Medizin

Wie gefährlich ist das neue Corona-Virus NCoV?

Dr. Alexander von Paleske — 14.5. 2013 —- 28 Infizierte, 18 Tote – täglich erscheinen neue Schreckens-Zahlen. Aber wie gefährlich ist das Virus tatsächlich? Wie gross ist insbesondere die Ansteckungsgefahr?

Zunächst zum Virus:
Es handelt sich um ein Coronavirus, benannt nach den Spikes auf seiner Aussenhülle.


Corona-Virus (schematisch)


Corona Virus – EM-Aufnahme

Bei Vögeln und Säugetieren sind Coronaviren als Erreger von schwerer Bronchitis und Gastroenteritis (Magen-Darminfektionen) bekannt.

Bis zum Auftreten der SARS-Epidemie 2002 / 2003, die ebenfalls durch ein bis dahin nicht als humanpathogen bekanntes Coronavirus ausgelöst wurde, waren nur 4 Typen von humanpathogenen Coronaviren bekannt, die bei Menschen die oberen Atemwege befallen, aber vergleichsweise nur milde Erkrankungen hervorrufen.

Diese Corona-Viren werden für 10-25% aller Schnupfenfälle, Enzündungen des Rachens und des Mittelohres verantwortlich gemacht.

Auch der Magen-Darmtrakt kann befallen werden, und ganz selten kann eine schwerst verlaufende sog. nekrotisierende Darmentzündung bei Neugeborenen hervorgerufen werden.

Die neuen humanpathogenen Corona-Viren
Sowohl das SARS-Corona-Virus, als auch das jetzige NCoV waren offenbar bei Fledermäusen verbreitet, die diese Viren offenbar auf eine oder mehrere andere Tierarten übertrugen, und diese dann auf den Menschen.

Zur Übertragung von Fledermäusen auf Tiere, bzw. von befallenen Tieren auf Menschen müssen Mutationen stattgefunden haben, die eine Adaption zunächst an eine andere Tierart und dann an den Menschen ermöglichten.

Bei der SARS-Infektion waren es Zibetkatzen, beim neuen NCoV ist der Übertragungsweg bisher nicht geklärt. Möglicherweise sind es auch hier wieder Haustiere.

Die bisher bekannt gewordenen Zahlen lassen zwei Schlüsse zu:

1. Die Übertragungsrate ist offenbar gering, aber anders, als zuerst angenommen, ist die direkte Übertragung von Mensch zu Mensch möglich. Dafür ist allerdings eine körperliche Nähe zu der Infizierten Person erforderlich, vermutlich weil eine grössere Menge infektiösen Material erforderlich ist (Tröpfcheninfektion nach Niesen und Husten ). Vermutlich auch, weil das Virus ausserhalb der Körpers nicht überlebensfähig ist.

2. Die Letalität, d.h. der Prozentsatz der Infizierten, der an der Infektion stirbt ist aber sehr hoch, insbesondere wenn der Patient noch an anderen Erkrankungen wie z.B. Diabetes leidet.

Das Virus vermehrt sich erst in den oberen Atemwegen (Nase, Rachen), alsdann findet ein Etagenwechsel in die Lunge statt, mit einer schweren Lungenentzündung bis zum Respiratory Distress Syndrom, dem Lungenversagen.

Bakterielle Superinfektionen können komplizierend hinzukommen.
Auch die Nieren können befallen werden, mit der Folge des Nierenversagens.

Bei der SARS-Epidemie im Jahre 2002 /2003 war es genau umgekehrt: Die Ansteckungsrate war hoch, das Virus war ausserhalb des Körpers für 1-2 Tage überlebensfähig, die Letalität (Todesrate) betrug jedoch „nur“ 10%.

Praktisch bedeutet das, es könnte gelingen, die Ausbreitung der neuen Infektion unter Kontrolle zu bekommen. Von den Kontaktpersonen der Infizierten – insgesamt weit mehr als Hundert -sind bisher nur wenige infiziert worden.

Eine konsequente Isolierung der Patienten und Überwachung der Kontaktpersonen ist jedoch zwingend notwendig.

Allerdings ist die Identifizierung der Tierspezies, die als Überträger wohl verantwortlich ist, nicht weniger dringend. Eine Spezies, die möglicherweise gar nicht an der Infektion verstirbt.

Solange der Übertragungsweg nicht geklärt ist, kann es weiterhin zu vermuteten Tier—Mensch Neuinfektionen kommen.

Die effektive Beherrschung des Ausbruchs setzt auch voraus, dass es bei der gegenwärtigen Infektiosität des Virus bleibt, also nicht zusätzliche Mutationen die Infektiosität steigern.

Die nächsten Wochen werden hoffentlich weitere Aufklärung bringen. Und damit eine effektive Kontrolle.

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