Entwicklungshilfe

Norwegen nach der Wahl: Was bleibt von der Unterstützung von Gesundheitsprojekten in der Dritten Welt?

Dr. Alexander von Paleske —– 13.9. 2013 —
Norwegen ist mit seinen rund 5 Millionen Einwohnern, pro Kopf gerechnet, eines der reichsten Länder der Welt: In den Tresoren des Investment-Arms der Norges-Bank,
welcher die Auslandsinvestitionen des Statens-Pensjonsfond steuert, und damit die nachhaltige Verwendung der Einnahmen aus der Erdöl- und Gasförderung garantieren soll, befindet sich der Investitions-Schatz in Höhe von 737,2 Milliarden US Dollar.

Pro Woche kommt 1 Milliarde hinzu, die neu investiert wird.


Jede Woche 1 Milliarde – Investmentbanker der Norges Bank. Screenshot: Dr. v. Paleske

Und so besitzt die als Notenbank fungierende Staatsbank Norwegens bzw. der Statens-Pensjonsfond rund 2% aller Aktien gelisteter Unternehmen in Europa, und 1% der gesamten Welt.

Durch Finanzkrise kaum beeinträchtigt
Die Finanzkrise hat dieser Staatsfond gut überstanden, da die Investments alle langfristig angelegt sind und deshalb keinerlei Notverkäufe getätigt werden mussten.

Mit dem Staatsfond soll Vermögen angesammelt werden für die Zeit, wenn die enormen Öl-und Gasreserven des Landes, aus denen seit 1979 der Reichtum des Landes sprudelt, erschöpft sind.


Noch sprudeln sie: Ölplattform vor norwegischer Küste. Screenshot: Dr. v. Paleske

Reichtum und Verantwortung
Mit diesem schier unermesslichen Reichtum kommt Verantwortung, sollte man meinen. Verantwortung nicht nur für das Land selbst.
So sahen es auch die regierende Arbeiterpartei, die mit Sozialisten und der ökologischen Zentrumspartei in einer Koalition in den letzten 9 Jahren die Regierung stellte.

Die norwegische Regierung mit dem Premier Jens Stoltenberg an der Spitze, zeichnete sich durch grosses Engagement bei der Unterstützung von Gesundheitsprojekten in bzw. für die / der Dritten Welt aus: Die Globale Allinaz für Wirkstoffe und Immunisierung (GAVI), die sich um die Finanzierung von Impfprogrammen insbesondere in 3. Welt Ländern kümmert, erhielt 1,4, Milliarden US Dollar, und machte Norwegen damit zur drittgrössten Gebernation nach Grossbritannien und Frankreich.

Der Global Fund zu Bekämpfung von Malaria, Tuberkulose und HIV / AIDS erhielt 500 Millionen, deutlich mehr als Deutschland bereitstellte.

Die Regierung erklärte darüber hinaus, Global Health zu einem Schwerpunkt ihrer Aussenpolitik zu machen.

Nun Geschichte
Das muss angesichts des Wahlergebnisses wohl als Geschichte bezeichnet werden, denn am 9. September fanden Wahlen in Norwegen statt, welche die Arbeiterpartei verlor. Sie blieb zwar stärkste Partei, noch vor den Konservativen, aber das bisherige Regierungsbündnis kommt zusammen nur noch auf rund 40% der abgegeben Stimmen.

Die Konservativen unter Erna Solberg, auch „Eiserne Erna“ genannt, streben eine Koalition mit Christdemokraten, Liberalen und den Rechtspopulisten an. Erstmals wären damit die Rechtspopulisten mit dem irreführenden Namen „Fortschritts-Partei“ an der Regierung beteiligt.

Dritte Welt und Global Health sind Themen, die diese Parteien – wenn überhaupt – bestenfalls am Rande interessieren.
Ihr Schwerpunkt ist vor allem: Wie Norwegen freihalten von Asylsuchenden und Immigranten. Darüber hinaus die Arbeitslöhne zu senken.

Auch Andreas Behring Breivik
Auch Anders Behring Breivik, der Massenmörder, war einst Mitglied der Fortschrittspartei, wo er sozusagen politisch „auf Vordermann“ gebracht wurde, bevor er dann noch weiter nach rechts abdriftete.

Keine guten Nachrichten vom Land hoch im Norden – nicht nur für Norwegen.

Zum Global Fund
Global Fund: Neuer Chef – alte Probleme?
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Global Fund: Erreichen alle Gelder der Geldgeber die richtigen Empfänger?

Zur GAVI und Deutschlands Beitrag
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Ein Gedanke zu “Norwegen nach der Wahl: Was bleibt von der Unterstützung von Gesundheitsprojekten in der Dritten Welt?

  1. „Auch Anders Behring Breivik, der Massenmörder, war einst Mitglied der Fortschrittspartei, wo er sozusagen politisch „auf Vordermann“ gebracht wurde, bevor er dann noch weiter nach rechts abdriftete.“

    Sie erwecken vermutlich absichtlich den Eindruck, dass die Partei für Breiviks Taten zumindest mitverantwortlich ist. Ihre Formulierung halte ich für unseriös, genau so wie die immer wiederkehrende Bezeichnung „Rechtspopulisten“ in den Medien. Seltsamerweise scheint es aber gleichzeitig die Spezies der „Linkspopulisten“ nicht zu geben.

    Was spricht eigentlich dagegen, dass sich die Norweger mehr um die eigenen Probleme kümmern wollen? Warum sollen nicht reiche Ölexportländer wie Saudi Arabien, Iran, die VAE oder Nigeria verantwortlich sein? Nigeria ist ein afrikanisches Land, die anderen Länder liegen in der Nachbarschaft, warum sollen die sich nicht darum kümmern?
    Die Europäer sind ja ohnehin im Dauerrettungseinsatz für was weiß ich alles. Die Norweger scheinen da vernünftiger zu sein als wir, bleibt zu hoffen, dass die „eiserne Erna“ auch eisern bleibt, damit das Beispiel Schule macht.

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