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Schlachthaus Syrien – Chaospolitik des Westens

Dr. Alexander von Paleske 15.7. 2013 —- Als die ersten Demonstrationen in Syrien begannen, konnten sich Politiker Europas und der USA nicht sattsehen daran. Der Funke des arabischen Frühlings war auf Syrien übergesprungen – glaubten sie – mit den Forderungen nach politischer Freiheit, freien Wahlen und der Forderung nach dem Rücktritt des Diktators Bashar al-Assads.

Als sich aus den Demonstrationen schliesslich der volle Bürgerkrieg entwickelte, gefördert durch die brutale Antwort der syrischen Regierung, und die Rebellen schliesslich Teile des Landes unter ihre Kontrolle bringen konnten, da gab es bereits Prognosen über den Fall des syrischen Präsidenten, insbesondere als die bewaffneten Auseinandersetzungen auch auf die Hauptstadt Damaskus übergriffen.

Al Qaida tritt auf den Plan
Schon damals hätte allerdings stutzig machen müssen, dass es die ersten Autobombenanschläge gab, welche deutlich die Handschrift von Al Qaida trugen.

Warnungen des syrischen Präsidenten über die Präsenz von Al Qaida wurden als Regierungspropaganda abgetan. Stattdessen wurde darüber diskutiert, wie den Rebellen nicht nur humanitär, sondern vor allem mit Waffenlieferungen geholfen werden könnte

Es hätte aber nahegelegen, mit Russland darüber zu verhandeln, wie dieser Konflikt ohne weiteres Blutvergiessen gelöst werden kann, und dann die Konfliktparteien an den Verhandlungstisch zu bringen.

Aber der Westen glaubte, mit Assad auch gleich noch einen engen Verbündeten des Iran loszuwerden, über dessen Territorium auch der Waffennachschub für die Hisbollah im Libanon lief.

Saudi-Arabien und Katar versorgen bereits über die Türkei die Rebellen mit Waffen und geben finanzielle Unterstützung.
In Europa machte sich allen voran die britische Regierung Cameron / Clegg für Waffenlieferungen stark, aber auch Frankreich erkannte die Rebellenbewegung als einzige legitime Vertretung des syrischen Volkes an.

Die Schreckensbilanz
Mittlerweile

– sind mehr 100.000 Menschen in dem Konflikt gestorben, in der Mehrzahl Zivilisten

– sind 1 Million Menschen in Nachbarländer geflüchtet

– hat sich die zu Al Qaida bekennende Gruppe Al Nusra als erfahrene und bestimmende militärische Kraft – auch für Selbstmord- Bombenattentate – in der Aufstandsbewegung fest verankert

– gehören auch salafistische Kampfgruppen zur Rebellenarmee (Syrische islamistische Front, SIF; syrische Befreiungsfront, SLF)

Kampf für den Gottesstaat
Die Forderungen nach militärischer Unterstützung der Free Syrian Amy (FSA) sind zur Zeit allerdings etwas leiser geworden, denn nun stellt sich heraus, dass Jihadisten und Salafisten, unterstützt von jihadistischen Kriegsreisenden aus dem Irak und von andesrswo, sich als die kampffähigste Truppe entpuppt haben, deren Ziel es ist:

– Einen Gottesstaat zu errichten, in dem weder die Religionsfreiheit, die in Syrien Tradition hat, noch politische Freiheiten vorgesehen sind, von einer Demokratie ganz zu schweigen. Zielrichtung vielmehr: Mittelalterliches Kalifat.

– Auf dem Wege dorthin der vom Westen favorisierten FSA, in der sich auch viele säkulare Kräfte zusammengefunden haben, auch einige Schiiten (Alawiten), und die vorgeblich für die Einführung der Demokratie – nicht aber für einen Gottesstaat – kämpfen, den Garaus zu machen.

Top FSA Kommandeur ermordet
Am vergangenen Donnerstag wurde als Auftakt der Top-Kommandeur der FSA, Kamal Hamani, von Jihadisten erschossen.


Kamal Hamani Screenshot: Dr. v. Paleske

Die Gotteskrieger kündigten zudem an, die gesamte Führung der FSA einen Kopf kürzer machen zu wollen.

Als Folge davon sind bereits erste Kämpfe zwischen den Jihadisten und Salafisten einerseits und den Kämpfern der FSA andererseits ausgebrochen. Eine zweite Front im Bürgerkrieg ist eröffnet. Und in dieses Chaos wollen verantwortungslose westliche Politiker auch noch Waffen liefern.

Die Salafisten / Jihadisten kontrollieren bereits grössere Teil Nordsyriens, und haben eine eigene Verwaltung eingerichtet: Vor allem islamische Gerichtsbarkeit und Religionspolizei.


Das islamische Gericht unter Vorsitz eines Salafisten tagt
Screenshot: Dr. v. Paleske

Die angebliche Beleidigung des Propheten Mohammed durch einen Jungen, der an einem Kaffeestand sich weigerte, den salafistischen Kämpfern kostenlos Kaffee auszuschenken „den würde er kostenlos noch nicht einmal dem Propheten Mohammed reichen“ wurde sogleich bestraft – mit der Todesstrafe, wegen „Blasphemie“, die auch gleich vollstreckt wurde. Ankläger, Richter und Henker waren die Kämpfer, die keinen freien Kaffee bekamen.


Wollte selbst Mohammed keinen Freikaffee geben – Todesurteil wegen „Blasphemie“ Screenshot: Dr. v. Paleske

Auch die Religionspolizei ist dort mittlerweile unterwegs, wie in Saudi-Arabien. Sie sorgt dafür, dass niemand gegen die strengen Regeln des Islam verstösst, und, wer es dennoch tut, vor ein islamisches Gericht gezerrt wird.

Statt die Fehler einzugestehen, und nun schleunigst zusammen mit Russland sich um eine Friedenslösung zu bemühen, schauen westliche Politiker dem Gemetzel zu, einige Unbelehrbare möchten nach wie vor Öl in das Feuer dieses Konflikts giessen..

Nur ein Ausweg
Es gibt nur einen Ausweg, dieser Schlächterei und Totalzerstörung Syriens endlich ein Ende zu bereiten: Eine Verhandlungslösung mit allen Konfliktparteien (minus Al Qaida) plus Iran, Russland und westliche Länder.

Nur eine Verhandlungslösung kann verhindern, dass das Elend der Zivilbevölkerung weiter andauert, Al Qaida permanent sich dort einnistet und Syrien ins permanente Chaos sinkt.

Die Salafisten wollen an die Macht – oder: hat der Herbst des arabischen Frühlings schon begonnen, oder gar der Winter?

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