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Industrialisierung oder De-Industrialisierung in Afrika?

Dr. Alexander von Paleske —- 15.4. 2012 — „Von wegen Armut“ lautet ein Artikel in der Wochenzeitung Die ZEIT vom 27.3. 2013 S. 35, der in einer neuen Serie „ Vorsicht, gute Nachrichten“ publiziert wurde.

Der Artikel will anhand einiger weniger Beispiele den Eindruck vermitteln, gerade auch aus Afrika gebe es viele gute Nachrichten zu melden, eine neue Mittelschicht sei im Kommen, die Armut nehme ab. Verwiesen wird auf einige wenige Unternehmer, die sich trotz aller Widrigkeiten am Markt behauptet oder neu etabliert hätten.


Schönfärberischer ZEIT-Artikel

Pure Schönfärberei
Der Artikel ist aus afrikanischer Sicht allerdings nichts als Schönfärberei.

– Tatsache ist, dass Afrika zum ganz überwiegenden Teil zum reinen Rohstoffexporteur – der einzig wirklich florierende Industriezweig, wie in der Kolonialzeit – abgesunken ist.

Die – so vorhanden gewesen – in bescheidenem Umfang entwickelte verarbeitende Industrie, also Konsumgüter- und insbesondere Textilindustrie, liegt mittlerweile weitgehend am Boden. Überall in Afrika, Südafrika noch grösstenteils ausgenommen.

Aber auch das Erdöl exportierende Land Nigeria muss Benzin einführen, weil es selbst für den eigenen Bedarf nicht genug weiterverarbeitende Raffineriekapazität hat.

De De-Industrialisierung der weiterverarbeitenden Industrie zeigt sich hier in Simbabwe mit aller Brutalität:
In Bulawayo, einstmals das industrielle Herz Simbabwes, haben mehr als 90% Textilbetriebe in den letzten 10 Jahren dichtgemacht. Tausende von Arbeitsplätzen gingen unwiderruflich verloren.Die Fabrikhallen stehen leer, oder dienen als Lagerräume für Supermärkte.

Von zwei Seiten in die Zange genommen
Die Textilindustrie wurde gleich von zwei Seiten in die Zange genommen:

– aus Europa importierte Textilien aus Altkleidersammlungen stammend


Verkauf gebrauchter Textilien in Bulawayo. Fotos: Dr. v. Paleske

– Billigimporte von Neutextilien aus China, den lokalen Produkten in der Qualität eindeutig unterlegen, aber eben erheblich billiger.

Selbst Kleinstbetriebe, das zeigte jüngst ein BBC-Bericht aus Kenia, haben mit Textilimporten aus Altkleidersammlungen in Europa und den USA zu kämpfen, und können sich, wenn überhaupt, nur noch in kleinen Nischen behaupten, wie z.B. Schuluniformen und lokale Tracht, für die sich die Massenherstellung nicht lohnt.

Unverarbeitet exportiert
Die Baumwolle wird jetzt unverarbeitet exportiert – nach China und Bangladesch vorwiegend..

Die Textilarbeiter sind dauerarbeitslos und versuchen sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser zu halten, bzw. emigrieren nach Südafrika, Botswana und anderswo.

Gleiches gilt für die Schuhindustrie, die entweder dichtgemacht hat, oder die Produktiion auf weniger als 20% herunterfahren musste, wie die Schuhfabrik BATA in Gweru- trotz eindeutig besserer Qualität als die Billigimporte aus China..

Ähnlich sieht es in der Nahrungsmittel- und Papierindustrie aus:
Statt Eigenproduktion Importe vorwiegend aus Südafrika.

Schliesslich, nicht zu vergessen, die Möbelindustrie. Das hier gefällte Hartholz wird mittlerweile, wie in vielen anderen afrikanischen Ländern auch, nicht weiterverarbeitet, sondern exportiert.

Das Land lebt ganz überwiegend jetzt vom Rohstoffexport, dank der mittlerweile deutlich gestiegenen Rohstoffpreise, insbesondere für Kupfer, Gold, Nickel, aber auch Kohle und – neuerdings – Diamanten.

Im Zuge der gestiegenen Rohstoff-Exporterlöse baut sich darum herum eine bescheidene Serviceindustrie auf. Zur Behebung der Massenarbeitslosigkeit von mehr als 80% tragen Rohstofferzeugung und Dienstleistungen jedoch nur völlig unzureichend bei.

Simbabwe importiert mittlerweile – anders als noch vor 20 Jahren – fast alle Konsumgüter. Selbst die aus Baumwolle hergestellte Watte wird jetzt aus China importiert .

Eine negative Handelsbilanz ist die Folge, die bei fallenden Rohstoffpreisen noch erheblich deutlicher würde.

Um die Arbeitslosigkeit zu senken, und den Lebensstandard der Bevölkerung nachhaltig zu erhöhen, ist die eigene Weiterverarbeitung der Rohstoffe und eine eigene Konsumgüterproduktion – soweit möglich – der unverzichtbare Ausweg.

Die Entwicklung verlief in den letzten Jahren in Afrika aber eher in die umgekehrte Richtung, keineswegs nur in Simbabwe.

Gute Nachricht? Fehlanzeige!

Afrika – Ein Kontinent wird zum reinen Rohstoffverkäufer

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