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US-Präsident Obama kommt nach Afrika: Kein Afrikaner, auch kein Berliner, sondern eine Enttäuschung

Dr. Alexander von Paleske — 26.6. 2013 —–
US-Präsident Obamas erste grössere Reise nach Afrika beginnt heute: sie führt ihn in nur wenige Staaten des schwarzen Kontinents: Senegal, Südafrika und Tansania.


Screenshot: Dr. v. Paleske

Um Krisenstaaten wie die Demokratische Republik Kongo (dort tobt im Osten der Krieg mit Söldnern des Nachbarlands Ruanda), und Nigeria (dort wütet im Norden die Salafisten-Jihadistengruppe Boko Haram) macht er einen Bogen.

Das Geburtsland seines Vaters, Kenia, kommt aus zwei Gründen offenbar nicht in Betracht:

– Aus dem Bürgerkriegsland Somalia eingesickerte Terroristen erhöhen das Risiko.

– Der neugewählte kenianische Staatspräsident Uhuru Kenyatta ist vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zusammenhang der gewalttätigen Auseinandersetzungen nach den Wahlen im Jahre 2008 angeklagt.

Begeisterung verflogen
Gross war die seinerzeit die Begeisterung in Afrika, nicht nur in Kenia, nach Obamas erster Wahl zum US Präsidenten im Jahre 2008: ein Halbafrikaner, Kind eines Kenianers und einer US-amerikanischen Mutter schafft es ins Weisse Haus: Yes, we can.

Obama steht ausserdem herkunftsmässig den Afrikanern viel näher, als die meisten US –Afro-Amerikaner, deren Vorfahren im 18. und 19 Jahrhundert als Sklaven in die USA geschafft worden waren.

Enttäuschung statt Hoffnung
Die Hoffnungen, die Obama weltweit mit seiner Wahl erzeugte, sind aber längst der Enttäuschung gewichen, nicht nur in der westlichen Welt
Hauptgründe:

– Drohnenkrieg mit Tötung vieler unbeteiligter Zivilisten.

– Fortsetzung von Guantanamo.
,
– Kriegsteilnahme in Libyen.

-Verschärfung des Syrienkonflikts.

– Ausspähung sowohl der eigenen Bevölkerung, wie auch des internationalen Datenverkehrs.

Obama hat mehr aus innenpolitischen Gründen, als aus aussenpolitischen Erwägungen bisher – von einem nur Stunden dauernden Kurzbesuchs Ghanas und Ägyptens abgesehen – einen Bogen um Afrika gemacht: Immer wieder tauchten gefälschte Geburtszeugnisse auf, die belegen sollten, dass Obama in Wirklichkeit in Kenia zur Welt kam, also gar kein US-Bürger ist. Vorneweg in dieser Schmutzkampagne der Casino-Magnat Donald Trump.
Nun, wo er nicht mehr zu einer Wiederwahl antreten muss, kommt er also. Spät, zu spät um noch mit dem von ihm bewunderten Nelson Mandela zu sprechen, der komatös im Sterben liegt.

100 Millionen für einen Trip
100 Millionen US-Dollar kostet dieser Trip. Mehr als einige afrikanische Länder zusammen von den USA als Entwicklungshilfe bekommen. Verschlungen von extremen Sicherheitsvorkehrungen: von begleitenden Kampflugzeugen in der Luft, die auf einem parallel schippernden Flugzeugträger im atlantischen Ozean starten, bis zu bis zu einer Fahrzeugflotte von über 50 Fahrzeugen.

Dazu noch Panzerglasverkleidung für die Hotels, wo der Präsident übernachtet, und ein kleines Spital mit US-Personal darf auch nicht fehlen.

China längst da
500 Vertreter der Wirtschaft begleiten den Präsidenten. Neben den Ölinteressen gerade in den Ländern, die Obama nicht besucht, und deren Wahrung insbesondere auch das in Stuttgart stationierte US Africa-Command dient, sind die US-Firmen auf der Suche nach Absatzmärkten für ihre Produkte, auf einem Kontinent mit grossem Wirtschaftswachstum, vor allem dank des enormen Rohstoffreichtums.

Aber ökonomisch hat China längst die USA in Afrika überholt, gepaart mit einer strikten Nichteinmischungspolitik, grosszügiger Entwicklungshilfe und Kreditvergabe, und regelmässigen sino-afrikanischen Gipfeln in China.

Jährliches Handelsvolumen USA – Afrika: 91 Milliarden US Dollar

Jährliches Handelsvolumen China – Afrika: 200 Milliarden US Dollar

Allerdings braut sich mittlerweile einiger Hass in afrikanischen Ländern gegen die Chinesen zusammen. So zuletzt in Ghana.

Im Schlepptau der sehr begrüssten chinesischen Entwicklungshilfe versuchen eine ganze Reihe Chinesen in Afrika sesshaft zu werden, mit durchaus unerwünschten Aktivitäten wie dem illegalen Goldschürfen, so jüngst in Ghana, und der Eröffnung von Shops in fast jedem Dorf, wie in Botswana, die dann in Konkurrenz zu lokalen Gewerbetreibenden treten. Das schafft böses Blut.


Verhaftete illegale chinesische Goldschürfer in Ghana – Screenshot: Dr. v. Paleske

Davon dürften die USA aber kaum profitieren.

So wird es nach dem Besuch dieser Riesendelegation verbunden mit einem Riesenaufwand wohl eher heissen: Ausser Millionen-Spesen nichts gewesen.

Zum US Africa-Command (Africom)
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