den Arabern in Judäa und Samaria verschärfen, sodass die sich schliesslich wie in einem Gefängnis fühlen, und nur noch eine Idee haben: raus.

Das wird zu einer wahren Abwanderungswelle führen, und so werden wir Judäa und Samaria zum grossen Teil araberfrei machen. Den unbelehrbaren Rest pferchen wir dann in Homelands und Flüchtlingslager, wie dieses Gaza, und bombardieren es von Zeit zu Zeit, wenn die dort sich nicht benehmen können.

Vorbild für die Errichtung dieser Homelands ist Apartheid-Südafrika.

Klare Rechtspositionen
Wir haben klare Rechtspositionen, die unser Vorgehen rechtfertigen. Wer sich über diese Politik aufregt, der versteht offenbar nicht, dass sowohl Israel in den Grenzen vor dem Sechstagekrieg im Juni 1967, als auch Judäa und Samaria und natürlich Ost-Jerusalem seit biblischen Zeiten unser unveräusserbares jüdisches Eigentum sind. Wer immer danach kam, konnte sich ja an den fünf Fingern ausrechnen, dass wir dieses Land eines Tages zurückfordern würden.

Ersitzung mit der Folge des Eigentumsübergangs von jüdischem Land gibt es nicht, höchstens temporäre Nutzung, die wir jederzeit beenden können, wie wir das bei ca. 50% des Westjordanlandes bereits praktiziert haben.

Insofern ist die Lage völlig anders als bei den Ureinwohnern in Australien oder den Indianern in Nordamerika, die zu Recht von ihrem Land vertrieben wurden, weil sie völlig rückständig waren.

Eine Landrückgabe bei diesen Völkern ist deshalb selbstverständlich ausgeschlossen, auch wenn deren Vertreibung wesentlich kürzer zurückliegt, als die weit über 2000 Jahre der unsrigen.

Ausserdem haben diese Primitiv-Völker, anders als wir, nichts Schriftliches in der Hand, das ihnen die Rückkehr verspricht bzw. prophezeit.

Und die Bibel hat doch recht
Wir hingegen können uns auf die Bibel berufen,, bei deren extensivst-alttestatamentarischer (Falsch)-Interpretation, sich ein solcher Rückgabeanspruch zwingend herleiten lässt.Als Repräsentanten einer Hochkultur geniessen wir eben wesentlich weitergehende Rechte, als solche Primitivkulturen, das leuchtet eigentlich zwangslos ein.

Nur besonders Böswillige nennen uns deshalb Rassisten oder werfen uns Herrenrasse-Mentalität vor.

.


Besetzte Westbank – An Häuserwände gesprühte Siedlerparolen. Screenshots: Dr. v. Paleske

Freunde der jüdischen Land-Rückholpolitik, wir machen weiter auf dem biblisch vorgezeichneten Wege, und lassen uns nicht beirren.

Schalom

Euer Benjamin (Bibi) Netanyahu
Premier Israels

NACHTRAG
Interview der tagesschau mit der israelischen Historikerin Amar-Dahl:

http://tagesschau.de/inland/interview-deutschland-israel100.html

Eine Zwei-Staaten-Löung steht nicht auf der Tagesordnung

Amar-Dahl: …… Das zionistische Israel versteht sich so, dass das Land Israel (einschliesslich besetzter Westbank und Ost-Jerusalem) dem jüdischen Volk gehört, und damit auch dem jüdischen Staat. Das ist seine grundsätzliche ideologische Überzeugung. Deswegen hält es Regierungschef Benjamin Netanjahu auch für ein Gebot, diese Gebiete weiter jüdisch zu besiedeln. Eine Zwei-Staaten-Lösung steht gar nicht auf der Tagesordnung. Das ist eine Sache, die Israel nicht nur nicht will, sondern auch bekämpft. Und diese Politik kann Deutschland wahrscheinlich auf Dauer nicht unterstützen.

tagesschau.de: Israel will gar keine Zwei-Staaten-Lösung?

Amar-Dahl: Israel kann es nicht. Es ist auch im Land kein Thema. Auch nicht im Wahlkampf. Auch die Opposition spricht nicht davon. Netanjahu redet zwar mit dem Ausland über eine Zwei-Staaten-Lösung, aber nur aufgrund des außenpolitischen Drucks.

tagesschau.de: Also führt Israel die anderen Länder an der Nase herum?

Amar-Dahl: Das kann man so interpretieren.

Keine Satire
Im Schatten der Nahostkonflikte: Tägliche Attacken israelischer Siedler auf Palästinenser und deren Eigentum in den besetzten Gebieten
Günter Grass, ein Gedicht und das Jerusalem-Syndrom

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