Grossbritannien

Eine Totenfeier in London und ein fehlgeschlagener Coup in Afrika

Dr. Alexander von Paleske — 18.4. 2013 —

Gestern fand die grosse Totenfeier für die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher statt. Seit dem Tode von Winston Churchill im Jahre 1965 gab es kein solches Aufhebens um das Ableben eines britischen Regierungschefs / chefin.


Gestern in London. Screenshot: Dr. v. Paleske

Land gespalten
Während Wiston Churchill aber das Land hinter sich vereinigte, und es durch den Krieg mit Hitler-Deutschland führte – in der Anfangszeit, vor dem Angriff Hitlers auf die Sowjetunion und Japans auf Pearl Harbour auf sich allein gestellt – kann die „eiserne Lady für sich in Anspruch nehmen, das Land tief gespalten zu haben.


Margaret Thatcher ……spaltete

Krieg um Falkland-Inseln
Nicht nur ihre Wirtschaftspolitik spaltete das Land, auch der Krieg gegen Argentinien um die Rückeroberung der Falkland-Inseln 1982, die ganz zweifellos nicht zu Grossbritannien, sondern zu Argentinien gehören.

Die Auseinandersetzung darum kocht gerade wieder hoch, insbesondere im Hinblick auf reiche Erdölvorkommen, die um die Inseln vermutet werden, und die Grossbritannien natürlich für sich beansprucht.

Afrikanische „Terroristen“
Unvergessen sind – insbesondere hier in Afrika – Thatchers 1987 gemachte Bemerkungen über den ANC, die heutige Regierungspartei Südafrikas, und Nelson Mandela:

‚The ANC is a typical terrorist organisation … Anyone who thinks it is going to run the government in South Africa is living in cloud-cuckoo land‘

Gerade mal 9 Jahre danach war Mandela, nun Staatspräsident Südafrikas, eingeladen, vor beiden Häusern des Parlaments zu sprechen, eine nur selten gewährte Ehre gegenüber dem Weltstaatsmann. Aber da war Margaret Thatcher ja auch schon 6 Jahre ausser Dienst, ihre konservative Partei aber iimmer noch am Ruder.

Neue peinliche Enthüllungen
Rechtzeitig zur Totenfeier enthüllte die angesehene britische Tageszeitung Guardian auch noch, dass sie 2003, also lange nach dem Ende ihrer Dienstzeit, den in Planung befindlichen Putschversuch im ölreichen Äquatorial Guinea absegnete. An diesem Unternehmen beteiligte sich auch ihr missratener Sohn, Sir Mark Thatcher.


Mark Thatcher während der Trauerfeier. Screenshot: Dr. v. Paleske

Der Putschversuch , in den offenbar auch eine deutsche Luftfrachtfirma namens ACL tief verwickelt war – vermutlich war auch der Bundesnachrichtendienst (BND) zumindest informiert – wir berichteten mehrfach darüber, scheiterte bekanntlich.

Ihr Sohn Mark Thatcher wurde in Südafrika verhaftet und in Kapstadt vor Gericht gestellt.

Maggies liebstes Kind drohte nun die Auslieferung nach Äquatorial Guinea, einer Reise ohne sichere Rückfahrkarte.

Nicht nach Malabo
Da machte sich die „Eiserne Lady“ auf, und bat den Ex-Präsidenten Nelson Mandela um Vermittlung. So kam dann Mark gegen eine Freiheitsstrafe auf Bewährung und Zahlung von umgerechnet 300.000 Euro frei, die Mutter Maggie an die Justizkasse in Kapstadt überwies.

Damit blieb ihrem Sohnemann ein Aufenthalt im berüchtigten Black Beach Gefängnis in der Hauptstadt Äquatorial Guineas, Malabo, erspart, wo bereits ein deutscher Mit-Putschist verstorben war.

Simon Mann büsste und wollte auspacken
Der Kopf der Putschistenbande und Ex SAS Mann, Simon Mann, besass keinen derart prominenten Fürsprecher, und wurde deshalb nach einem vierjährigen Gefängnisaufenthalt in Zimbabwe nach Malabo verfrachtet.

Simon Mann, mittlerweile begnadigt und in Freiheit wollte diese Billigung des Putsches durch Lady Thatcher in seinem Buch „Cry Havoc“ enthüllen, aber sein Verleger legte sich quer. Der wollte diese schwarzen Flecken auf Maggies ach so weisser Weste nicht dulden. Nun fanden sie aber trotzdem ihren Weg über die britische Presse an die Öffentlichkeit.


Simon Mann und sein Söldner-Tagebuch …….Verleger legte sich quer.

Schadenfreude unangebracht
Kein Grund zur Schadenfreude, denn bis heute haben die hessischen Justizbehörden die deutsche Beteiligung am Putschversuch nicht aufgeklärt, trotz diverser Dienstaufsichtsbeschwerden des Verfassers.

Die letzte Nachricht der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt (M) vm 4.1. 2013 in dieser Sache hat folgenden Wortlaut:

From: Andreas.Heymann@gsta.justiz.hessen.de [Andreas.Heymann@gsta.justiz.hessen.de]
Sent: 1/4/2013 7:37:36 PM
To: avpaleske@botsnet.bw [avpaleske@botsnet.bw]
Subject: Ermittlungsverfahren 1070 Js 21264/08 der Staatsanwaltschaft Darmstadt gegen Thomas Rinnert

Sehr geehrter Herr Dr. von Paleske,
nach dem Eingang Ihrer E-Mail sind die Akten der Staatsanwaltschaften Darmstadt und Frankfurt a. M. angefordert
worden. Eine Entscheidung über die Fortführung der Ermittlungen wird voraussichtlich Mitte Januar erfolgen.
Die Bearbeitung hat sich wegen zahlreicher Vertretungen und vordringlicher Haft- und Unterbringungssachen verzögert, wofür ich um Entschuldigung bitte.

Mit freundlichen Grüßen
Heymann
Oberstaatsanwalt
Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt a. M.
Zeil 42
60313 Frankfurt a. M.
Tel. 069-1367-2231 (Sekretariat III)
Fax 069-1367-6496
– Az. 3 Zs 2295/08 –

Von einer „Entscheidung“ habe ich natürlich bis heute nichts gehört. Der Putschversuch fand ja auch „erst“ am 4.3. 2004 statt.
Ob das noch unter den Begriff „Die Mühlen der Justiz mahlen langsam“ fällt ist allerdings zweifelhaft. Hier möchte man eher von einem „Mühlenstillstand“ sprechen.

Zum Coup in Aequatorial Guinea:
Der Wonga Coup
Cry Havoc – Ein Chefsöldner packt aus und belastet auch die deutsche Beteiligungsschiene
Ein Putschversuch in Afrika und ein juristisches Nachspiel in Hessen
Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft ohne Verfolgungswillen bei Fall von internationalem Terrorismus

linkGasmasken, Giftgas und Milliardenbetrug – auf den Spuren des Moshe Regev

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