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China baut Afrikas Eisenbahnen

Dr. Alexander von Paleske —- 3.12. 2013 –


Es waren und sind gewaltige Vorhaben:

– Die Rehabilitierung der Benguela-Eisenbahn (Caminho de Ferro de Benguela) in Angola, und

– der Neubau einer ostafrikanischen Eisenbahn, die Kenia mit Uganda, Ruanda und dem Südsudan verbinden wird.

Geschichte der Benguelabahn
Die Benguelabahn, 1322 km lang, die den angolanischen Atlantikhafen Lobito mit der rohstoffreichen Südprovinz Katanga der Demokratischen Republik Kongo verbindet, dann weiter bis zum Kupfergürtel Sambias, war 1929 fertiggestellt.


Benguelabahn

Während des angolanischen Bürger- (Stellvertreter-)krieges 1975 – 2002 wurde die Strecke weitgehend zerstört. Die letzten Züge fuhren 1983.

Im Jahre 2008 wurde mit der Rehabilitierung der Trasse begonnen. Im November 2013 wurde das letzte Teilstück bis zu Grenzstation Luau wiederhergestellt. Teilstücke, wie das zur Provinzhauptstadt Huambo bereits vor zwei Jahren.


Zug der Benguelabahn

Gesamtkosten: Rund 2 Milliarden US Dollar, wozu nicht nur die Rehabilitierung der Strecke selbst gehörte, sondern auch die Räumung von tausenden von Minen, Überbleibsel aus dem Bürgerkrieg.

Es war einmal
Die EU und Belgien zeigten Ende der 80er Jahre grosses Interesse am Wiederaufbau, wie ein Bericht in der ZEIT vom 16.10. 1987 zu vermelden wusste. Dazu sollte zunächst eine Studie angefertigt, und dann über die Gewährung von Krediten entschieden werden.

Der weiter laufende Bürgerkrieg hat das zur Makulatur werden lassen.

Bei der jetzigen Rehabilitierung spielten die EU bzw. einzelne europäische Länder keine Rolle mehr.

China tritt auf den Plan
Mittlerweile sind bei der Rehabilitierung der Benguelabahn , wie auch sonst überall in Afrika, längst die Chinesen auf den Plan getreten, die selbst riesige Entwicklungsprojekte durch chinesische Banken vorfinanzieren, und durch chinesische Firmen ausführen lassen.

Eine internationale Ausschreibung kommt gar nicht in Frage.

Die projektgebundenen Gelder werden auch nicht an die jeweiligen Regierungen überwiesen, sondern die Entwicklungsprojekte vollständig in eigener Regie ausgeführt, sodass ein Abzweigen von Geldern durch korrupte Regierungsmitglieder ausgeschlossen ist.
Angola zahlt die Kredite mit Öllieferungen zurück.

Ein Blick zurück
Der Beginn von Chinas Eisenbahnbau in Afrika datiert nicht etwa aus den letzten Jahren, wie viele andere Entwicklungsprojekte in Afrika, sondern begann bereits mit dem Bau der Uhuru-Tazara-Eisenbahn, 1800 km lang, die den tansanischen Hafen Dar-es- Salam mit dem Kupfergürtel Sambias verbindet.

Die Weltbank lehnte im Jahre 1965 einen Antrag Sambias und Tansanias ab, den Bau der Strecke zu finanzieren.

Es handelte sich um ein hochpolitisches Projekt, denn Sambia wollte für den Abtransport seines Kupfers von der Eisenbahnlinie durch das damalige Südrhodesien und Apartheid- Südafrika bzw. die portugiesische Kolonie Mozambique unabhängig werden.

Das war den westlichen Geberländern in der Weltbank herzlich gleichgültig, unterstützten sie doch ohnehin nach Kräften die weissen Regierungen in diesen Ländern, und der Tar-Baby-Report des US- Aussenministeriums sagte 1970 noch ein jahrzehntelanges Weiterbestehen dieser Zustände voraus – ein gewaltiger Irrtum, wie sich alsbald zeigen sollte.

Damals sprang China, zu diesem Zeitpunkt selbst noch ein Entwicklungsland, ein, schickte 40.000 Arbeiter und Ingenieure, die dieses gigantische Vorhaben in weniger als 10 Jahren vorfristig fertigstellten.

Jetzt Baubeginn in Kenia
In der vergangenen Woche, am 28.11. 2013 wurden in Kenia offiziell die Bauarbeiten an der neuen ostafrikanischen Eisenbahn begonnen, in Anwesenheit des kenianischen Staatspräsidenten Uhuru Kenyatta und hoher chinesischer Regierungsvertreter.


Feierlicher Baubeginn – Screenshots: Dr. v. Paleske

Diese Eisenbahnlinien, ein Multi-Milliarden-Dollar-Projekt, werden nach ihrer Fertigstellung vom kenianischen Hafen Mombasa aus über die Hauptstadt Nairobi nach Uganda, Ruanda und schliesslich in den Südsudan reichen.

Zwar verbindet bereits jetzt eine Eisenbahnlinie die Hafenstadt Mombasa mit Uganda, über die kenianische Hauptstadt Nairobi, eine aus der Kolonialzeit stammende, mittlerweile ziemlich verrottete Trasse. Für die 480 km lange Strecke von Mombasa nach Nairobi brauchen die Züge 12 Stunden oder mehr.

In Deutschland finden diese gigantischen Vorhaben in den Medien praktisch keine Erwähnung, das gilt auch für den Baubeginn der ostafrikanischen Eisenbahn in der letzten Woche.

Europa Addio
Vor 47 Jahren kam der italienische Film „Africa Addio“ des Regisseurs Gualtiero Jacopetti in die Kinos. Er zeigt Afrika in der frühen Phase des Postkolonialismus als reine Apokalypse mit Massentötungen, marodierenden Söldnerhaufen, unter ihnen auch der Deutsche Kongo-Müller. Rassismus auf der Leinwand, wobei geflissentlich unterschlagen wurde, welch üble Rolle z.B. Belgien im postkolonialen Zaire/Kongo gespielt hat, beginnend mit der Ermordung des ersten Premiers nach der Unabhängigkeit, Patrice Lumumba,

Heute liesse sich problemlos ein Film drehen mit dem Titel : „Europa addio“. Material für diesen Film wäre reichlich vorhanden.

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