afrika

Nelson Rolihlahla Mandela 1918 – 2013

Dr. Alexander von Paleske — 6.12. 2013 —


Geboren im letzten Jahr des ersten Weltkriegs, war seine Jugend durch seine Zugehörigkeit zum Königshaus der Thembu geprägt, das zum Volk der Xhosa gehört.

Nach Schulbesuch und einem Studium in Fort Hare, wo eine ganze Reihe zukünftiger schwarzer afrikanischer Staatsmänner studierte, und wo er politisiert wurde, zog er nach Johannesburg, fand Anschluss an Persönlichkeiten des Afrikanischen Nationalkongresses wie Oliver Tambo, Walter Sisulu, Govan Mbeki, und wurde Gründungsmitglied der ANC-Jugendliga. Weitere Details siehe hier
Zusammen mit Oliver Tambo gründete er die erste schwarze Anwaltskanzlei in Johannesburg.

Friedliche Kampagnen ohne Ergebnis
Mandela mit-organiserte die erste grosse gewaltfreie Demonstration gegen das 1948 eingeführte Apartheidsystem, die Defiance Campaign im Jahre 1952.

Die folgenden friedlichen Kampagnen des ANC, und deren gewaltsame Unterdrückung insbesondere das Massaker von Sharpeville, führten zur Radikalisierung, und schliesslich zum Beginn des bewaffneten Kampfes mit Bombenanschlägen und der Bildung der Untergrundarmee Umkhonto we Sizwe. Weitere Details siehe hier

Lebenslänglich
Im Rivonia Prozess 1963 / 1964 wurden Nelson Madela, Walter Sisulu, Govan Mbeki und weitere Führungsmitglieder des ANC wegen Hochverrats zu lebenslanger Haft verurteilt. Mandela war zu diesem Zeitpunkt 45 Jahre alt.

In seinem Schlusswort sagte Mandela:

Ich habe gegen weiße Vorherrschaft gekämpft, ich habe gegen
schwarze Vorherrschaft gekämpft. Ich schätze die Ideale einer
demokratischen und freien Gesellschaft, in der alle in Harmonie und
mit gleichen Möglichkeiten leben. Dies ist ein Ideal, für das ich
hoffe zu leben und es erreichen. Aber wenn notwendig, bin ich bereit,für dieses Ideal zu sterben.»

Er verbrachte die nächsten 27 Jahre im Gefängnis, den grössten Teil davon unter harschen Bedingungen auf der Gefängnisinsel Robben Island.

Sprecher und Symbolfigur
Der Gefängnisaufenthalt konnte seine Entschlossenheit und die seiner Mitgefangenen in ihrem Freiheitswillen, und in ihrer Überzeugung, für eine gerechte Sache zu kämpfen, nicht brechen.

Im Gefängnis war Mandela deren unumstrittener Sprecher, ausserhalb wuchs er zur Symbolfigur des Befreiungskampfes gegen das Apartheidregime.

Mandela lernte nicht nur die Sprache seiner Unterdrücker, Afrikaans, sondern er lernte auch, wie die Buren „ticken“, die oft genug ihren ganzen Sadismus an den Gefangenen ausliessen.

Vom Gefängnis direkt zur Grosskundgebung
Im Alter von 71 Jahren wurde er aus dem Gefängnis entlassen, Stunden nach seiner Entlassung trat er bereits vor 60.000 Menschen in Kapstadt auf.

Im Alter von 75 Jahren wurde Mandela 1994 nach den ersten freien und allgemeinen Wahlen schliesslich der erste demokratisch gewählte Staatspräsident Südafrikas.

Westliche Politiker wie US Präsident Ronald Reagan, Maggie Thatcher und Dick Cheney verunglimpften ihn noch in den 80er Jahren als Terroristen, der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauss unterhielt bis zu seinem Tode 1989 über Jahrzehnte beste Beziehungen zum Apartheidregime.

Eine Präsidentschaft für die Aussöhnung
Mandelas Präsidentschaft dauerte von 1994 bis 1999, eine zweite Amtsperiode lehnte er ab.

Scherzhaft bemerkte er später, die Präsidentschaft sei wie eine „zweiter Gefängnisaufenthalt“ gewesen.

Unermüdlich kümmerte er sich während seiner Regierungszeit um die Versöhnung zwischen Schwarz und Weiss. Die täglichen Regierungsgeschäfte überliess er weitgehend seinem Stellvertreter, Thabo Mbeki.

Dazu gehörten selbst Besuche bei seinem Ankläger aus dem Rivonia Prozess, der Besuch bei der Witwe des Architekten der Apartheit, H.F. Verwoerd, und ein Besuch bei dem ehemaligen Staatspräsidenten P.W. Botha.

Wer den Hass Weiss gegen Schwarz, und Schwarz gegen Weiss erlebt hat – ich habe es selbst noch im Jahre 1990 bei einem Besuch in Südafrika feststellen können – der kann ermessen, welche Leistung er vollbracht hat indem er diese Bombe entschärfte.

Kernpunkt dieser Politik war auch die Einrichtung einer Truth and Reconciliation Commission (TRC), welche die schreckliche Vergangenheit Südafrikas aufarbeitete. Opfer des Unterdrückungsapparates des Apartheidregimes – wozu auch Todesschwadronen gehörten – bzw. deren Angehörige kamen zu Wort. Die Mörder und Folterknechte legten Geständnisse ab. Racheakte, individuelle oder kollektive fanden danach nicht statt .

Leiter dieser Kommission – eine derartige hätte auch Deutschland nach der Wiedervereinigung dringend gebraucht – war der Friedens-Nobelpreisträger Desmond Tutu, einer der engsten Freunde Mandelas.
Die TRC hat zum Ende des Hasses und zur Versöhnung sicherlich nicht weniger beigetragen, als der legendäre Gewinn der Rugby-Weltmeisterschaft im Jahre 1995, Nelson Mandela im Outfit der Springboks überreichte die Trophäe.

Desmond Tutu fasste die Verdienste Mandelas so zusammen:

Without him South Africa would have gone up in flames.

Für die Aids-Opfer und gegen die Aids-Leugner
In den Jahren nach dem Ende seiner Präsidentschaft kümmerte sich Mandela insbesondere um das HIV-Aids-Problem. 5 Millionen Südafrikaner sind mit dem HIV-Virus infiziert, dem auch sein ältester Sohn Makgatho zum Opfer gefallen war. Ein Riesenproblem, das er während seiner Regierungszeit wegen anderer Prioritäten nicht entschieden angepackt hatte.

Mit seiner Kampagne 466 / 64, seiner Häftlings-Nummer auf Robben Island, holte er das nach und sammelte Geld für AIDS-Opfer.

Er positionierte sich damit ganz bewusst in schroffem Gegensatz zu seinem Nachfolger im Amt des Staatspräsidenten, Thabo Mbeki, der sich als HIV-AIDS-Leugner hervortat – unterstützt bei dieser Wahnfahrt auch von dem Kieler Internisten Claus Köhnlein – und Hunderttausenden die Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten verweigerte, ihnen damit den frühen Tod bescherte.

Für den Frieden
Mandela, auch mit seinem Clan-Namen Madiba angeredet, setzte sich während und nach seiner Präsidentschaft für den Frieden ein, so im Kongo 1996, wo er an Bord eines südafrikanischen Kriegsschiffs vor der Küste zwischen den beiden Kontrahenden Laurent Kabila und Mobuto Sese Seko vermittelte: den Exit Mobutus aus der Hauptstadt Kinshasa ohne Blutvergiessen.

Nelson Mandela starb nach langer Krankheit am 5.12. 2013.


Sonderausgabe des STAR heute nachmittag. Foto: Dr. v. Paleske

Es bleibt die Frage, was haben die Staatsmänner der Welt, die in grosser Zahl nun zur Beerdigung anreisen werden, von Mandela gelernt, von seiner Versöhnungspolitik, von seiner Friedenspolitik – er versuchte bis zuletzt in persönlichen Telefonaten den Irakkrieg zu verhindern – und seiner Toleranz?
Präsident Bush beispielsweise nahm Anrufe von ihm nicht mehr entgegen, und als der US-Präsident Südafrika besuchte, lehnte er eine Zusammenkunft mit Mandela ab.

Für Mandela ging es immer nur um Menschen, Frieden und Freiheit. Er kämpfte gegen Rassismus wie Stammesdünkel, und die Macht, die er schliesslich besass, setzte er dafür ein.

Auch blieb er ein Vorbild an Bescheidenheit. Insignien der Macht brauchte er nicht und wollte er nicht.

Während der jetzige Präsident Südafrikas, Jacob Zuma auf Staatskosten sich eine Privat-Riesenresidenz in seinem Heimatort Nkandla bauen lässt, hatte Mandela mit den Einkünften aus dem Verkauf seines Buches „Long Walk to Freedom“ sich ein bescheidenes Haus in seinem Heimatort Qunu in der Transkei errichten lassen, dessen Grundriss dem Haus entspricht, wo er im Victor Verster Gefängnis untergebracht war – der letzten Station seines 27 Jahre langen Gefängnisaufenthaltes.


Zumas Privatresidenz ……mit Staatsgeldern erbaut.


Mandelas Haus in Qunu ……..aus Eigenmitteln finanziert.

1988 schrieb mir ein Freund aus den USA: Wenn der ANC an die Macht kommt, dann wird es in Südafrika Mord und Totschlag geben.
Und nachdem Mandela Präsident wurde schrieb er im Jahre 1996: Mandela scheint ja tatsächlich der Teufelskerl zu sein, für den Du ihn immer gehalten hast.
Von diesen „Teufelskerlen“ gibt es viel zu wenige, und mit dem Tod Mandelas hat die Welt einen der besten verloren.


Anzeigetafel am Flughafen von Kapstadt 6.12. 2013 Foto: Dr. v. Paleske

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