Medizin

Volksrepublik China: Prostitution, Gewalt gegen Ärzte und 120. Geburtstag Maos

Dr. Alexander von Paleske — 3.1. 2014 —- Als Mao Zedong (1893-1976) mit seiner Volksbefreiungsarmee 1949 in Beijing einmarschierte, und die Macht übernahm, da begann für die Prostituierten das Ende ihrer Sex-Arbeit.


1949 – Mao proklamiert die Volksrepublik China

Der Arzt George Hatem schloss innerhalb von 48 Stunden 244 Bordelle in Beijing, und behandelte danach die Geschlechtskrankheiten der dort arbeitenden Prostituierten. Fortan war die Prostitution in China verboten, und zwar nicht nur auf dem Papier.


George Hatem …..244 Bordelle in 48 Stunden

Keine Rede mehr
Davon kann heute keine Rede mehr sein. Zwar ist die Prostitution in China nach wie vor verboten, aber längst hat sie sich wieder ausgebreitet. Insbesondere in den Großstädten – und in den von Ausländern frequentierten Hotels ist sie allgegenwärtig, wie ein investigativer Bericht der BBC vor zwei Monaten dokumentierte: Als „Massagesalons“ notdürftig getarnt, die mit offenbar heimlicher Billigung der Hotelbetreiber dort Sexdienste anbieten.

Nach Schätzungen bieten rund 6 Millionen Chinesinnen Sex-Dienste an

Parallel dazu breiten sich die Geschlechtskrankheiten wieder aus.

George Hatem war damals einer der wenigen Ärzte in der jungen Volksrepublik China, und dieser Berufsstand genoss ausserordentlich hohes Ansehen unter der Bevölkerung.

Auch das hat sich mittlerweile geändert, denn die Berichte von gewalttätigen Übergriffen unzufriedener Patienten bzw. deren Angehörigen gegen Ärzte und Krankenhauspersonal häufen sich, wir berichteten bereits darüber.

Am 25 Oktober kam die Meldung über den Nachrichtenticker, dass ein chinesischer Arzt von einem Angehörigen eines Patienten erstochen worden war. Es ist offenbar nur die Spitze eines Eisbergs, denn nun wandten sich fünf Ärzte des 2. Militär-Krankenhauses der Universität von Schanghai, Tian Yang, Han Zhang, Feng Shen, Jie-Wei Li und Meng-Chao Wu, mit einem Brandbrief an die hochangesehene Medizinzeitung LANCET, die diesen Brief am 23.11.2013 veröffentlichte (Lancet Vol. 382 23. November 2013)
Sie schrieben:

Within only 10 days in October, seven consecutive incidents of violence against medical personnel took place in Chinese hospitals, three doctors were killed and ten medical staff injured……Chinese doctors are under tremendous stress.


Arzt in China …….gefährlicher Beruf.

Bereits zuvor hatten im September 2013 die Ärztin An Jingang vom 2. Affiliated Hospital, School of Medicine Xi’an Jiatong und Cai-Yue Liu, Xin-Yao Wang und Hua Jiang vom Changzengh Hospital der 2. Armee-Universität in Schanghai mit ähnlichen Beschwerden in Briefen sich an den LANCET gewandt (Lancet Vol. 382, 14.9. 2013).

Und davor im August 2012 Xue-Qiang Wang, Xiao-Tong Wang und Jie-Jiao Zheng vom Huandong Hospital der Fundan Universität in Schanghai (Lancet 18.August 2012 Vol 380).

Schliesslich nahmen Jie Zeng, Xing X zeng und Qi Tu von der Central South Universität, Medical College, Changsha/Hunan im LANCET vom 7.12. 2013 Stellung:


„A gloomy future for medical students in China“

Sie berichten von:

– insgesamt 17.243 tätlichen Angriffen gegen Ärzte und Pflegepersonal in China im Jahre 2010.

– dass von den 600.000 Absolventen des Medizinstudium in den letzten 5 Jahren lediglich 1/6 auch den Beruf des Arztes ergriffen hätte..

Bessere Sicherheitsvorkehrungen gefordert
Die Ärzte fordern bessere Sicherheitsvorkehrungen, um sich und das Krankenhauspersonal zu schützen, dazu eine verbesserte Gesetzgebung, und härtere Strafen.

Allerdings stellt sich die Frage,, wie es zu dieser Umkehr von Respekt , nicht nur in totale Respektlosigkeit , sondern Gewaltausübung kommen konnte.

Die Antwort findet sich zwanglos in dem ungebremsten Kapitalismus, der nichts mehr mit den Vorstellungen Mao Zedongs zu tun hat, dessen 120. Geburtstag gerade mit Pomp gefeiert wurde.

In China ist mittlerweile alles käuflich, einschliesslich der Benutzung eines Frauenkörpers zum Zwecke der sexuellen Befriedigung.

Offenbar sind einige Patienten, bzw.deren Angehörige, der Ansicht, dass auch Gesundheit – unter welchen Umständen auch immer – in vollem Umfang käuflich, bzw. nur eine Frage des Geldes ist.

Der Katzenjammer, wenn Ärzte auch noch bestochen wurden, was offenbar auch nicht allzu selten ist, wie mir chinesische Ärzte berichteten, mit denen ich in Botswana zusammenarbeitete .zeigt sich spätestens dann, wenn die gekauften Hoffnungen sich nicht realisieren, bzw. objektiv gar nicht realisieren konnten.

Hinzu kommt, dass es offenbar kulturell nicht gerade einfach ist, schon nach der Diagnosestellung, bzw. zu Beginn der Behandlung, mit aller Deutlichkeit den Patienten klar zu machen, wohin die Reise geht, welche Risiken bestehen, und was realistisch von einer bestimmten Heilbehandlung erwartet werden kann.

Differenzierte Antwort erforderlich
Die Antwort auf die gegen Ärzte und Krankenhauspersonal gerichtete Gewalt kann sicherlich nicht nur darin bestehen,, die Gesetze zu verschärfen und die Sicherheitsvorkehrungen zu verbessern, ggf. Polizei in den Krankenhäusern zu stationieren.

Vielmehr muss der Kulturverwahrlosung, bedingt durch zügellosen Kapitalismus, Einhalt geboten werden, und Sozialverhalten wieder reaktiviert werden. Vor allem aber muss mit der weitverbreiteten Vorstellung gebrochen werden, dass mit Geld alles gekauft werden kann, einschliesslich der Gesundung von einer unheilbaren Erkrankung.

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