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Südafrika: Staatspräsident Zuma besiegt politische Widersacher, Cyril Ramaphosa kehrt auf die politische Bühne zurück

Dr. Alexander von Paleske —- 27.12. 2012 ——
Vergangene Woche fand die 53. nationale Konferenz der Regierungspartei Südafrikas, des Afrikanischen Nationalkongress (ANC) statt.

Bereits im Vorfeld war darüber spekuliert worden, ob die Konferenz, die in Mangaung stattfand, mit einer Niederlage des Staatspräsidenten Jacob Zuma enden würde, wie die seines Vor-Vorgängers im Amt des Staatspräsidenten, Thabo Mbeki, auf der ANC-Konferenz 2007 in Polokwane.

Keine Wiederholung
Aber ein derartiges Spektakel wiederholte sich auf der diesjährigen ANC-Konferenz nicht..

Trotz der Bestechungsvorwürfe gegen Zuma, über welche der „SPIEGEL“ Südafrikas, die Wochenzeitschrift Mail & Guardian einen investigativen Artikel nach dem anderen publizierte, ebenso über das opulente Anwesen in dessen Heimatort in der Provinz KwaZulu-Natal, spöttisch „Zumaville“ genannt samt dessen fragwürdige Finanzierung, brachte Zuma mehr als 70% der Delegierten hinter sich.

Saftige Niederlage
Seine offenen und versteckten Widersacher, allen voran der Vizepräsident Kgalema Motlanthe mussten eine dicke Niederlage einstecken.

Damit zerschlugen sich auch die Hoffnungen des ehemaligen ANC-Jugendliga-Vorsitzenden Julius Malema, auf die politische Bühne zurückzukehren. Sein Wiederaufnahmeantrag wurde gar nicht erst behandelt. Stattdessen schaffte ein alter ANC-Kader namens Cyril Ramaphosa den Wiederaufstieg.


Cyril Ramaphosa (l.) und Jacob Zuma (r.) auf der Konferenz in Mangaung

Ein Kader namens Cyril Ramaphosa
Cyril Ramaphosa gehörte zu den einflussreichsten und zweifellos intelligentesten ANC Funktionären zur Zeit der Freilassung Nelson Mandelas aus dem Gefängnis.

Der studierte Jurist

– gründete 1982 die Minenarbeitergewerkschaft National Union of Mineworkers (NUM) und war lange Jahre deren Vorsitzender.

– Leitete das Empfangskomitee bei der Entlassung Nelson Mandelas

– War der Verhandlungsführer des ANC als der Übergang Südafrikas in eine Demokratie ausgehandelt wurde (CODESA), und schaffte es mit seinem Verhandlungsgeschick, die Voraussetzungen für ersten freien Wahlen in Südafrika 1994 auszuhandeln, aus denen Nelson Mandela und der ANC als klare Sieger hervorgingen.

– War massgeblich an der Ausarbeitung einer neuen Verfassung Südafrikas beteiligt, die 1996 zum erfolgreichen Abschluss gebracht wurde.

– War der Wunschkandidat Nelson Mandelas für das Amt des Vizepräsidenten und damit seines Nachfolgers

– Wurde durch Thabo Mbeki ausmanövriert und anschliessend mit Intrigen so frustriert, sodass er sich aus der Politik schliesslich zurückzog und in die Privatwirtschaft abwanderte.

Nur vorübergehend
Dass ein Mann, der ohne weiteres hätte auch der Nachfolger Nelson Mandelas im Amt des Staatspräsidenten werden können, den Rest seines beruflichen Lebens auf dem Chefsessel eines Minenkonglomerats zu verbringen wünscht, das glaubten weder seine politischen Feinde, noch seine Freunde, und zuletzt auch er selbst nicht.

Aber Cyril Ramaphosa tritt nur an, wenn er absolut sicher sein kann, eine Wahl auch mit grosser Mehrheit zu gewinnen.

Politische Niederlagen sind nicht nach seinem Geschmack.
Und so warf er seinen Hut für die Vizepräsidentschaft auf der ANC-Konferenz in Mangaung erst in der 11. Stunde in den Ring, und gewann absolut überzeugend mit 3018 Stimmen gegenüber 463 Stimmen für Tokyo Sexwale.

Weg frei
Damit ist für ihn der Weg frei, für den Posten des Vizepräsidenten Südafrikas, und damit auch für die Nachfolge Jacob Zumas im Amt des Staatspräsidenten.

Auch eine sicherlich ungeheure Genugtuung nach der Niederlage gegen Thabo Mbeki seinerzeit.

Wird Ramaphosa als Gewerkschafter oder als Unternehmer in die Regierung zurückkehren?

Welcher Ramaphosa?
Die Ereignisse in Marikana, wo Dutzende Minenarbeiter erschossen wurden, deuten eher auf letzteres hin. Ramaphosa, wir berichteten darüber, ist an der Minengesellschaft Lonmin beteiligt, der Betreiber der Platinmine in Marikana.

Er stellte für die Familien den getöteten Minenarbeiter aber lediglich einen Betrag von umgerechnet 30.000 Euro bereit.

Auf einer Viehauktion zwei Wochen später bot er jedoch für einen kapitalen Bullen umgerechnet 1,7 Millionen Euro. Das spricht für sich.

Zimbabwes Präsident Robert Mugabe bezeichnete ihn gar als einen „Weissen in schwarzer Haut“. Das bezog sich allerdings nicht auf die Ereignisse in Marikana, sondern auf kritische Kommentare Ramaphosas über den Zustand der Wirtschaft Zimbabwes im Jahre 1999. Und auf negative Kommentare in südafrikanischen Zeitungen über die Verhaftung von zwei Journalisten in Zimbabwe. Zeitungen an denen Ramaphosa wirtschaftlich beteiligt war.

Die nächsten Wochen und Monate werden mehr Aufschluss über eine Persönlichkeit geben, die sich selbst als „Enigma“ als undurchsichtig und geheimnisvoll bezeichnet.


Ausgezeichnmete Biografie Ramaphosas von Anthony Butler

Zu Marikana
Der Minenarbeiter-Streik in Südafrika – ein politisches Erdbeben mit Folgen
Südafrika: Das Massaker an Minenarbeitern und seine Hintergründe

Zu Julius Malema
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