Folter

Dubai und UAE: Schöner Urlaub gegen Bares – Folter und Gefängnis gratis

Dr. Alexander von Paleske — 30.4. 2013 —
Dubai und die Vereinigten Arabischen Emirate (UAE) haben sich zu Touristenmagneten entwickelt, die Riesenflughäfen und Cities zu zollfreien Einkaufsparadiesen.

Hinter der Glitzerfassade
Das ist die eine Seite. Hinter der Glitzerfassade und den Sandstränden verbirgt sich jedoch das hässliche Gesicht dieser Länder, die nicht nur höchst undemokratisch regiert werden, sondern brutale Ausbeutung von Gastarbeitern aus Ländern wie Bangladesch, Indien, Pakistan und Sri Lanka betreiben, wir haben bereits darüber berichtet.

Davon bekommen Dubai-Touristen, die sich in der Sonne bräunen, und von diesen Gastarbeiten in den Hotels bedienen lassen, in der Regel nichts mit.


Dubai und ahnungslose Touristen. Screenshot: Dr. v. Paleske

Dazu gesellt sich noch eine recht gewalttätig auftretende Polizei (ein britischer Tourist wurde auf einer Polizeiwache offenbar zu Tode geprügelt), und eine Justiz, die auch mal foltert, und säumige Schuldner ins Gefängnis steckt. Das gab es auch einmal in Europa – im Mittelatler, mit seinen Schuldentürmen (Schuldgefängnissen) für Schuldner.

Der Fall Prof. Cyril Karabus
Aber auch an den Haaren herbeigezogene Vorwürfe, insbesondere dann, wenn sie von Einheimischen erhoben werden, und die Beschuldigten Ausländer sind, können rasch zu einer Verhaftung führen..

Diese Erfahrung musste jüngst der ehemalige Direktor der Kinderonkologie im hoch angesehenen Red Cross War Memorial Children’s Hospital in Kapstadt / Südafrika, Professor Cyril Karabus (78), machen.


Prof. Cyril Karabus

Ich kenne Cyril Karabus seit den 90er Jahren, als ich einige krebskranke Kinder ihm zu Behandlung nach Kapstadt überwies. Eine Koryphäe auf seinem Gebiet und menschlich ganz hervorragend.

Auch die Eltern der von mir überwiesenen Kinder waren ausserordentlich zufrieden .

Im Jahre 2003 übernahm Prof. Karabus eine onkologische Urlaubsvertretung in einem Krankenhaus von Abu Dhabi .
Eines der von ihm behandelten Kinder verstarb an einer therapierefraktären Leukämie. Details siehe hier.

Die Eltern des verstorbenen Kindes stellten Strafanzeige wegen Totschlags. Eine Anklage wurde aber erst nach der Abreise von Karabus erhoben, der von diesen Vorgängen gar nichts mitbekam. Er wurde in Abwesenheit wegen Totschlags zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Das Urteil gelangte nie zu seiner Kenntnis, auch bekam er im Ermittlungsverfahren nie die Chance, die Vorgänge aus seiner Sicht zu erläutern.

Ein Auslieferungsantrag wurde seitens der Regierung von Abu Dhabi ebenfalls nicht gestellt.

Als Prof. Karabus im August vergangenen Jahres in Dubai auf der Rückreise von Kanada nach Südafrika eine Zwischenstation machte, verhaftete ihn die Polizei.

Nach mehreren Monaten Untersuchungshaft dann schliesslich der Strafprozess, der mit einem Freispruch endete. Der Totschlagsvorwurf löste sich in Luft auf. Frei kam Karabus trotzdem nicht: Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein.

Proteste gegen die Verhaftung
Mittlerweile hatten etliche Kollegen und Patienten bzw. deren Angehörige gegen die Verhaftung protestiert.

Die südafrikanische Regierung intervenierte schliesslich über diplomatische Kanäle.
Gestern nun der erneute Freispruch in der Berufung.

Glück im Unglück
Es handelt sich keineswegs um einen Einzelfall. Karabus hatte dabei noch das Glück, nicht gefoltert worden zu sein, denn dies gehört offenbar ebenfalls zum Tagesgeschäft der dortigen Polizei und Strafverfolgungsbehörden, wie drei junge Briten jetzt feststellen mussten, die zu einem Kurztrip nach Dubai gereist waren.

Ein Land, wo der Austausch von Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit nicht das freudige Wohlwollen der Gesetzeshüter zur Folge hat, sondern eine Strafverfolgung.

Gleiches gilt für den Konsum selbst von weichen Drogen wie Cannabis, ein Vorwurf, der den drei Briten gemacht wurde, und deren Geständnisse offenbar mit Elektroschocks und Androhung der Erschiessung erpresst wurden.

Schliesslich unterschrieben sie angeblich in Arabisch abgefasste Geständnisprotokolle, die nicht übersetzt worden waren.

Gestern wurde jeder der Angeklagten von einem Gericht in Dubai zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.


Die drei Briten …..offenbar gefoltert. Screenshot: Dr. v. Paleske

Um es klar zu machen: Hier wird nicht dem Drogenkonsum das Wort geredet. Ausserdem: andere Länder bestrafen Drogenkonsum noch härter als Dubai und die UAE, den Drogenhandel sogar mit der Todesstrafe, wie z.B. Malaysia. Was hier an den Pranger gestellt wird ist die Erpressung von Geständnissen mittels Folter.

Medical Association warnt
Die South African Medical Association (SAMA) und die World Medical Association (WMA) warnen mittlerweile davor, sich für Arztstellen – auch vertretungsweise – in Dubai und den Emiraten anheuern zu lassen.

Diese Empfehlung kann nach diesen jetzt bekannt gewordenen Vorwürfen auch Touristen gegeben werden. Schon die brutale Ausbeutung der Gastarbeiter sollte eigentlich Grund genug sein, einen Bogen um diese Scheichtümer zu machen, deren undemokratische Regierungen trotz allem von der westlichen Welt hofiert werden. Geld stinkt ja bekanntlich nicht.


UAE-Herrscher Sheikh Khalifa bin Zayed Al Nahyan …..vom Westen hofiert. Screenshot: Dr. v. Paleske

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Vereinigte Arabische Emirate: Eine Söldnertruppe gegen den arabischen Frühling
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