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Mandela, Malema und Gauck – Anmerkungen zu einer Trauerfeier

Dr. Alexander von Paleske —– 13.12.,2013 ——–
Die Trauerfeier für Nelson Mandela, der am Wochenende in seinem Heimatort Qunu beerdigt wird, war einerseits ein angemessener Abschied von einem Weltstaatsmann, sie bot aber gleichzeitig auch einen Vorgeschmack auf die politischen Auseinandersetzungen, die Südafrika bevorstehen.

Protest gegen Staatspräsident Zuma
Die Rede Jacob Zumas, Staatspräsident Südafrikas und Nach-Nach-Nachfolger Mandelas (auf Mandela folgte Mbeki, auf Mbeki dann Motlanthe) wurde von heftigem und unwürdigem Protestgeschrei gestört.


Staatspräsident Jacob Zuma …….ausgebuht

Julius Malema ante portas
Das war nur zum Teil als spontaner Protest gegen den Skandal um die Finanzierung von Zumas Privathaus in Nkandla – wir berichteten kurz darüber – zu verstehen. Es war aber auch zum Teil organisiert von einer Protestbewegung um den abgehalfterten Chef der Jugendliga der Regierungspartei ANC, Julius Malema.

Malema, tief in Korruptions- und Ausschreibungsbetrügereien in seiner Heimatprovinz im Norden Südafrikas verstrickt, der rechtswidrig ein Millionenvermögen angesammelt hatte, wir berichteten darüber, ist ein übler Demagoge, der nach seinem Ausschluss aus der Regierungspartei ANC es geschafft hat, eine neue Bewegung zu gründen, die sich EFF (Economic Freedom Fighters) nennt.


Julius Malema …neues Outfit, alte Vorwürfe

Diese „Freiheitskämpfer“, erkennbar an ihrem roten paramilitärischem Outfit, schwimmen auf einer Welle der Unzufriedenheit der unterprivilegierten Massen in den Townships Südafrikas, wo die Arbeitslosigkeit hoch, und das Programm zur Verbesserung der Wohnungslage nur schleppend vorankommt.

Den ANC-Führern wirft Malema vor, die Interessen der Massen
verraten zu haben und verlangt die Enteignung von Minen, Banken etc.


Malemas „Freiheitskämpfer“

Unterstützung trotz korrupter Vergangenheit
Angesichts Malemas Vorgeschichte kann dies nur als böser Witz angesehen werden, als ein in Demagogie verhüllter Versuch, mit Parolen wieder an die Futtertröge zurückzukehren.

Aber in den Townships warten viele – zu viele – bisher vergeblich auf die Einlösung ihrer mit dem Ende der Apartheid geweckten Hoffnungen, und der von der Regierungspartei Afrikanischer Nationalkongress (ANC) gemachten Versprechungen, während gleichzeitig Korruptionsskandale Schlagzeilen machen, und die Regierungspartei ANC versucht den Medien einen Maulkorb umzuhängen.


Sunday Times (Südafrika) vom 15.12. 2013

Zwar hat Malema keine Chancen – noch nicht – bei den Wahlen nächstes Jahr dem ANC die Mehrheit streitig zu machen, aber in vielen Townships könnte es – mehr als bisher – zu Unruhen kommen.

Nicht nur Zuma und Malema
Aber nicht nur Zuma und Malema haben Mandela offenbar missverstanden, sondern auch die anwesenden Staatsmänner, denn Versöhnung, Vergebung und Friedenspolitik beherzigen sie nicht , wie Mandela es ihnen vorgelebt hat, obgleich sie den Toten als Weltstaatsmann feiern.

Auch der deutsche Bundespräisdent Joachim Gauck hätte es bitter nötig, sich an Mandela ein Beispiel zu nehmen, insbesondere was seine Haltung gegenüber Russland angeht.

Dort hat er sich nicht nur seit seinem Amtsantritt bisher nicht blicken lassen, sondern gleich noch einen weiteren Eklat nachgeschoben: Die öffentliche Bekanntmachung, nicht zu den olympischen Winterspielen nach Sotschi reisen zu wollen.

Unverarbeitetes Kindheitstrauma
Wie die Medien in Deutschland wohl zutreffend berichten, hat seine Russlandabneigung ihre Wurzeln in einem Kindheitstrauma:
Seine Eltern waren beide überzeugte Nazis, seine Mutter trat bereits 1932, also vor der Machtübernahme der Nazis, der NSDAP bei, der Vater folgte 1934 .

Im Jahre 1951 wurde der Vater Gaucks abgeholt und in einem Geheimprozess wegen „Spionage“ zu 25 Jahren Zwangsarbeit in einem sowjetischen Arbeitslager verurteilt. Nach 5 Jahren kam er vorfristig frei, das Ergebnis der Reise Adenauers in die UdSSR 1955.

Jedoch, Gauck konnte und kann nicht akzeptieren, dass dieses offenbare Unrecht nicht nur vergleichsweise gering war, gegenüber dem, was die Nazis gegenüber Bevölkerung der Sowjetunion mit dem Überfall 1941 angerichtet haben, dem rund 20 Millionen Menschen zum Opfer fielen.

Vielmehr dass ohne die Niederlage, welche die die Sowjettruppen der Hitler-Armee, beginnend mit Stalingrad 1942/1943, beibrachten, der Krieg anders verlaufen wäre.

Mit anderen Worten die Sowjettruppen ganz entscheidend zur Niederlage des Faschismus in Deutschland beigetragen haben.

Das möchte Gauck nur allzu gerne vergessen machen, immer wieder auf das Vertreibungsunrecht und die Verbrechen der Kommunisten verweisend.

Was er verlangt ist nicht weniger, als dass Russland diese Verbrechen anerkennt, sich sozusagen entschuldigt.

Mandela nicht verstanden
Wer so, wie der Bundespräsident, auf einem Auge blind ist, der hat in der Tat von Mandela nichts gelernt. Der streckte nämlich, ohne Vorleistungen einzufordern, die Hand zur Versöhnung aus, und hatte tausend mal mehr Gründe als Gauck, Vorleistungen einzufordern.

Joachim Gauck …..auf einem Auge blind

Eine Reise nach Russland heisst ja nicht alles gutzuheissen, was die Regierung Putin dort macht.. Aber es ist auch Respekt vor einem Volk, das unter der Barbarei Deutschlands unendlich gelitten hat.

Nein, diese Staatsmänner loben Mandela während sie gleichzeitig unfähig oder unwillig oder beides sind, seine Prinzipien zum Maßstab für ihr eigenes Handeln zu machen.

Zu Julius Malema
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